Beat Oberlin, Sie hätten nach den letzten zwölf Jahren als Chef der Basellandschaftlichen Kantonalbank (BLKB) nun den Ruhestand geniessen können. Stattdessen engagieren Sie sich in einem schwierigen Gremium wie dem Unirat.

Beat Oberlin: Ich habe mich nicht zuletzt deshalb mit 62 frühpensionieren lassen, um mich aktiv neuen Aufgaben widmen zu können. Für mich war klar, dass ich mich in Bildung und Kultur engagieren möchte. Diese Bereiche werten unsere Gesellschaft als Ganzes massgeblich auf. Ich habe an der Universität Basel studiert und möchte nun etwas zurückgeben. Ich war zuvor eher ein schlechter Schüler, blühte aber an der Uni auf.

Welche Kompetenzen bringen Sie in den Unirat ein?

Ich bin ein strategisch denkender Mensch und beteilige mich deshalb sehr gerne an der erfolgreichen Weiterentwicklung der Uni. Ich verfüge über Leadership-Erfahrungen, ich bin extrem gut vernetzt in der Region und habe gute Kontakte auf Bundesebene. Ich bin mir nicht ganz sicher, ob die Uni heute in der breiten Bevölkerung noch als Hochschule gesehen wird, die allen nützt. Classe politique und Bildungseliten sind populäre Schlagwörter. Es muss gelingen, die Universität in breiten Schichten als grandiose Institution zu verankern. Ich bin überzeugt, dass ich dazu einen Beitrag leisten kann. Auch denke ich, dass ich als Vertreter der regionalen Wirtschaft helfen kann, die Durchlässigkeit zwischen der Universität und den Unternehmen zu verbessern. Eine Uni muss in Gesellschaft, Wirtschaft und Politik breit abgestützt sein.

Aber Sie sind doch Teil dieser Elite.

Dazu stehe ich. Ich durfte studieren, hatte als Kantonalbank-CEO einen der tollsten Jobs, den man überhaupt haben kann. Wichtig ist, dass man diesem Privileg mit Demut begegnet. Im Militär war ich Major und habe ein Bataillon geführt. Abends beim Jassen waren für mich alle gleich, ob Soldat oder Kollege mit demselben Rang. Menschen zusammenbringen war auch – wie ich glaube – eine meiner Stärken als Kantonalbankchef.

In welche Richtung soll sich die Uni weiterentwickeln?

Mir liegen Partnerschaften mit anderen Universitäten am Herzen. Die Uni muss mit benachbarten Hochschulen – anderen Unis, der ETH oder Fachhochschulen – ein gemeinsam abgesprochenes Angebot mit Schwerpunkten prüfen. Da ist das Potenzial noch nicht ausgeschöpft. Auch ist es nötig, an jeder Fakultät die Digitalisierung voranzutreiben. Jede Fachrichtung muss für sich überlegen, was die technologischen Veränderungen für sie bedeuten und wie sie darauf reagieren kann.

Soll Basel eine Volluniversität bleiben?

Selbstverständlich. Die Volluniversität ist ein riesiges Asset für unsere Region. Aber ich finde auch: Nicht alle sieben Fakultäten werden künftig alle Disziplinen mit derselben hohen Priorität verfolgen können. Jede Fakultät sollte sich Gedanken machen, welche Schwerpunkte sie künftig pflegen möchte.

Ein sensibles Thema sind die Semestergebühren für die Studierenden. Dürfen diese weiter erhöht werden?

Die Gebühren sind aus meiner Sicht an der Uni Basel nicht zu hoch. Aber man muss sehen: Mit einer Erhöhung lassen sich die finanziellen Herausforderungen, denen die Uni aktuell gegenübersteht, nicht lösen. Eine generelle Erhöhung um 100 Franken pro Semester bringen bei rund 13 000 Studierenden gerade einmal 2,6 Millionen Franken pro Jahr ein. Was ich mir vorstellen kann: Dass die Semestergebühren für jene Studierenden steigen, die eine noch zu definierende Normlänge für ein Studium überschritten haben. Dies hat aber eher eine Lenkungsfunktion: Damit werden schneller Studienplätze frei für neue Studierende.

Wie soll die Uni dann zusätzliche Mittel generieren?

Sie könnte sich noch stärker mit Institutionen vernetzen, die gerne Forschung und Entwicklung mittragen. Die Verzahnung der Uni mit aussenstehenden Institutionen wie Stiftungen darf keine Ausnahme bleiben, sondern sollte zur Selbstverständlichkeit werden. Spenden von erfolgreichen Alumni mit begleitenden Anreizen wären auch prüfenswert.

Ist der von den Regierungen beider Basel verordnete Sparkurs bloss temporär? Oder wird die Uni über die nächste Leistungsperiode hinaus Einsparungen treffen müssen?

Das lässt sich so im Moment nicht sagen. Wichtig ist für mich folgender Gedanke: Die Kosten der Uni können nicht dauerhaft stärker wachsen als die regionale Wirtschaft. Entsprechend fände ich es wichtig, die Ausgaben der Uni an die wirtschaftliche Entwicklung zu koppeln. Wie genau, ist noch zu verhandeln.

In Basel war die Befürchtung gross, Baselland würde nun Spar-Uniräte wählen. Sind Sie ein Spar-Unirat?

Die BLKB war unter meiner Führung eine der besten Kantonalbanken der Schweiz. Dies aber nicht wegen eines knallharten Sparkurses, sondern weil wir intelligent Erträge generiert haben. In der Bildung warne ich vor Sparübungen, die sich kontraproduktiv auswirken auf Wirtschaft und Gesellschaft. Für mich ist aber wichtig, dass wir uns ständig fragen, wie wir Leistungen sinnvoll und möglichst effizient erbringen können. Mehr ist nicht automatisch besser. Ich sehe mich weder als Sparfuchs noch als einer, der das Geld aus dem Fenster wirft. In der Bildung ist es ähnlich wie in der Wirtschaft: Kann ich einen zusätzlichen Nutzen aufzeigen, werden auch Mittel freigesetzt. Für mich steckt in der Spardiskussion zu viel Polemik.

Apropos: Im Zusammenhang mit der Neubesetzung des Unirats hat es eine Polemik um den Mandatsvertrag gegeben, den die Baselbieter Vertreter unterschreiben müssen. Wie schwer ist es Ihnen gefallen, Ihre Unterschrift darunter zu setzen?

Ich verstehe diese Diskussion nicht. Die Unterschrift unter dem Mandatsvertrag heisst doch nur, dass ich mich verpflichte, mich entlang der Eigentümerstrategie in den Unirat einzubringen. Das ist für mich selbstverständlich und in jedem Verwaltungsrat so: Ich muss die Interessen des Eigentümers möglichst zielführend verfolgen. Kommt hinzu, dass in der Eigentümerstrategie nicht vom Baselbiet alleine, sondern von den Trägerkantonen die Rede ist. Diese gemeinsame Eigentümerstrategie ist doch die Richtschnur für den ganzen Unirat.

Die Regierungen beider Basel werden noch im Herbst einen Uniratspräsidenten aus dem Baselbiet wählen. Stehen Sie zur Verfügung?

Wenn man sich für ein Amt wie den Unirat zur Verfügung stellt, dann muss man für alle Chargen in diesem Gremium bereit sein. Wenn die Regierungen finden, ich sei als normales Uniratsmitglied bestens aufgehoben, dann passt das wunderbar für mich. Wenn sie sagen, ich wäre ein guter Uniratspräsident, dann würde ich auch nicht Nein sagen. Ich sehe das sehr pragmatisch.