Der Auftritt der Baselbieter Bildungsdirektorin Monica Gschwind sorgte bei vielen Lehrern für Irritation. Am vergangenen Donnerstag verkündete die Freisinnige an einer Pressekonferenz, dass künftig alle Sek-Schülerinnen und Sek-Schüler ein eigenes Tablet oder eigenen Laptop bekämen. 7500 Geräte sollen in den nächsten Jahren beschafft werden.

Verwirrung herrschte, weil Gschwind mit ihrer Ankündigung mitten in eine Konsultation unter den Lehrern platzte. Der Lehrerverein Baselland (LVB) befragte seine Mitglieder unter anderem, mit welcher Marke sie in Zukunft lieber arbeiten würden. Dabei zeigt sich: Die Apple-Befürworter haben die Nase vorne. An der Sek wird heute mehrheitlich mit dem Apple-Betriebssystem Mac gearbeitet.

Doch die Lehrer fürchten nun, dass sie von der Bildungsdirektion zu einem ungeliebten Wechsel genötigt werden. Denn die Zeichen stehen auf Microsoft. Gemäss gut unterrichteten Quellen soll die kantonale Projektleitung IT.SBL-Studien eine Empfehlung abgegeben haben.

Was beim «Geräteszenario» im Behördendeutsch als «Win SuS» und «Win LP» bezeichnet wird, heisst de facto: Die Projektleitung empfiehlt die Anschaffung von Windows für alle. Der von vielen bevorzugte Apple-Laptop ist nicht in Erwägung gezogen worden. Mehrere Gründe hätten dafür den Ausschlag gegeben: So würden künftige digitale Lehrmittel stift- und touchbasierte Lehrmittel voraussetzen und die Apple-Laptops hätten noch keine Touchscreens. Zudem würden an den Berufsfachschulen Windows eingesetzt, in der Berufswelt ebenfalls.

Apple teurer – aber hält länger

Die Empfehlung der IT-Projektleitung steht im Gegensatz zur offiziellen Haltung der Regierung. Christoph Straumann, beim Kanton zuständig für die Informatik bei den Schulen, sagte an der Pressekonferenz, es laufe ein Konsultationsverfahren bei den verschiedenen Stakeholderorganisationen. «Im Wesentlichen geht es dabei um die Frage, ob in den künftigen IT-Arbeitsgeräten für die Schülerinnen und Schüler auf der Sek I ein einheitliches Betriebssystem zum Einsatz kommen soll – Win oder Mac ist dabei noch offen.»

Straumann betont auf Nachfrage, es sei kein Entscheid gefällt worden. Die Erkenntnisse aus dem Konsultationsverfahren würden sicher berücksichtigt. Und die Tatsache, dass die Projektleitung Windows empfohlen habe, sei nicht mit einem Entscheid gleichzusetzen. «Dieser wird vom Gesamtregierungsrat gefällt», sagt er.

Philipp Loretz, Geschäftsleitungsmitglied beim LVB, sagt aber, er halte es für «unwahrscheinlich», dass unter diesen Voraussetzungen Apple-Laptops eingeführt würden. Alleine aus Wartungsgründen habe sich die IT-Projektleitung auf den Standpunkt gestellt, dass sowohl Lehrer, als auch Schüler Windows haben sollten, da dies den IT-Support erleichtern würde.

Das Kostenargument verfängt nicht bei allen Lehrern. Ein Baselbieter Sekundarlehrer moniert, dass ein Apple zwar teurer in der Anschaffung sei, dafür länger halte. Ein anderer wirft dem Kanton vor, dass er keine webbasierten Anwendungen ermöglicht – damit hätte man sich die Diskussion Mac gegen Windows sparen können, weil diese Anwendungen unabhängig vom Betriebssystem angewandt werden können.

Pädagogische Fragen ungeklärt

Unabhängig davon, für welche Geräte sich der Kanton entscheidet: Bei den Baselbieter Lehrern gibt es noch einige Fragezeichen in Bezug auf die flächendeckende Einführung von Computern an Sekundarschulen. Die Erkenntnisse des Pilotversuchs, bei dem im Herbst 2017 in 13 Klassen Tablets und Laptops an jeden Schüler und an jede Schülerin verteilt wurden, seien nicht nur positiv gewesen, heisst es.

Bedenken gibt es einerseits, was das technische Know-how bei der Wartung der 7500 Geräte angeht. Philipp Loretz sagt, das jetzige System, wonach an jeder Schule ein IT-Verantwortlicher tätig sei, stosse an seine Grenzen, wenn jeder Schüler ein eigenes Gerät besitze. Andererseits müssten auch pädagogische Grundsätze geklärt werden.

Loretz sagt: «Es ist zwar geplant, dass künftig alle Sekundarschüler ein eigenes Gerät besitzen. Aber einen eigentlichen Informatikunterricht gibt es bei uns nicht.» Dieser erfolgt heute im Rahmen des Deutschunterrichts. 60 Prozent der befragten Lehrerinnen und Lehrer fürchteten zudem, dass die Schüler «erheblich» oder «sehr stark» abgelenkt würden, wenn sie im Unterricht die ganze Zeit vor dem Bildschirm sitzen würden.»