Herr Haas, das nasse Wetter im Frühjahr hat dem Getreide stark zugesetzt. Bauern beklagen bei Weizen und Gersten grosse Ernteausfälle. Wie sieht es in beiden Basel aus?

Andreas Haas: Auch hier ist es schlimm. Die Nordwestschweiz hatte sehr viel Regen. Beim Getreide sind die Erträge sehr tief, die Weizenkörner sind leicht und können oft nicht für Brot, sondern bloss als Futtergetreide gebraucht werden.

Können Sie Zahlen nennen?

Schwierig. Die schweizweite Bandbreite von 20 bis 50 Prozent an Ernteausfällen trifft wohl auch auf unsere Region zu. Dies hängt stark von der Lage ab, wo das Getreide angebaut ist: In Tälern sind die Ausfälle massiver als auf flachgründigen Höhen. Auch die Sorte spielt eine Rolle; einige sind mehr, andere weniger von Pilz befallen.

Ist auch die Qualität betroffen?

Sehr stark. Die Körner des Getreides sind nicht so schwer, was beim Brot eine schlechtere Backqualität zur Folge hat. Reicht sie nicht, kann das Material nur oder nicht einmal als Futtergetreide verwendet werden. Bei der Gerste gibt es Posten, die nicht mal als Futter taugen.

Sind die Ausfälle bei Weizen und Gersten unterschiedlich?

Beim Weizen sind sie eher grösser, weil er unter der Nässe noch mehr gelitten hat und auch krankheitsanfälliger ist. Heuer gabs beim Weizen früh enorm starken Gelbrost, was man bei Gersten weniger feststellen konnte.

Wieso war dem nicht mit Pflanzenschutzmitteln beizukommen?

Im Baselbiet wird ein sehr hoher Anteil Extenso-Getreide produziert, bei dem es verboten ist, Fungizide einzusetzen. Doch bei den starken und ständigen Regenfällen im Frühjahr nutzten selbst Pflanzenschutzmittel wenig. Vergleiche zwischen gespritzten und ungespritzten Parzellen zeigen das. Es sind ähnlich hohe Ausfälle zu verzeichnen.

Können Sie sich an ein derart schlechtes Jahr erinnern?

Unter Bauern haben wir das bereits ein paar Mal diskutiert. Heuer ist es schon extrem schlecht. In den 1980er-Jahren gab es ein, zwei Jahre, in denen man auch erst im Juni heuen konnte, weil es permanent regnete. Aber dass es beim Getreide auch so schlecht ausgesehen hat, ist in den letzten 50 Jahren nicht mehr vorgekommen. Ganz früher, als das Brotgetreide noch bedeutender war als heute, gab es bei massiven Ausfällen gar Hungersnöte.

Was bedeuten die Ernteausfälle für Bauern?

Sie haben finanzielle Konsequenzen für Landwirte, für die der Getreideanbau einen wichtigen Anteil zum Einkommen beisteuert. Kleinere Mengen bringen weniger Geld ein, es gibt Qualitätsabzüge, wenn das Getreide zu Futtergetreide herabgestuft wird. Kommt hinzu, dass die Getreidepreise ohnehin nicht wahnsinnig hoch sind.

Kann man sich gegen Ernteausfälle versichern?

Nein, bis jetzt nicht. Gegen Ernteausfälle gibts in der Schweiz keine Versicherung, gegen Hagelschäden jedoch schon. Aber es wird stark darüber diskutiert, eine solche Versicherung einzuführen. In gewissen Ländern können sich Bauern gegen Ernteausfälle versichern.

Müssen die Konsumenten nun höhere Preise auf Getreideprodukte befürchten?

Ich gehe davon aus, dass sie nicht wesentlich ansteigen. Die diesjährige Getreideernte ist weltweit sehr hoch, nur in Europa sind die Erträge durchschnittlich bis unterdurchschnittlich. Importe dürften sich nicht gross auf die Preise auswirken. Bei Brotpreisen ist der Anteil von Weizen gering, die Arbeit des Müllers und Bäckers schlägt zu Buche. Beim Gemüse reagiert der Markt schneller, zum Beispiel bei den Kartoffeln, deren Erträge heuer auch sehr schlecht sind.

Die Kirschenernte fiel diesen Sommer deutlich unter den Schätzungen aus. Was ist im Herbst vom Obst zu erwarten?

Bei der Kirschenernte gab es grosse Unterschiede. Es hatte Betriebe, deren Früchte so stark von der Kirschessigfliege befallen waren – vor allem bei den Hochstammbäumen –, dass wir fast nichts verkaufen konnten. Der Behang der Zwetschgen ist eher unterdurchschnittlich. Auch hier ist die Kirchessigfliege präsent. Bei Äpfeln und Birnen ist die Schätzung ebenfalls unterdurchschnittlich. Wir hoffen auf einen schönen Herbst, der helfen kann, dass die Früchte grösser und schwerer werden. Dennoch: Für die meisten Bauernbetriebe ist es ein schlechtes Jahr. Da ist nicht mehr viel zu korrigieren.