Es kommt einem vor, als ob Hans Rudolf Gysin das Scheitern ahnte. Es war im August 2012, als der Baselbieter Alt- FDP-Nationalrat zusammen mit Mitstreitern seine Regio-Stärkungsinitiative lancierte (nicht zu verwechseln mit der Regio-Kooperations-Initiative, siehe Kasten). Im Text zur Initiative, die zwei Basler Vollkantone fordert, baute Gysin eine Art Absicherungsklausel ein. Er hielt fest, dass nicht nur die Baselbieter Behörden auf das Ziel zweier Vollkantone hinwirken sollen, sondern auch die Behörden Basels und der drei anderen Kantone der Nordwestschweiz, also Aargau, Solothurn und Jura. Aber nur «wenn möglich». Schon jetzt steht fest, dass diese Einschränkung berechtigt war. Denn nicht nur Basel-Stadt will von der Vollkantons-Idee nichts wissen – auch die Nachbarn erteilen der Idee eine Absage.

Angeklopft haben in Aarau, Solothurn und Delémont aber nicht die Initianten, sondern die Baselbieter Regierung. Sie wäre es, welche die Forderung bei einem Ja zur Vorlage durchsetzen müsste. Und so schrieb sie ihren Kollegen Ende April einen Brief. Dieser wies – darauf lassen die Antworten schliessen – in etwa folgenden Kern auf: «Würdet ihr uns unterstützen bei unserem Vorhaben, Baselland und Basel-Stadt zu Vollkantonen aufzuwerten? Falls Ja: Habt ihr etwas dagegen, wenn wir das in unserer Verfassung festhalten würden?»

Nachbarn sind skeptisch

Die Antwort aus Solothurn liegt der bz vor. Lapidar hält der Regierungsrat fest: «Es steht (...) allein in der Macht des Kantons Basel-Landschaft, zu bestimmen, was in welcher Art in seiner Kantonsverfassung verankert werden soll.» Es stehe ihm nicht zu, stellt er im Schreiben mit Datum 26. Mai sodann fest, sich zu einer «Verfassungsbestimmung eines Nachbarkantons zu äussern».

Die Aargauer Regierung hält ihre Antwort unter Verschluss. Sprecher Peter Buri lässt aber auf Anfrage verlauten, dass der Aargauer Regierungsrat der Forderung «eher skeptisch» gegenüberstehe. «Er ist der Meinung, dass zwei Basler Vollkantone das austarierte föderale Gleichgewicht der Schweiz stören könnten.» Denn es müsse, fügt er an, mit «gleichlautenden Forderungen gerechnet werden von den anderen Kantonen mit lediglich einer Standesstimme».

Mit der «Störung des austarierten föderalen Gefüges» meint die Aargauer Regierung das Stimmenverhältnis im Ständerat zwischen den Sprachräumen. Mit den beiden Basel als komplette Stände gewänne die Deutschschweiz zwei Vertreter hinzu. Und deshalb muss – wie bei den bisherigen Aufwertungsversuchen – mit Widerstand aus der Romandie gerechnet werden.

Spannend wird es deshalb sein, wie die Antwort des Kantons Jura ausfällt. Der jurassische Regierungsrat habe zur Anfrage aus Liestal noch keine Stellung bezogen, heisst es aus Delémont.

Absagen waren vorhersehbar

Hans Rudolf Gysin sagt, er wundere sich nicht über die Absagen aus Aarau und Solothurn. Er kritisiert das Vorgehen der Baselbieter Regierung: «Es handelt sich um eine derart wichtige Frage, die man so nicht abhandeln kann. Einfach von Regierung zu Regierung ein paar Briefe zu verschicken, das ist nicht zielführend. Ich bin enttäuscht.» Gemäss Gysin hätte man sich zuerst mit Basel zusammensetzen und sich einig werden müssen. «Erst dann hätte man die Nachbarkantone kontaktieren dürfen. So aber sagen sich deren Regierungen: Wenn sich nicht einmal die beiden Basel einigen können, brauchen wir das nicht ernst zu nehmen. Genau so ist etwa die Solothurner Antwort auch ausgefallen.» Laut Gysin gäbe es in Basel-Stadt genügend Politiker, die der Vollkanton-Idee positiv gegenüberstünden.

Brisant an der Geschichte: Der Baselbieter Regierungspräsident Isaac Reber (Grüne) hat genau das Vorgehen, welches Gysin oben skizziert, selber vorgeschlagen. Die Regierung folge dem Auftrag, den Vollkanton-Status anzustreben, sehr gerne, sagte er im vergangenen Oktober zur bz – und schränkte sogleich ein: Aussicht auf Erfolg bestehe indes nur bei einem gemeinsamen Vorgehen mit Basel-Stadt.

Von einem «wenn möglich» war damals nicht die Rede.