«Sie sind beide noch einmal mit einem blauen Auge davongekommen. Wenn das Urteil nicht weitergezogen wird, müssen Sie nicht ins Gefängnis», sagte Gerichtspräsidentin Monika Roth.
Das Baselbieter Strafgericht verurteilte zwei Räuber zu bedingten Freiheitsstrafen von 16 beziehungsweise 18 Monaten. Dazu kommen Verfahrenskosten von jeweils über 10 000 Franken. Die Staatsanwaltschaft ist von einem bandenmässigen Raub mit einer gefährlichen Waffe ausgegangen, wofür die Mindeststrafen deutlich höher liegen.

Das Gericht bejahte zwar, dass die Männer bei den beiden Raubüberfällen in Allschwil auch ein verbotenes Schmetterlingsmesser verwendet hatten, stufte dieses aber nicht als besonders gefährliche Waffe ein. Roth sagte dazu, bei der entsprechenden Bestimmung im Raubtatbestand habe der Gesetzgeber eher an Schusswaffen gedacht. Ganz einig waren sich die drei Richterinnen in diesem Punkt offenbar nicht.

«Ich möchte nicht verhehlen, dass darüber in der Urteilsberatung eine intensive Debatte stattgefunden hat.» Von einer bandenmässigen Begehung wollten die Richter nichts wissen, was ebenso massiv auf das Strafmass drückte. Die Idee zu den Überfällen hatte ihren Ursprung in finanziellen Problemen. «Wir wollen das nicht verharmlosen, ein Raub ist ein Raub. Aber mit dieser Vorgeschichte lässt sich die Bandenmässigkeit nicht nachweisen», begründete Monika Roth das Urteil.

Der 41-jährige Mann erhielt mit 18 Monaten ein leicht höheres Strafmass, weil er als damaliger Angestellter des Allschwiler Jumbo-Marktes die Insiderinformationen geliefert hatte, und nach dem Überfall noch monatelang an seinem Arbeitsort den Ahnungslosen spielte. Er hatte just jenen Filialleiter überfallen, der ihm nach einer früheren dreijährigen Arbeitslosigkeit wieder eine Chance gegeben hatte. «Wir sind zwar nicht das Jüngste Gericht, aber das ist schon ein ziemlicher moralischer Tiefflug», kommentierte Roth das Verhalten des Angeklagten.
Immerhin seien beide Männer geständig und kooperativ gewesen, auch haben sie sich bei ihren Opfern entschuldigt. Eine leichte Strafmilderung gab es zudem, weil das Verfahren bei der Staatsanwaltschaft trotz Geständnis fast 1,5 Jahre liegengeblieben war.