Die Rollläden des alten Gasthofes sind geschlossen. Die «Station Lampenberg» unterhalb Ramlinsburg, seit vier Jahren kantonales Durchgangszentrum für Asylsuchende, steht leer. Und das ein Jahr früher als geplant, denn der fünfjährige Mietvertrag des Kantons läuft noch bis zum 31. März 2014. Gegenüber der bz eröffnet der Baselbieter Asylkoordinator Rolf Rossi eine neue Strategie: «Wir versuchen im Hinblick auf das Ende des Mietvertrages schon jetzt, ob wir auch ohne Durchgangszentrum zurecht kommen.»

Allschwil entlastet den Kanton

Damit wirft Baselland frühere Pläne über Bord, wonach als Ersatz für die 80 Plätze umfassende «Station Lampenberg» eigentlich in Therwil ein neues Durchgangszentrum mit 120 Plätzen hätte gebaut werden sollen. «Wir haben die Gemeinde vor ein paar Monaten informiert, dass wir uns vom Projekt zurückziehen», sagt Rossi. Die Situation bei den vom Bund zugewiesenen Asylbewerbern hätte sich zusehends entspannt. Baselland verfüge zurzeit in den 86 Gemeinden über genügend freie Plätze, sodass eine Zwischenstation nicht mehr nötig sei. «Es erleichtert natürlich unsere Arbeit, wenn die Zugewiesenen nicht erst beim Kanton parkiert, sondern direkt auf die Gemeinden verteilt werden können.» Zudem entlaste die neue Aussenstelle des Bundesempfangszentrums in Allschwil die restlichen Gemeinden um 150 Personen pro Jahr. Und auch die neue Strategie des Bundes, Asylentscheide schneller zu fällen, könnte die Zahlen dauerhaft senken.

Dass es auch eine Herausforderung ist, verschweigt Rossi gleichwohl nicht. Denn es kommt vor, dass der Bund erst am Nachmittag die Kantone über Asylsuchende informiert, die am nächsten Morgen bereits eine Unterkunft brauchen. Genau dafür gab es bisher das Durchgangszentrum. Und genau deshalb kündigt der Kanton den Mietvertrag mit dem Besitzer der «Station Lampenberg» auch nicht vorzeitig. Rossi: «Sollten wir doch Probleme bekommen, können wir die Unterkunft als Puffer kurzfristig wieder öffnen.» Damit sei dieses Jahr sozusagen eine 1:1-Übung für die Zeit ab April 2014.

Therwil sucht neuen Standort

Doch was geschieht danach, wenn Baselland plötzlich in einen Unterbringungsengpass gerät? «Die Strategie der Direktzuweisungen birgt durchaus ein gewisses Risiko», gibt Rossi zu. Offen ist auch, ob sie politisch längerfristig getragen wird. Schliesslich stehen mit dem Finanzdirektor und dem Leiter des Sozialamtes im Sommer gleich zwei bedeutende Wechsel an. Gleichwohl gibt sich Rossi zuversichtlich. So funktioniere in der Regel das Vorwarnsystem des Bundes, das mit einer Vorlaufzeit von ein bis zwei Monaten auf neue Spitzen hinweise.

«Wir haben bewiesen, dass wir in der Lage sind, innert zweier Monate zusammen mit den Gemeinden eine neue Unterkunft zu organisieren», wiegelt Rossi ab. Diese Zuversicht schöpfe er nicht zuletzt daraus, dass die Zusammenarbeit mit den Gemeinden immer besser werde. Das in Therwil beerdigte Durchgangszentrum zeigt allerdings, dass es solche Projekte nach wie vor schwer haben. «Es kam uns durchaus entgegen, dass der Kanton die Sache abblies», sagt Gemeindepräsident Reto Wolf. Die Bedenken der Bevölkerung seien gross gewesen - und seien es noch: Denn Therwil sucht noch immer einen Ersatz für ihr kommunales Asylheim im «Löwen», da die Gemeinde die Liegenschaft verkaufen will. Eine Begleitgruppe soll nun mehrheitsfähige Vorschläge ausarbeiten.