Drei Runden drehten Gildo Donatiello und Sandra Ferrara auf dem Wagen der Birsfälder Strolche am 21. Blätzbumser Fasnachtsumzug über die Hauptstrasse zwischen Hardstrasse und Rheinstrasse: «Mehr dürfte es nicht sein», sagt Ferrara nach dem Umzug auf dem Kirchmattschulhof glücklich, aber erschöpft. Die Strecke des Birsfelder Umzugs mag kurz sein. Die Zuschauer, vor allem Kinder und Jugendliche, stehen dafür umso dichter und fordern umso nachdrücklicher ihre Orangen, Gutzi und Popcorn von den Waggis.

Birsfeldens Fasnacht, die sich traditionell am Samstag vor dem Basler Morgestraich auf einen Tag konzentriert, ist eine Dorffasnacht geblieben: Vor allem Familien- und Nachbarschaftscliquen stellen die diesjährigen 42 Zugsnummern. Erstmals haben auch die Strolche in ihrem Vortrab mit Wägelchen den Nachwuchs dabei. Wie Donatiello und Ferrara haben viele Mitglieder der Clique italienische Wurzeln: Donatiello kam vor zehn Jahren aus dem 1500-Seelen-Ort Teora in Kampanien nach Blätzbums und macht hier seit sieben Jahren Fasnacht. Karneval spiele auch in seiner Heimat eine grosse Rolle, erzählt er und verkündet dann voller Inbrunst: «Aber die Birsfelder Fasnacht ist die beste.» Sie habe ihn perfekt ins Dorf integriert.

Alle Rekorde in Sachen Integration schlagen jedoch die Stärnefäld-Rueche. Seit 25 Jahren lässt Cliquen-Chef Robert Vogler, vor 2012 noch in einer anderen Gruppierung, seine Schwiegermutter auf dem Wagen mitfahren: Friedl Wittmann ist nicht nur als Münchnerin total begeistert von den Farben, Larven und Namen der Basler und Baselbieter Fasnacht, sie trägt selbst Larve mit 95 Jahren. Am Montag werde sie noch den Cortège in Basel besuchen, teilt sie fröhlich mit – auf den Morgestraich verzichte sie aber.

Gastgugge aus Lozärn

Doris Hummel, Vizeobfrau des Blätzbumser Fasnachtskomitees, verfolgt den Umzug unter dem Glasdach der Tramhaltestelle Schulstrasse, wo sie jede Formation persönlich begrüsst. Sie stört es nicht, dass kein Umzugsteilnehmer das offizielle Sujet «Es wird lut in Blätzbums» ausspielt, das die möglichen Auswirkungen der geplanten Schallschutzverordnung des Bundes für die Fasnacht aufnimmt: «An der Birsfelder Fasnacht ist alles frei», erklärt sie und lacht.
Auch sonst nimmt sich die literarische Fasnacht am Blätzbumser Umzug bescheiden aus; Zeedel gab es wenige.

Die Stärnefäld-Rueche machen sich Gedanken über «Shitstorms» im Internet. Die Birskepfli-Brinzler beklagen den Verlust ihrer «Hassliebi» zur «Basler Zeitung». Die Querschleeger versichern schliesslich dem Leser, sie seien garantiert diskriminierungsfrei, weil unter der Waggislarve alle «gschlächtsneutral, vegi oder vegan» seien – «isch doch wohr!»

Mit dabei sind in Blätzbums traditionell auch viele Guggenmusiken: Die Lokalmatadore Birsblootere, heuer 60 Jahre alt, und die Unschlyssige halten mit am längsten im Umzug aus, auch als nach einer Dreiviertelstunde der Nieselregen einsetzt und sich die Zuschauerreihen lichten. Weitere Guggen aus Basel lädt das Fasnachtskomitee jährlich über eine Ausschreibung ein.

Die besondere Gastgugge kündigt sich dieses Jahr aber durch den typischen Luzerner Rhythmus an: Die Loschtmölch aus Kriens kommen laut Hummel alle fünf Jahre nach Basel, um ihre Namensvettern, die Wagenclique Luschtmelch, zu besuchen. Auf dem Programm steht stets ein Abstecher nach Birsfelden.

«Loschtmolch» Petra Huber findet den Ausflug «ein Erlebnis wert». Es sei speziell, den Umzug parallel in unterschiedlicher Richtung zu laufen. Aus Luzern vermisse sie nur die vielen farbenfroh verkleideten Zuschauer.