Er könne die Zullwiler nur loben, sagte Sachwalter Michel Meier. Er sei keineswegs auf ablehnende Haltung gestossen. Im Gegenteil. «Ich erlebe die Zullwiler als freundlich und zuvorkommend.» Der Rechtsanwalt aus Lostorf hat das Sagen in der Gemeinde, die er zuvor kaum kannte. Der Regierungsrat hatte ihm den Auftrag gegeben, Frieden zu stiften und die Gemeindegeschäfte zu führen. Exekutivmitglieder und Opposition lieferten sich seit Jahren einen Streit. Im Frühjahr erreichte dieser den Höhepunkt. Nachdem der Gemeindepräsident Roger Hänggi und seine Ratskollegen Markus Kohler und Silver Hänggi zurücktraten, war die Gemeinde handlungsunfähig. Für die Wahl von Ersatzmitgliedern fehlten die dafür notwendigen Unterschriften der Listenverbindung.

Die Gemeindeversammlung vom Dienstagabend mit ihren 39 Anwesenden bestärkte Meiers guten Eindruck. Die Gemeinde führte die Diskussionen sachlich und sie verliefen kurz und bündig. Nur ein einziges Mal musste Meier ermahnen, die Gemeindeversammlung sei nicht der Ort für ein Streitgespräch. Er sei kein Richter und Schuldzuweisungen brächten nichts. Vielmehr sollten alle daran interessiert sein, Zullwil wieder einen Schritt vorwärts zu bringen. Im günstigsten Fall könne er an Weihnachten seine Arbeit als beendet betrachten, sagte Meier. Für jede Stunde, die er aufwendet, darf er der Gemeinde 250 Franken in Rechnung stellen.

Sachverwalter bringt Ruhe in die Gemeinde

Er führte die Gemeindeversammlung mit Disziplin und einer Prise Humor und bekam vom Souverän in allen beantragten Geschäften die Zustimmung. Im Streitfall zu den Sitzungsgeldern von Behördenmitgliedern habe er für die Jahresrechnung 2017 verfügt, dass es Rückvergütungen geben müsse. Doppelsitzungsgelder würden nicht dem geltenden Reglement entsprechen. «Pro Sitzung kann es nur ein Sitzungsgeld geben», hielt Meier fest. In diesem Punkt hatte auch der Regierungsrat der Gruppierung Pro Zullwil Recht gegeben. Ihre Mitglieder hatten beim Kanton eine Aufsichtsbeschwerde gegen den Gemeinderat eingereicht.

An der Gemeindeversammlung erinnerten Kommissionsmitglieder daran, dass frühere Behördenmitglieder auch Doppelsitzungsgelder bekommen hatten und dass diese Praxis in anderen Gemeinden kein Grund sei, ein Rechtsverfahren anzuzetteln. Es sei ein Verhältnisblödsinn: „Die Verfahrenskosten liegen bei 2500 Franken und bei den Spesenbeträgen gehe es um 4000 Franken. Die Folgen des Streits verursachen nun weitaus höhere Kosten“, sagte der frühere Ressortleiter Finanzen.

Bei den Gemeindefinanzen hat Zullwil in den letzten Jahren vorwärts gemacht. Aus einem einstigen Finanzfehlbetrag ist mittlerweile ein Eigenkapital von einer Million Franken geworden. In der Jahresrechnung 2017 resultierte trotz Streuersenkung ein Ertragsüberschuss von 382'000 Franken. Die Rechnung wurde mit grossem Mehr gutgeheissen. Ebenso die Rückzahlung einer früheren Finanzhilfe, welche die Bürgergemeinde geleistet hatte. «Zullwil darf stolz sein auf seine finanzielle Entwicklung», sagte Finanzverwalterin Priska Hänggi. Sie und ihre Arbeitgeberin willigten ein, das Mandat vorerst weiterzuführen.

Nunningen macht eine Offerte

Eigentlich hatte die Gemeindebehörde von Büren den Zusammenarbeitsvertrag mit Zullwil wegen zu vielen Schnittstellen aufgekündigt. Meier konnte in der Zwischenzeit auch Nunningen dazu bewegen, der Zusammenarbeit mit Zullwil eine zweite Chance zu geben. Dazu bekam er eine Offerte für alle Verwaltungsaufgaben für jährlich 130 000 Franken. Allerdings habe Nunningen auch auf die bisherigen Erfahrungen verwiesen und Bedenken geäussert, teilte Meier mit. Zullwils Streitigkeiten hatten beim Personal zu Mehrbelastungen geführt, die Nunningen nicht mehr hinnehmen wollte.

Ob und in welcher Form die Zusammenarbeit ihre Fortsetzung finden könnte, versuchte Meier an der Gemeindeversammlung von Zullwil herauszufinden. Er kam zum Schluss, dass die Meinungen nach wie vor geteilt sind. «Ich werde deswegen eine Volksabstimmung durchführen lassen», sagte er, «und zwar so rasch wie möglich. Eventuell bereits im August.»

Ein Beschluss gab es an der Gemeindeversammlung nicht, die von Meier vorgeschlagenen Varianten wurden lediglich diskutiert. Dabei wurde die ganze Palette genannt – vom Aufruf, die Dienste zumindest der Gemeindeschreiberei, nicht aus dem Dorf zu geben bis zum Appell, die Zukunft liege in einer fusionierten Verwaltung für alle Gemeinden des Gilgenbergs. Die Aufgabe sei knifflig, doch werde er sich Gedanken machen zu den möglichen Variantenvorschlägen für die Volksabstimmung, sagte Meier und bedankte sich für das „konstruktive Mitmachen der Zullwiler“, ohne Ausschweifungen. Auf jeden Fall ging sein Wunsch, lange vor Mitternacht nach Hause zu fahren, in Erfüllung.