Herr Eschbach, welche Probleme treffen Sie im Arbeitsalltag mit Flüchtlingen an, die bei anderen Arbeitern nicht auftauchen?

Andreas Eschbach: So kann man das nicht sagen. Mensch ist Mensch. Wir haben nicht speziellere Probleme mit Flüchtlingen. Es hat vielleicht einige kulturelle Unterschiede, aber die kann ich ganz gut einordnen. Und sage dann: «Ihr habt diese Kultur. Unsere Kultur ist hier so und so, und in Bezug auf den Arbeitsprozess läuft es so. Basta.»

Gibt es keine Verständigungsprobleme?

Die Sprache war noch nie ein Problem. Die meisten haben ein sehr gutes Deutsch aufgrund der Deutschkurse, die sie besuchen. Das ist ein Angebot, das sie haben, und die meisten machen diese Kurse. Ich selbst spreche auch noch Englisch und Französisch.

Bei Ihnen haben im Rahmen des Pilotprojekts nun Flüchtlinge frisch angefangen. Was machen die genau?

Ja, zwei Flüchtlinge haben bei uns frisch angefangen. Die arbeiten überall mit. Beim Pflanzen, bei Erntearbeiten. Die sind ganz normale Angestellte, wie wenn sie ein Pole, Portugiese oder ein Schweizer wären.

Beispiel aus dem Pilotprojekt des Bauernverbands: Der Somalier Abdi Fatah bei der Arbeit auf dem Hof von Gemüsebauer Andreas Eschbach in Füllinsdorf. Der Gemüsebauer aus dem Baselbiet ist einer der zehn am Projekt beteiligten Landwirte.

Kresse-Kontrolle und Salat abpacken: Der Somalier Abdi Fatah bei der Arbeit auf dem Hof von Gemüsebauer Andreas Eschbach.

Ist für Sie der administrative Aufwand bei Flüchtlingen höher als bei anderen Arbeitern?

Im Zusammenhang mit dem Pilotprojekt des Bauernverbands ist es mehr Aufwand. Dort werden explizit Mitarbeitergespräche verlangt und Auswertungen durchgeführt. Ausserhalb des Pilotprojekts ist es kaum ein grösserer Aufwand.

Wie gelangen die Flüchtlinge zu Ihnen auf den Hof?

Vor allem der Aargau ist da führend. Die rüsten ihre Flüchtlinge aus mit ganzen Dossiers und schicken sie auf die Strasse und sagen ihnen: «Geht Arbeit suchen.»

Der Kanton Basel-Landschaft macht das nicht?

Baselland macht das nicht so konkret wie der Aargau. Jeder, der vom Aargau kommt, kommt mit einem Dossier mit Lebenslauf, mit Kopien vom Deutschkurs, von der Integrationsarbeitsstelle, wo sie schon gearbeitet haben.

Sehen Sie das vermehrte Beschäftigen von Flüchtlingen als Antwort auf die Masseneinwanderungsinitiative vom 9. Februar 2014?

Ich sehe das grundsätzlich als eine Möglichkeit – eine notwendige Option. Diese Leute sind hier und können und sollen arbeiten. Im Rahmen der Möglichkeiten können nie alle Arbeiter Flüchtlinge sein. Ich kann nicht von 20 Arbeitern 15 Flüchtlinge beschäftigen, denn es braucht auch noch die Spezialisten. Ich bin der Meinung, dass rund 20 Prozent der nötigen Arbeitskräfte Flüchtlinge sein könnten. Bei einem Betrieb ab sechs, sieben Leuten sollte das möglich sein.

Was sehen Sie als besonders positiv an der Arbeit mit Flüchtlingen?

Der positive Aspekt ist sicher der, dass sie einer geregelten Arbeit nachgehen. Dass sie nicht herumhängen, auf der Strasse sind und Schindluder treiben. Für mich als Betriebsleiter spielt es keine Rolle. Ob es jetzt ein Flüchtling, ein Portugiese oder ein weiss nicht was ist, spielt wirklich keine Rolle. Es müssen einfach Leute sein, die arbeiten wollen und können.