Exakt ein Jahr ist es her, da rauchte es in Ettingen. Ein Landwirt hatte eine grosse Menge Baumschnitt verbrannt – und so die Aufmerksamkeit der Polizei geweckt. «Ich habe nichts Verbotenes gemacht. Wenn es kalt wird, dann gibt es mehr Dampf. Das war kein schwarzer Rauch. Es hat ja auch von der Bevölkerung niemand angerufen», sagte der 59-Jährige gestern im Strafgericht in Muttenz.

Aufmerksam wurde allerdings ein Kantonspolizist, der im Februar 2018 in Ettingen den Rauch sah und zuerst einen Brand vermutete. «Der hat dann gesagt, das ist verboten. Das stimmt aber nicht. Danach kam noch ein Dorfpolizist, der wusste auch nicht, ob das verboten ist oder nicht», meinte der Landwirt und verwarf die Hände. Der Landwirt hatte vor einem Jahr kurz nach Mittag Holz von Obstbäumen sowie eine kleine Menge Efeu verbrannt.

«Entweder alle oder niemand»

Ein paar Wochen später flatterte dann der Strafbefehl ins Haus: 300 Franken Busse wegen Verstössen gegen das Baselbieter Umweltschutzgesetz sowie die Luftreinhalteverordnung des Bundes. Der Landwirt erhob Einsprache. «Im Winter haben die Bäume kein Laub, das Holz ist tot, da darf man das anzünden. Im Sommer sind Tiere drin, da kommt der Tierschutz, und es ist auch wieder nicht recht», grummelte der Mann. Er verstand auch nicht, weshalb die Polizei ausgerechnet ihn aufs Korn genommen hatte.«Entweder werden alle bestraft oder niemand. Es sind etwa 100 andere, die auch feuern.»

Einzelrichterin Monika Roth fragte den Mann, wie feucht das Holz denn gewesen sei. Dieser betonte, es sei mehrere Tage lang trocken gewesen. Durch die Minustemperaturen in jenem Februar habe sich dann aber viel Dampf gebildet. «Jedes Holz hat Restfeuchte. Bei jeder Holzfeuerung gibt es Rauch, selbst Cheminéeholz hat noch eine Restfeuchte zwischen 13 und 15 Prozent», betonte er.

Staatsanwaltschaft patzte

Roth hob den Strafbefehl auf und sprach den Mann frei: Die Staatsanwaltschaft hatte den Strafbefehl unglücklich formuliert und dem Landwirt lediglich vorgeworfen, pflichtwidrig das Feuer nicht gelöscht zu haben. Dies ist allerdings gar nicht strafbar. Ob tatsächlich zu viel Rauch entstanden ist, durfte das Gericht damit gar nicht beurteilen. «Denken Sie dran, strafbar ist die zu grosse Rauchentwicklung», warnte Roth dem Mann zum Abschied.