Schon zum Prozessauftakt vor dem Baselbieter Strafgericht war klar, dass der 43-jährige Kameruner Teil eines perfiden Abzocker-Netzwerkes war. Nach und nach hatte er auch zugegeben, im Februar 2017 einzig für einen faulen Wash-Wash-Trick mit Ascorbinsäure nach Liestal gereist zu sein, wo man ihn vor einem Jahr festgenommen hat. Mithilfe der Chemie hätten angeblich eingefärbte Banknoten wieder «aktiviert» werden können.

Das Baselbieter Strafgericht verurteilte ihn heute Mittwoch wegen gewerbsmässigen Betruges: Eine Geldübergabe von 5400 Euro in Freiburg im Breisgau durch eine 57-jährige Baselbieterin habe er nachweislich mitorganisiert, auch wenn er dort im Hintergrund blieb.

Damals zeigte man der Frau in einem Hotelzimmer die «Umwandlung» unter Einsatz von Chemie, Wasser und Alufolie mit viel Brimborium vor. Der Wash-Wash-Trick ist fast schon ein Klassiker: Dabei muss jemand echte Geldscheine bereitstellen, aus denen die Betrüger mit einer Chemikalie angeblich weitere Banknoten machen. Als Verdienst winkt viel Geld – doch am Ende erhalten die Betroffenen nur wertlose Papierblätter in den Händen. Laut den Baselbieter Richtern war der Kameruner weder ein einfacher Laufbursche noch der Chef, sondern quasi etwas dazwischen: ein klassischer Mittäter. Da der Mann sei Jahren arbeitslos ist und in die Betrügereien viel Zeit investiert habe, ging das Gericht von Gewerbsmässigkeit aus.

Auch bei der Vorgeschichte unter dem Stichwort Romance Scam sei der Mann vermutlich involviert gewesen, doch könne man dies nicht eindeutig nachweisen. Deshalb gab es hier einen Teilfreispruch punkto Betrug. Da in der Schweiz für eine Verurteilung wegen Betruges ein arglistiges Vorgehen verlangt wird, stellt sich immer die Frage nach der Mitverantwortung des Opfers. Insbesondere die Verteidigerin meinte, es sei unverzeihlich, auf solche Tricks reinzufallen.

Schwächen gezielt ausgenutzt

Die drei Richter sahen das anders, man habe menschliche Schwächen gezielt ausgenutzt. «Die Täuschungshandlungen waren clever aufgebaut und wurden mit viel psychologischem Verstand angewendet», sagte Strafgerichtspräsident Christoph Spindler dazu. Beim Kennenlernen über ein Dating-Portal wurde der Frau ein fiktiver US-Soldat in Afghanistan vorgespielt, nach langen Diskussionen über Privates wurden dann nach und nach angebliche Goldreserven und gefährdetes Bargeld erwähnt. Der Gerichtspräsident meinte, die Frau habe beispielsweise nicht einfach so bei einem Militärstützpunkt in Afghanistan anrufen und fragen können, ob ein bestimmter Soldat tatsächlich existiere.

Das ganze Vermögen verpulvert

Da der Mann nur für die Betrügereien im Januar 2017 verurteilt wurde, limitierte das Gericht auch die Schadenersatzforderung der Frau auf die 5400 Euro. Für die restlichen im Jahr 2016 überwiesenen Beträge von über 60 000 Franken für angebliche Goldlager- und Transportgebühren müsste man mindestens die anderen beiden Täter ermitteln, derzeit fehlt von ihnen jede Spur. Die Frau verpulverte in der Geschichte ihr ganzes Vermögen. Wie gross die Gruppe tatsächlich ist, blieb unklar, Anonymität und Arbeitsteilung gehört quasi zum Geschäftsmodell.

Polizeilich bekannt sind einzelne Mitglieder längst, doch offenbar datiert eine Vorstrafe des Mannes in Berlin noch aus den 1990er-Jahren und ist damit bereits gelöscht. Damit kam der Mann nun formell als Ersttäter und mit einer bedingten Freiheitsstrafe von 18 Monaten davon.

Der 43-Jährige sass seit seiner Festnahme in Liestal exakt ein Jahr in Untersuchungshaft. Trotz der bedingten Strafe bleibt er vorläufig hinter Gitter: Die drei Richter ordneten Sicherheitshaft an, solange die Rechtsmittelfrist noch läuft. Nebst dem Verurteilten könnte auch die geschädigte Frau den Fall noch weiterziehen, um etwa einen höheren Schadenersatz durchzusetzen. Zu holen ist bei ihm allerdings nichts.

Ohne Weiterzug wird das Urteil in zehn Tagen rechtskräftig, das Baselbieter Migrationsamt ist dann für seine Überstellung nach Frankreich zuständig. Das Gericht ordnete auch einen Landesverweis an, damit erhält der nördlich von Paris wohnhafte Mann für sechs Jahre eine Einreisesperre für die Schweiz.