Die eindeutige Ja-Parole zur Fusionsfrage hatte die Baselbieter SP bereits an einem früheren Parteitag gefasst. Bei den übrigen nationalen und kantonalen Vorlagen gaben die Genossinnen und Genossen die gemeinhin erwarteten Abstimmungsempfehlungen. 

Nein, es war die Nominierung der SP-Kandidaten für die kommenden Regierungsratswahlen, welche die gesamte Dramatik der Delegiertenversammlung in Sissach ausmachte.

Einer- oder Zweierkandidatur?

Das begann schon bei der Frage um die Einer- oder Zweierkandidatur. In einem veritablen Familien-Zwist sprach sich zuerst die Aescher Landrätin Christine Koch für ein Einer-Ticket aus, weil sie endlich einmal selber hätte bestimmen wollen, "welcher SP-Kandidat schlussendlich gewählt wird".

Gleich anschliessend plädierte ihr Sohn Jan Kirchmayr flammend für eine "ganz klare" Zweier-Kandidatur, um dem bürgerlichen Viererticket entschlossen entgegenzutreten. Mit grossem Mehr bei nur einer Handvoll Gegenstimmen folgte die Basis dem Antrag der Parteileitung auf die Zweier-Kandidatur; dies ganz im Sinne jenes Vorredners, der keinen Grund dafür sah, "jetzt freiwillig in Defensive zu gehen" und dazu aufrief, den früheren Anspruch auf eine rot-grüne Regierungsmehrheit aufrechtzuerhalten.

Nebiker und Münger

Dass die SP-Delegierten um 22.28 Uhr mit deutlicher Mehrheit die Baselbieter Staatsarchivarin Regula Nebiker sowie mit knappen 5 Stimmen Vorsprung den alt Landrat und Gewerkschaftsvertreter Daniel Münger auf den Schild hoben, war spätestens nach der offenen Diskussion keine Überraschung mehr.

Nebikers Kandidatur war aufgrund des Frauenanspruchs ohnehin so gut wie gesetzt, für Münger hatte sich die Mehrzahl der aktiven Landräte ausgesprochen; hier wurden vor allem die gute Vernetzung und das grosse Verhandlungsgeschick des Münchensteiners hervorgehoben. Der vor allem von den Leimentaler Delegierten getragene Therwiler Landrat Christoph Hänggi konnte immerhin das absolute Mehr von 65 Stimmen übertreffen. Die Resultate im einzelnen: 91 Stimmen für Nebiker, 73 für Münger, 68 für Hänggi.

Derjenige, dessen Sitz einer der beiden nun offiziell nominierten Namen beerben soll, fehlte gestern in Sissach: Regierungsrat Urs Wüthrich hatte sich wegen des Zwischenfalls am Nachmittag in seiner Direktion entschuldigen lassen, um den Abend zusammen mit seiner beunruhigten Familie zu verbringen.

Parteisekretär Ruedi Brassel verurteilte die anonyme Briefpost mit dem unbekannten weissen Pulver aufs schärfste: "Das ist eine neue Dimension. Das ist ein Bruch mit einer politischen Kultur, die wir fair zu handhaben versuchen."

Parteipräsidentin Pia Fankhauser rief dazu auf, sich entschieden gegen solche Entwicklungen zur Wehr zu setzen - gegen solche Entwicklungen und die "bürgerliche Macht- und Blockpolitik", welche die SP nun am 8. Februar 2015 mit dem Zweier-Ticket Nebiker/Münger brechen möchte.