An Begeisterung fehlte es der fünften Klasse der Lehrerinnen Rebekka Grütter und Käthi Thommen im Liestaler Gestadeckschulhaus heute Morgen nicht: Eifrig erforschten die zwanzig Mädchen und Buben Stromkreise, freuten sich, wenn wieder ein Lämpchen aufblinkte, was Hinweis für einen geschlossenen Kreis war.

Die zehnjährige Merjema erklärte: «Mit dem Thema Strom haben wir schon vor den Ferien begonnen, aber heute haben wir mit echten Tests angefangen. Ich schaue jetzt, welche Materialien Strom leiten.»

Dass Bildungsdirektor Urs Wüthrich und sein Tross am ersten Schultag gerade diese Klasse besuchten, hatte natürlich seinen Grund: Die Liestaler Primarschule macht zusammen mit acht weiteren Schulen im Baselbiet am Deutschschweizer Pilotprojekt Swise mit, was für Swiss Science Education steht.

Hauptziel ist dabei, naturwissenschaftliche und technische Fächer zu vertiefen. Hintergrund sei, so erläuterte Regierungspräsident Wüthrich an einer Medieninformation, dass sich zu wenige Schüler für einen derartigen beruflichen Weg interessierten.

Und Wüthrich ergänzte: «Für die Teilnehmer an der heutigen Welt sind naturwissenschaftliche Kompetenzen unerlässlich.»

Einer, der den naturwissenschaftlichen Weg mit Erfolg eingeschlagen hat, ist der Physiker Robert Sum. Er ist Mitbegründer der Firma Nanosurf mit 30 Mitarbeitern in Liestal, die unter anderem hochspezialisierte Mikroskope an die amerikanische Weltraumbehörde Nasa für das Erkunden des Mars lieferte.

Und Sum sagte am ersten Schultag, was für ihn wichtig war für die Wahl seines Berufswegs: Nebst Schlüsselpersonen wie seinem «tollen» Physik-Lehrer am Gymnasium sei das «die Narrenfreiheit zum Spielen und Tüfteln» gewesen, die er in jungen Jahren genossen habe.

Daneben sei aber auch wichtig, dass die Erwachsenen den Spass an Technik vorlebten und diese nicht veruteilten, was nichts mit Technikgläubigkeit zu tun habe. Und Sum, befragt nach Tipps an Lehrer und Eltern, betonte: «Kinder sind von Natur aus neugierig. Am wichtigsten ist, diese Neugier bei ihnen nicht einschlafen zu lassen.»

Rebekka Grütter und Käthi Thommen versuchen genau das mit ihrem Unterricht, ohne die einzelnen Kinder zu überfordern. Wüthrich seinerseits will die naturwissenschaftlich-technischen Fächer beim Lehrplan 21 stärken.

Ihm schwebt auch vor, technische Freizeitaktivitäten ähnlich wie die sportlichen zu fördern. Er selbst hätte sich in seiner Jugend eine «Töffli-Frisier-Zentrale» gewünscht, wie er lachend gestand.