Auf einer Visualisierung sieht der Sattelschlepper im Innenhof des geplanten Gebäudes aus wie ein Spielzeug. Das Vorhaben der Albin Borer AG in der Industriezone von Büsserach ist gigantisch, dies wurde im Verlauf der Präsentation durch Architekt Heinz Jeker den 84 Stimmberechtigten klar, welche die Gemeindeversammlung von Büsserach besuchten. Verwaltungsratspräsident Anton Borer verwies auch mit Stolz darauf, dass sein Bauunternehmen mittlerweile 400 Mitarbeitende zähle.

Entsprechend gross sind die Befürchtungen der Anwohner von Büsserach West, dass die Verkehrszunahme Dimensionen annehmen wird, die der Wohnqualität schadet. Ihre Einwendungen richteten sich nicht gegen das Neubauprojekt, sondern bezweckten bessere Lösungen in der Erschliessung. Zum einen brauche es Massnahmen in den Quartieren, zum andern die rasche Realisierung des geplanten Strassenprojekts mit Breitenbach, das der Gemeinderat Büsserach auf die lange Bank schiebe. Gemeindepräsident Josef Christ wies die Vorwürfe in aller Deutlichkeit zurück und konterte: «Strassen sind für alle da, nicht bloss für Anwohner.» Der Gemeinderat hatte der Versammlung beantragt, die Industrieparzelle 1718 von knapp 15 000 Quadratmetern der Albin Borer AG zu verkaufen für 2,4 Millionen Franken (165 Franken pro Quadratmeter).

Die Gemeinde hatte das Land 2015 gekauft mit dem Ziel, bei der Ansiedlung einer Unternehmung die Arbeitsplatzfrage ins Zentrum zu rücken. Mit drei Interessenten sei man im Gespräch gewesen, die eine Firma aus Dornach wollte ein Lager bauen, der Kanton Solothurn die Motorfahrzeugkontrolle betreiben.

Der Gemeinderat entschied sich fürs Projekt der Albin Borer AG mit Bürogebäude, Einstellhalle, Fuhrpark und Werkstätte. Bedingung sei, den Firmensitz von Erschwil nach Büsserach zu verlegen, sagte Christ. Ausserdem beinhalte die Vereinbarung, dass ein Retentionsbecken erstellt oder die Möglichkeiten einer extensiven Begrünung des Areals geprüft werde. «Sollte dies nicht möglich sein, trägt die Käuferschaft die Kosten der neuen Werkleitungen. Die Käuferschaft akzeptiert die reglementarischen Anschlussbeiträge an das Leitungsnetz und dass mit der Sanierung der Industriestrasse die Perimeterbeiträge fällig werden.» Auch sei vereinbart worden, dass kein Steinbrecher oder Belagswerk erstellt, mit dem Kanton die Durchführung einer Umweltverträglichkeitsprüfung (UVP) geklärt und der Gemeindeversammlung eine Visualisierung vorgelegt werde.

Rückweisung war chancenlos

Das Projekt befinde sich zwar erst in der Studienphase, sagte Heinz Jeker, dennoch bekamen die Stimmberechtigten Bilder zu sehen, wie der Bau aussehen und wie er sich in die Landschaft einbetten könnte. Die Verkehrsfragen seien sehr genau geprüft worden, betonte Jeker und zeigte Tabellen mit Frequenzen. Da die Albin Borer AG in der Industriezone Büsserach jetzt schon einen Fuhrpark betreibt und der Weg zum Hauptsitz in Erschwil über Büsserach führt, komme es mit dem Projekt zu einer Verkehrsverlagerung; das Dorf werde entlastet, das Gebiet West um vier Prozent mehr belastet.

In der Abstimmung unterlagen die Anwohner mit ihrem Antrag auf Rückweisung, bis eine andere Erschliessung vorliegt, mit 20 Ja- zu 53 Nein-Stimmen. Schliesslich stimmte die Gemeindeversammlung mit 57 Ja- gegen 17 Nein-Stimmen dem Verkauf der Industrieparzelle 1718 an die Albin Borer AG zu. Diese will ihr Projekt in vier Etappen realisieren. Der Gemeinderat von Büsserach erachtet es als wichtigen Beitrag zum Erhalt von Arbeitsplätzen. Die Albin Borer AG hatte bei ihrer Standortsuche die Fühler auch nach Oensingen ausgestreckt.