Wenige Wochen nach dem Nein zum Bau einer neuen Tramverbindung über den Margarethenstich steht am 26. November im Baselbiet bereits wieder eine Volksabstimmung über ein wichtiges Thema im öffentlichen Verkehr an: Zur Disposition steht die heutige S-Bahnlinie 9 zwischen Sissach und Olten, das Läufelfingerli. Am Mittwoch legten die bürgerlichen Befürworter einer Stilllegung der Bahn rund um Baudirektorin Sabine Pegoraro (FDP) vor den Medien ihre Argumente dar. Und sie betonten mit Nachdruck, dass es sich dabei nicht um einen öV-Abbau handle. Im Gegenteil: «Wir schaffen mit deutlich geringeren Kosten ein besseres, kundenfreundlicheres Angebot», sagte Pegoraro.

Kanton spart bis zu 2 Millionen

Das Läufelfingerli soll durch Busse ersetzt werden, die im Halbstundentakt verkehren – auf der S9 gilt heute der Stundentakt – und die die Bevölkerung besser bedienen als die oft weit von den Dörfern liegende Bahn. Eine Ausnahme ist Läufelfingen: Für seine Einwohner verlängere sich die Fahrzeit nach Olten mit der Umstellung auf Bus zwar um 15 Minuten, räumte Pegoraro ein. Für jene, die in Olten Richtung Bern oder Luzern weiterfahren, werde der Zeitverlust wegen besserer Anschlüsse wettgemacht.

Pegoraro verwies zudem auf den tiefen Kostendeckungsgrad der S9 von gerade einmal 20 Prozent. Würde dieser bloss leicht um einen Prozentpunkt sinken, dann werde sich der Bund nicht mehr an der Finanzierung der Linie beteiligen, warnte Pegoraro. Verlieren würde der Kanton in diesem Fall laut Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) 730 000 Franken pro Jahr. Durch die Umstellung auf Busbetrieb kann der Kanton Baselland 840 000 Franken einsparen (für Solothurn sind es weitere 140 000). Zudem muss er nach einer Stilllegung der Bahn keine Infrastrukturpauschale mehr an den Bund bezahlen - das sind weitere 400 000 Franken. Summa summarum stehen also am 26. November Kantonsgelder über 2 Millionen pro Jahr auf dem Spiel.

Dass das Läufelfingerli keine Erfolgsgeschichte ist, verdeutlichte Felix Keller, CVP-Fraktionschef im Landrat. Erst 2005 seien auf der S9 Bahnhöfe und Rollmaterial modernisiert worden, wofür er sich damals eingesetzt habe. Die Investitionen hätten sich aber nicht in einer Zunahme der Fahrgäste niedergeschlagen – im Gegenteil: Seit 2010 sind diese um 12 Prozent gesunken, trotz Zunahme der öV-Nutzung im Kanton und Bevölkerungszunahme im Tal. «Das ist ernüchternd», kommentierte Keller. Er verwies auf die «eindrückliche» Landsgemeinde vom Sonntag, an der sich 900 Personen für den Erhalt des Läufelfingerlis stark gemacht hatten. «Wenn all diese Leute die Bahn tatsächlich nutzen würden, dann würden wir nicht über die Stilllegung diskutieren.» Zunehmender Beliebtheit erfreut sich hingegen die Buslinie im Tal; der Kostendeckungsgrad liegt bei fast 50 Prozent.

Situation wie im Laufental

Die Menschen im Homburgertal hätten längst abgestimmt - mit den Füssen, kommentierte FDP-Fraktionschef Rolf Richterich. «Das Läufelfingerli ist über viele Jahre künstlich beatmet worden. Jetzt muss man die Maschine abstellen.» Der Laufentaler Richterich verwies auf die geografisch vergleichbare Situation an der Bahnstrecke zwischen Laufen und Delémont. Dort habe man vor 30 Jahren die im Tal gelegenen Bahnhöfe von Bärschwil, Liesberg und Soyhières aufgehoben und durch ein Busangebot ersetzt. Die Wieder-Inbetriebnahme der Bahnhöfe sei nie mehr ein Thema geworden - auch nicht, als vor rund 15 Jahren das S-Bahnnetz aufgegleist wurde.