Bei der Behörde gingen zwar etwas weniger Fälle ein, dafür arbeitete sie Pendenzen ab. Die Zahl der erledigten Fälle stieg gemäss Geschäftsbericht um 3 Prozent auf 30'535, wie an der gestrigen Medienorientierung am Strafjustizzentrum in Muttenz bekannt gegeben wurde. Fast 88 Prozent der Fälle mit Datum 2018 wurden noch im selben Jahr erledigt.

Das aufwendigste Strafverfahren in der Geschichte des Kantons Baselland ist im vergangenen Sommer über die Bühne gegangen. Der «Kickboxer-Prozess» – behördenintern «Fall Dojo» genannt – zog sich über vier Jahre hin. Im Februar 2014 überfiel Kickboxer Paulo Balicha mit über einem Dutzend Vermummten das Kampfsportzentrum seines Erzfeindes und früheren Schülers Shemsi Beqiri in Reinach. Es gab etliche Verletzte, die Gerichtsverhandlung dauerte 28 Tage, die Akten füllten 52 Bundesordner, die Anklageschrift war 65 Seiten lang.

Haupttäter Balicha erhielt eine unbedingte Gefängnisstrafe. An diesem Megaprozess lässt sich ein Problem aufzeigen, mit dem sich die Staatsanwaltschaft konfrontiert sieht. Der Aufwand steigt wegen der stark ausgebauten Teilnahmerechten von Angeklagten, wie es die 2011 eingeführte Eidgenössische Strafprozess-Ordnung (StPO) vorschreibt. Ebenso halten die Landesverweise die Staatsanwälte auf Trab.

Im Fall Dojo waren rund 70 Personen involviert, über 160 Einvernahmen ordnete die Staatsanwaltschaft an. Bei 100 wohnten die Beschuldigten samt ihren Rechtsvertretern bei. Jedes Mal war jedoch auch sämtlichen anderen Beschuldigten mit Anwälten oder Verteidigern die Gelegenheit zu gewähren, an der Einvernahme dabei zu sein – eine grosse Belastung für das Personal.

Internet ist neuer Hot-Spot

«Die Einführung der Strafprozess-Ordnung hat der Staatsanwaltschaft deutlich mehr Arbeit beschert», sagte gestern der Baselbieter Sicherheitsdirektor Isaac Reber. «Gerade der Fall Dojo hat viel Zeit in Anspruch genommen – zu viel Zeit.» Das habe mit den grosszügig ausgestalteten Teilnahmerechten zu tun. «Es braucht Korrekturen, darauf wirken wir im Rahmen der laufenden Teilrevision der StPO hin.»

Bei den Landesverweisen stiegen die Fallzahlen 2018 im Vergleich zum Vorjahr stark an. Die Staatsanwaltschaft beantragt die Massnahme in allen Fällen, in welchen sie zur Diskussion steht. Rechtskräftige Anträge für obligatorische Landesverweise – also bei Delikten, die automatisch eine Ausschaffung nach sich ziehen – gab es 62 (Vorjahr 44). Nicht-obligatorische Landesverweise zählte die Behörde 12 (2017: 8).

Bei den meisten Personen, denen eine Ausschaffung droht, handelt es sich um mutmassliche Einbrecher und Kriminaltouristen, die oft in Verbindung zu weiteren Delikten standen. An zweiter Stelle folgen Zuwiderhandlungen gegen das Betäubungsmittelgesetz. Personen, denen eine Ausschaffung blüht, ziehen das Urteil häufig weiter. Das bindet Ressourcen der Staatsanwaltschaft. Per 14. März 2019 waren laut Geschäftsbericht alleine 19 Berufungsverfahren mit Landesverweisen am zweitinstanzlichen Gericht hängig.

Regierungsrat Reber betonte erneut, dass er der Bekämpfung von Cybercrime eine wachsende Bedeutung einräume. Die Kriminalität verschiebe sich immer stärker ins Internet, auch bei klassischen Delikten nähmen die Datenmengen zu. Geht es nach den Vorstellungen der Sicherheitsdirektion, werden rund ein Dutzend neue Stellen geschaffen. Die geplante Abteilung hätte zwei Abteilungen, eine der Polizei und eine der Staatsanwaltschaft. Eine Landratsvorlage ist in Arbeit. Ein weiteres Projekt der Direktion ist die Überprüfung der Schnittstellen zwischen Polizei und Staatsanwaltschaft.

Für Reber war es das letzte Mal, dass er den Geschäftsbericht der Staatsanwaltschaft präsentierte. Per 1. Juli 2019 wechselt er in die Baudirektion, seinen Posten übernimmt die frisch gewählte SP-Regierungsrätin Kathrin Schweizer.