Frau Sollberger, worüber sprechen wir?

Sandra Sollberger: Ich habe einen ziemlich passenden Begriff aus dem Nähkästchen gezogen: Farbtupfer.

Stört es Sie nicht, dass Sie für viele einfach «die mit der roten Strähne» sind?

Das stört mich überhaupt nicht, denn es ist ja wahr. Und das kann man ja nicht immer von allen Dingen sagen, die über einen erzählt werden.

Die rote Strähne ist zu Ihrem Markenzeichen geworden. Kommt sie nie weg?

Das würd ich so nicht sagen. Solange sie mir gefällt, behalt ich sie. Ich hab sie ja auch schon viel länger, als ich im Rampenlicht stehe. Eine Freundin fragte mich mal, ob sie für ihre Meisterprüfung als Coiffeuse etwas ausprobieren dürfe und ich sagte: «Mach, was d’wotsch.» Das war das Resultat.

Passt der äussere Farbtupfer auch zu Ihnen als Politikerin, fallen Sie also gerne auf und setzen Akzente?

Ja und nein. Ich setze gerne Akzente, doch müssen sie nicht unbedingt von allen so stark wahrgenommen werden wie meine rote Strähne. Ich arbeite politisch lieber etwas im Hintergrund und bin nicht gern auf den Titelseiten der Zeitungen. Dafür fehlt mir vor allem auch die Zeit. Familie, Malergeschäft und Politik füllen meine Agenda bereits gut aus.

Durchaus aufgefallen sind Sie der Parteileitung der SVP Schweiz, in die Sie mittlerweile aufgenommen wurden ...

Und das, obwohl sie mich dort vor drei Jahren noch überhaupt nicht kannten. Es in der grössten Partei des Landes so schnell so weit nach oben geschafft zu haben, ist wohl der krassere Akzent als meine rote Strähne.

Und dabei sind Sie erst vor zehn Jahren in die Partei eingetreten.

Vorher hatte ich einfach keine Zeit, mich mit der Politik abzugeben. Ich kam 23-jährig Mitte der 90er aus dem Aargau nach Bubendorf, kannte niemanden ausser meinem Mann, wurde sehr jung Mutter und war beruflich ausgelastet. Bloss an die Gemeindeversammlungen ging ich immer. 2008 fragte mich dann ein SVPler, ob ich in den Gemeinderat möchte. Ich hatte auch eine Anfrage von einer anderen Partei, doch für mich war schnell klar: Den grössten gemeinsamen Nenner hab ich mit der SVP.

Als Malermeisterin machen Sie sich die Hände dreckig, packen an. Wie passt das zum abgehobenen Politbetrieb?

Gerade in der SVP packen wir die Probleme auch an. Aber ich weiss ja schon, was Sie ansprechen: Ich nehme sehr viel von der Baustellen-Mentalität mit in die Politik. Ich versuche immer, eine einfache, pragmatische Lösung zu finden ohne zu viel administrativen Aufwand. Es bringt grundsätzlich viel, den gesunden Menschenverstand aus dem Alltag mit nach Bern zu nehmen. Nicht nur schwatzen, sondern auch machen.

Sind Sie politisch strikt einfarbig unterwegs oder auch kompromissbereit?

Ich bin sehr kompromissbereit. Auch das hab ich von der Baustelle: Wenn der Schreiner noch arbeitet, staubt es. Da kann ich als Maler nicht schon streichen. Man muss miteinander reden. Kompromisse gehe ich aber nicht zu jedem Preis ein.

Sie gelten als Hardlinerin, die stramm auf Parteikurs politisiert.

Das Wort Hardliner gefällt mir nicht, das ist ein Gummibegriff. Mein Ziel ist auf der Baustelle wie in der Politik, ein Geschäft zu Ende zu bringen. Zugeständnisse sind möglich, doch von meinem Hauptziel lasse ich mich nicht abbringen. Ich bin voll und ganz SVP und identifiziere mich mit allen Werten, habe aber da und dort schon auch moderatere Ansichten, etwa bei der Frage, ob gleichgeschlechtliche Paare heiraten dürfen. Damit stehe ich in der SVP aber nicht allein.

Wie halten Sie es denn mit fremden Vögeln?

Ich liebe fremde Vögel, denn Ornithologie ist schliesslich mein Hobby (lacht). Auch auf den Menschen gemünzt habe ich nichts gegen fremde Vögel, solange sie sich in unserer Voliere so benehmen, wie es sich gehört. Ich habe selber welche in meinem Betrieb, die durchaus einen Farbtupfer darstellen. Solange sie arbeiten wollen und sich bemühen, sind sie herzlich willkommen.

Was ist Ihr Lieblingsvogel?

Oh, das hängt immer davon ab, wo ich gerade bin. Im Moment ist es wohl das Rotkehlchen. Ich freue mich riesig, dass es seit dieser Woche zurück in unserem Garten ist. Auch Krähen mag ich sehr, weil sie so schlau sind. Viele Leute merken es nicht, aber Krähen sind coole Viecher.

Warum überhaupt dieses Hobby?

Der Vorteil an der Ornithologie ist, dass man sie ganz schnell ausüben kann. Ich habe kaum Zeit für mehr Hobbys, denn meine andere Leidenschaft ist das Lesen. Ich lese fast alles mit Farben oder Vögeln im Titel. Das ist kein Witz.

Farben und Vögel durchdringen also wirklich Ihr Leben.

Ja, sie springen mich einfach an. Und trotzdem bin ich nicht bei den Grünen (lacht).

Grün ist zwar auch die Farbe der SVP.

Ich muss mir manchmal schon Sprüche anhören, warum ich immer so rot angezogen bin. Aber Farben gehören für mich eben niemandem. Sie sind für alle da.