Mit Pauken und Trompeten – und mit Alphorn, Saxophon, Gitarre und Trillerpfeifen – demonstrierten Ende August an die 500 Schüler der fünf Baselbieter Gymnasien lautstark gegen die von Bildungsdirektorin Monica Gschwind angekündigten Sparmassnahmen im Bildungsbereich. Nun erhalten sie Unterstützung von ihren Rektoren. Diese wählten allerdings den deutlich leiseren Weg des geschriebenen Wortes, um ihren Unmut kundzutun.

In einem Brief an Gschwind vom 19. Oktober, der der «Nordwestschweiz» vorliegt, bitten die Fünf die FDP-Regierungsrätin «dringend», mehrere Sparvorhaben zurückzunehmen: die Streichung der Kompensation für die Überzeit der Lehrer bei Lagereinsätzen (650 000 Franken), die Streichung des Beitrags an den Instrumentalunterricht (370 000), die Reduktion des Freifachangebots (320 000) sowie die Abschaffung des Beitrags an Betriebsanlässe (491 000 Franken über alle Direktionen).

Ausserschulisches kommt zu kurz

Dabei beweisen Thomas Rätz (Rektor Gymnasium Liestal), Isidor Huber (Laufen), Gabriel Hänggi (Münchenstein), Brigitte Jäggi (Muttenz) und Marc Rohner (Oberwil), dass man auch schriftlich laut werden kann: «In den letzten 20 Jahren war die Stimmung nach einhelliger Wahrnehmung aller Schulleitungsmitglieder noch nie auf einem derartigen Tiefpunkt», heisst es da.

Und: «Die Lehrerschaft fühlt sich ungerecht behandelt und vermisst jede Art von Wertschätzung vonseiten der Regierung.» Und: «Bereits jetzt ist in der Lehrerschaft eine gewisse Depression und Lähmung deutlich spürbar. (...) Der breite Rückzug auf den Dienst nach Vorschrift ist in vollem Gange, und die Gymnasien befinden sich in einer Abwärtsspirale, die wir Rektorinnen und Rektoren nicht bremsen können.»

Die Folgen dieser «Frustration und Verärgerung» seien schwerwiegend. Die Rektoren befürchten, dass nun kein Lehrer mehr Aufgaben übernimmt, die ausserhalb der durch den Berufsauftrag vorgeschriebenen Gefässe liegen. Gemeint sind Schulentwicklungsprojekte, die Leitung von Konventen und Arbeitsgruppen, die Begleitung von Klassen an ausserschulischen Aktivitäten wie Gymnasiaden oder auch an Exkursionen, Lagern, Studienwochen, die Planung und Durchführung von Fortbildungen sowie die Vertretung in Gremien auf regionaler und nationaler Ebene.

Lager sind unterdessen gerettet

«Es ist uns klar, dass der Kanton Baselland sparen muss», betont Isidor Huber, Rektor des Gymnasiums Laufen auf Anfrage. Doch gerade die Gymnasien hätten in den letzten Jahren keinesfalls «geklotzt», sondern stetig die Pro-Kopf-Kosten gesenkt. Da wirke der Sparbefehl nun besonders schwierig. «Man merkt, dass die neue Regierung alternativlos sparen will», so Huber. Man brauche aber motivierte und engagierte Lehrer. Gerade Dinge wie Mitarbeiteranlässe seien deshalb nicht zu unterschätzen: «Der Mensch lebt nicht vom Geld allein», sinniert Huber.

Und wenn Massnahmen die Schüler direkt betreffen, wie bei den Lagern, dem Musikunterricht oder den Freifächern, «da sind Lehrer noch sensibler». Immerhin: Seit die Rektoren den Brief vor zwei Wochen abgeschickt haben, hat sich etwas getan: Die Regierung spart nun doch weniger bei Lagern und Projektwochen. «Hier hat sich unser Engagement ausbezahlt», freut sich Huber. Dafür können Gymnasiallehrer keine Sabbaticals nehmen. Diese würden nur einzelne Lehrer betreffen, Lager aber alle Schüler. Ansonsten habe man aber noch keine Reaktion von Gschwind auf den Brief erhalten. Erst danach werde man das weitere Vorgehen besprechen.

Gschwind schildert ihr Dilemma

Gegenüber der «Nordwestschweiz» nimmt die Bildungsdirektorin schriftlich Stellung: «Es ist sinnvoll, dass sich die Rektoren an mich wenden», schreibt Gschwind und lobt die Arbeit, die die Lehrer aller Schulstufen täglich leisten würden. Sie nimmt sie aber auch in die Pflicht: «Ich zähle auf die Motivation der Lehrer in dieser herausfordernden Zeit.» Dass die Gymnasien effizient und gut geführt seien, «weiss ich sehr zu würdigen und zu schätzen».

Allerdings müsse Gschwind die finanzielle Gesamtsituation des Kantons im Auge behalten. Wenig erstaunlich betont sie: «Im Falle der Lageraufstockung konnte ich bereits eine Lösung durchbringen, die das Sparziel aber auch Schullager weiter ermöglicht.» Was die anderen Forderungen angeht, bleibt Gschwind vage: «Die flexible Umsetzung weiterer Massnahmen steht derzeit zur Diskussion.» Darüber werde sie – gerne – informieren, sobald Resultate vorlägen.