Die wählerstärkste Baselbieter Partei, die SVP, spricht sich gegen den Bau des Margarethenstichs aus. An ihrem Parteitag beschlossen die SVP-Mitglieder am Donnerstagabend in Frenkendorf mit 11 Ja- zu 57 Nein-Stimmen bei 11 Enthaltungen relativ deutlich die Nein-Parole. Das Baselbieter Volk entscheidet am 24. September über das öV-Projekt an der Grenze von Basel und Binningen. Dieses kostet total rund 21 Millionen Franken. Davon entfallen auf den Kanton Baselland 7,3 Millionen.

70 Prozent im Auto unterwegs

21 Millionen für 365 Meter Tramgeleise - das sei ein sehr hoher Betrag, argumentierte der Bottminger SVP-Landrat Hanspeter Weibel. Zumal eine direkte Tramverbindung an den Basler Bahnhof SBB bereits heute bestehe. "Im besten Fall sind Sie dann fünf Minuten schneller am Bahnhof - im besten Fall", sagte Weibel. Demgegenüber werde mit der Realisierung des Tramprojekts eine Verlängerung der Fahrzeit jener in Kauf genommen, die mit Auto, Motorrad oder Velo unterwegs seien und künftig wegen des Rotlichts an der Kreuzung Binningerstrasse/ Margarethenstich warten müssen. Und das sei die Mehrheit, fügte Weibel an. Auch im Pendlerverkehr in der Agglomeration seien 70 Prozent im Auto unterwegs. Der Margarethenstich sei letztlich also nicht für, sondern gegen die Menschen im Leimental.

BLT-Chef Andreas Büttiker zeigte sich mit diesen Argumenten überhaupt nicht einverstanden. Er verwies auf das aus seiner Sicht hervorragende Kosten-Nutzen-Verhältnis des Margarethenstichs. Die wichtigste Verbesserung sei nicht der Zeitgewinn von fünf Minuten, sondern die neuen umsteigefreien Verbindungen Richtung oberes Kleinbasel und Messeplatz, also wichtige Arbeitsplatzgebiete der Stadt. Büttiker verglich mit dem Euroville-Projekt vor knapp 15 Jahren. Die neue Direktverbindung an den Bahnhof SBB brachte auf den BLT-Linien 10 und 11 damals eine Nachfragesteigerung von 15 Prozent innert bloss zwei Jahren. Das Geld sei bestens investiert - auch weil im Gegensatz zu anderen Bauprojekten keinerlei wiederkehrende Kosten entstehen. Komme hinzu, dass die gesprochenen Bundesgelder über maximal 4,4 Millionen bei einem Volks-Nein zum Margarethenstich nicht etwa eingespart, sondern in ein Verkehrsprojekt anderswo in der Schweiz investiert werden.

Auch Sollberger sagt Nein

Letztlich konnte der BLT-Chef damit bloss eine Minderheit überzeugen. Auch SVP-Nationalrätin Sandra Sollberger stimmte Nein, Nationalrat Thomas de Courten enthielt sich der Stimme. Die SVP ist damit die einzige grössere politische Kraft im Landkanton, die sich gegen das Projekt stellt. SP, Grüne, CVP und auch die FDP haben jeweils deutlich bis einstimmig Ja gesagt zum Margarethenstich. Das deutliche Nein der SVP-Basis gibt im angelaufenen Abstimmungskampf Hinweise auf die Stimmung im Volk. Dennoch gehen Beobachter von einem Ja am 24. September an der Urne aus. Die neue Tramverbindung, die mit der BLT-Linie 17 bedient werden soll, wird laut Berechnungen dereinst von 8000 Fahrgästen pro Tag genutzt.