Das Tiefbauamt kann den bisher milden Winter nicht wirklich zum vermehrten Bauen nutzen: «Wir wissen nicht, ob der Wintereinbruch nicht doch noch kommt», erklärt Kantonsingenieur Oliver Jacobi: Habe es Frost, könnten die Bauarbeiter das Erdmaterial beim Grabenbau nicht zurückfüllen. Das gefrorene Erdreich würde beim Tauen in sich zusammensacken. Auch Beton könne nur bis zu einer gewissen Temperatur gemischt werden, wenn man keine teuren chemischen Frostschutzmittel verwenden wolle. Beim Asphalt, der bei Kälte nicht mehr richtig verdichtet werden könne, gehe schon unter einer Temperatur von 10 Grad plus nichts mehr.

Aus diesen Gründen ist Jacobi das Risiko zu hoch, die Baustelle könnte über längere Zeit liegen bleiben – und das kostete «einen Haufen Geld» und verursachte beim Strassenbau zusätzliche Behinderungen des Verkehrs neben dem Schnee. Lediglich einige Oberflächenarbeiten wie den Radweg zwischen Allschwil und Oberwil, der vergangene Woche Spatenstich hatte, geht der Kanton im milden Winter an. Ansonsten profitiert das Tiefbauamt nur wenig von der Wärme und fehlendem Niederschlag: Weil die Mitarbeiter im Pikettdienst weniger mit dem Schneepflug unterwegs sind, haben sie laut Jacobi etwas mehr Zeit für die Planung der anstehenden Baustellen.

Enge Fristen treiben zur Eile

Ganz anders sieht es in der freien Wirtschaft aus. Laut Theodor Häner, Geschäftsführer des Verbands der Bauunternehmer der Region Basel, gaben die Bauunternehmen bereits am 6. Januar «Vollgas». So herrsche vor allem in Basel und der Agglomeration eine «starke Bautätigkeit». Laut Häner habe der Kanton eine viel längere Planungszeit und «brauche einen gewissen Vorlauf», während die privaten Bauunternehmen im Gegenteil «eng gestrickte» Fristen der Bauherren einzuhalten hätten und «jede Chance zum Weitermachen nutzen».

Das tut auch Stefan Tozzo mit seiner Tozzo AG in Bubendorf: Dieses Jahr handle es sich um einen «Ausnahmewinter»; seine Mitarbeiter könnten bis auf die Deckbeläge alle Arbeiten ausführen. «In den vergangenen Jahren hatten wir das Problem, dass wir fast gar nicht bauen konnten», sagt Tozzo. Momentan arbeiten seine Teams auf der Grossbaustelle der A2 zwischen Härkingen und Wiggertal. Dieses Jahr hatte die Tozzo AG offiziell bis 13. Januar Betriebsferien; die Arbeiten auf der Baustelle fingen aber bereits eine Woche zuvor an.

Das sei positiv für den Betrieb und das Personal, betont Tozzo: «Es ist immer mühsam, wenn wir im Winter nicht bauen können und meine Mitarbeiter Ferien einziehen müssen. Das schlägt auf die Motivation.» Deshalb nutze er jedes milde Wetter und gehe dabei auch das Risiko ein, dass eine Baustelle bei einem unerwarteten Wintereinbruch liegen bleibe. «Das ist für das Bauunternehmen wie den Bauherrn ein Verlustgeschäft. Aber die Psyche meiner Mitarbeiter ist ebenfalls ein sehr wichtiger Faktor.»