Der Aargau hat einen, Basel-Stadt ebenfalls, Bern, St. Gallen und Graubünden sowieso: den eigenen Staatswein. Auch wenn nicht jeder dieser Offizialweine tatsächlich aus dem jeweiligen Kanton stammt, wie das Beispiel aus Basel-Stadt zeigt, dessen Staatswein gar aus dem nahen Ausland stammt, legen die Kantone viel Wert auf den «eigenen» Tropfen.

Seit Dienstag kann sich nun auch der Kanton Baselland eines eigenen Staatsweins respektive eigenen Staatsweinen rühmen. In gleich vier Kategorien wurden die repräsentativen Tropfen von Landwirtschaftsdirektor Thomas Weber prämiert. Die prämierten Tropfen werden künftig zu offiziellen Anlässen gereicht, bei Empfängen oder als Gastgeschenke.

Viele Winzer wollten mitmachen

Doch zuerst erkor die elfköpfige Jury um Weber aus jeweils drei Finalisten ihre Favoriten. Die letzten Drei waren aus den insgesamt 61 eingereichten Weinen von einer Expertenjury bestimmt worden. «Das Echo war überwältigend», bilanzierte Paul Leisi, Präsident der Weinproduzenten Region Basel/Solothurn; gerechnet hatte man mit höchstens 40 Eingaben. Unter dem Gebälk des Schlosses Ebenrain in Sissach wurde geschwenkt und gerochen, geschlürft und geschmeckt, gespuckt und geschrieben.

Die Siegerweine in den Kategorien Riesling-Sylvaner, Pinot Noir sowie weisse und rote Spezialitäten kommen aus Aesch, Maisprach, Muttenz und Wintersingen (siehe Box). Thomas Weber hofft, dass die hiesigen Tropfen dank der Auszeichnung über die Grenzen der Region hinaus für Furore sorgen werden und dem Baselbiet als Weinbaukanton die angemessene Anerkennung einbringen. Das sieht auch Nationalrätin Sandra Sollberger so, der man vor 20 Jahren noch keinen Baselbieter Wein zu kredenzen brauchte. «Heute dürfen wir stolz auf unsere Weine sein», liess das Jurymitglied verlauten.

«Ziemlich stolz» sogar ist Thomas Engel, Kellermeister der Siebe Dupf-Kellerei in Liestal und Schöpfer des Maispracher Kerners, der ausgezeichneten Weissweinspezialität. Es sei eine tolle Bestätigung seiner Arbeit. Lieber hätte der bekennende Pinot-Noir-Fan allerdings in der Kategorie seiner Lieblingsrebe reüssiert. «Aber es ist wie beim Fussball: Manchmal geht er auch daneben. Aber der Pinot ist auf jeden Fall unser Ziel für die nächsten Jahre.»

Auch bz-Chefredaktor David Sieber nahm an der Weinverkostung teil.

Zugelassen zum Wettbewerb waren übrigens ausschliesslich Weine kontrollierter Ursprungsbezeichnung, und die hatte «AOC Baselland» zu lauten. «Der Baselbieter Staatswein hat keinen Migrationshintergrund», schalkte Landrätin Sabrina Corvini entsprechend. Sie ist es, die mit ihrem Postulat am Anfang der rund zweijährigen Staatswein-Entstehung steht.

Lukas Kilcher, Leiter des Landwirtschaftlichen Zentrums Ebenrain (LZE) und Co-Organisator der Staatsweinprämierung, ist optimistisch: 8000 Staatswein-Etiketten liess er drucken. Zum Weinexportgebiet dürfte der Kanton trotzdem nicht aufsteigen: Lediglich 0,4 Prozent des Schweizer Weins entsteht im Baselbiet. LZE und Weinproduzentenverband werden die Prämierung des Baselbieter Staatsweins fortan jährlich organisieren.