Umweltschützer und Bauern sind sich selten grün. Beim Eidgenössischen Schwing- und Älplerfest ist nun alles anders – das wurde gestern Dienstag an einer Medienkonferenz in Aesch klar. Einmal mehr: Der Grossanlass gehöre nicht nach Aesch Nord, hiess es von beiden Seiten einhellig; es sei der falsche Ort.

Diverse Referenten bekräftigten ihren Widerstand gegen den Grossanlass, der 2022 im Norden der Gemeinde stattfinden soll. So jedenfalls lauten die Pläne des Basellandschaftlichen Kantonalschwingerverbands. Zur Konferenz geladen hatten der Basellandschaftliche Natur- und Vogelschutzverband (BNV) sowie dessen Sektionen Aesch und Reinach. Anwesend waren weiter Ueli Siegenthaler als Sprecher der Bauern und Vertreter des Vereins Hopp Hase.

Feldhasen-Population gefährdet

«Das Schwingfest würde eine zwanzigjährige Aufbauarbeit zerstören», sagte Gabriela Schmidt, Präsidentin des BNV. «Zusammen mit den Landwirten haben wir hier grosse Naturaufwertungen geschaffen.» Darius Weber von «Hopp Hase» wies darauf hin, dass das Schwingfest genau jene Flächen beanspruchen würde, auf denen auch die Feldhasen lebten. «Wir müssten wieder bei null beginnen, und das ist auch der Grund, weshalb wir sagen: Wir wollen das Fest nicht!»

Das Projekt Hopp Hase startete 2007. Mittlerweile hat sich der Tierbestand laut Weber mehr als verdreifacht. Die Hasen würden jedoch, warnte Weber, bei Störungen das Gebiet wieder verlassen.

Auch seltene Vogelarten brüten mittlerweile in Aesch Nord. Darunter befinden sich solche, die unter die Berner Konvention fallen würden, sagte Gerhard von Ah, Vizepräsident des Natur- und Vogelschutzvereins Aesch-Pfeffingen. «Der Wendehals etwa galt im Kanton Baselland als ausgestorben. Nun konnte hier wieder eine Brut nachgewiesen werden.»

Von Ah erwähnte weitere ansässige seltene Vogelarten, die vom Fest bedroht wären, etwa das Schwarzkehlchen.

Angst vor Bodenverdichtung

Landwirt Ueli Siegenthaler sagte, dass ein Grossanlass wie das «Eidgenössische» Schäden an den Böden hinterlassen würde. «Es kommt zu Verdichtungen», mahnte der Aescher. «Auch nach Jahren sind die Schadstellen noch immer sichtbar.» Die Bauern machten vor einer Woche in einem Communiqué klar, dass sie ihr Land für den Anlass nicht hergeben wollen.

Die Medienkonferenz fand im Aescher Feld statt. Also im Landwirtschaftsgebiet, das in weniger als sechs Jahren von einer temporären Arena, Festzelten, mobilen Aufbauten und weiterer Infrastruktur in Beschlag genommen werden könnte.

Vor rund zwei Wochen lancierte der BNV zusammen mit Pro Natura eine Petition. In dieser wird der Baselbieter Regierungsrat dazu aufgefordert, das Naherholungsgebiet zu erhalten und die Ausweichvariante St. Jakob zu prüfen. Laut BNV haben bislang 2000 Menschen die Petition unterschrieben. Geplant sei, die Unterschriften am Donnerstag kommender Woche der Landeskanzlei zu übergeben. Gestern gab die Grüne Partei Baselland bekannt, dass sie die Petition unterstütze.

Regierungsrat empfing Schwinger

Der Regierungsrat beschäftigte sich an seiner Sitzung am gestrigen Dienstag ebenfalls mit dem «Eidgenössischen»: Vertreter des Basellandschaftlichen Kantonalschwingerverbands präsentierten den Zwischenstand der Machbarkeitsstudie zur Variante Aesch Nord. Über den Inhalt der Studie oder der Präsentation würden keine Auskünfte erteilt, hiess es von der Bildungs-, Kultur- und Sportdirektion auf Anfrage. Man werde Stellung beziehen, wenn die Studie beendet sei. Dies werde in Kürze erwartet.

Im August hielt Regierungsrätin Monica Gschwind einen runden Tisch mit Kantonalschwingverband und Umweltschutzorganisationen ab. Laut Teilnehmern liess Gschwind verlauten, die Regierung werde die Variante Aesch unterstützen, wenn die Machbarkeitsstudie positiv ausfalle.