Vor der Abstimmung über das Schulhaus Wilmatt im vergangenen März gingen die Emotionen ungewöhnlich hoch. Es fielen heftige Worte bis hin zu Beleidigungen. Das Volk fällte schliesslich einen deutlichen Entscheid zugunsten der neuen, rund 30 Millionen Franken teuren Primarschule. Dabei ging es aber erst um den Projektierungskredit. Das endgültige grüne Licht muss die Gemeindeversammlung noch mit dem Baukredit geben, voraussichtlich im kommenden Juni.

Derzeit sieht es danach aus, als liege bis dann ein Projekt vor, mit dem auch die Anwohner leben können. «Es geht jetzt um die Sache», sagt Simone Feurer. Die Anwohnerin war in der IG Wilmatt aktiv und wurde in die Baukommission berufen. Dort diskutiere man jetzt die konkrete Ausgestaltung der Schule, sagt sie, etwa wie man mit Elterntaxis umgehe. Sie greife schon kritisch ein, wenn es um Punkte gehe, die den Anwohnern nicht gefielen, betont sie. Aber sie arbeite konstruktiv am Projekt mit. Ihr Fazit: «Es ist gut, dass unsere Wünsche berücksichtigt werden.»

Schon im Wahlkampf kündete der Gemeinderat an, die Gegner in der Baukommission einzubinden. «Wir haben ihnen die Hand gereicht», sagt Gemeindepräsident Reto Wolf. «Und zum Glück war die Reaktion der IG, dass sie schnell auf unser Angebot einging. Dieses Miteinander hat geholfen, die Emotionen zu beruhigen.»

Tatsächlich treten die Anwohner kaum mehr militant auf - abgesehen von giftigen Leserbriefen von Caroline Hufschmid, der Frau von Ex-Gemeinderat Niggi Hufschmid (SP). «Wir können nicht so kämpferisch wie vor dem Volksentscheid weitermachen», findet hingegen Feurer. «Man muss die Sache jetzt laufen lassen.» Und auch Wolf zeigt sich versöhnlich: «Man könnte jetzt auseinanderbeineln, wer wann welche falsche Worte gesagt hat. Aber das bringt nichts.»

Zur weiteren Beruhigung der Gemüter beitragen dürfte eine Verkehrsstudie des Gemeinderats. «Jetzt können wir endlich mit Zahlen operieren», sagt Wolf. «Die Studie ist eine Basis für eine weitere sachliche Diskussion.» Verkehrsfragen seien für die Anwohner der Knackpunkt, betont Feurer. Mit den vielen Zahlen habe man jetzt ein «Mengengerüst», mit dem man ein Verkehrskonzept erarbeiten könne, wie das die IG schon immer verlangt habe. Wie konstruktiv die Gegner am Planungsprozess teilnehmen, zeigt eine Aussage Feurers: «Wir wollen nicht, dass kurz vor der Gemeindeversammlung gesagt wird, dieses und jenes Anliegen der Anwohner sei nicht berücksichtigt worden.»

Ganz zahm geworden sind die Wilmatt-Kritiker allerdings nicht. «Rechtliche Schritte sind schon noch möglich», stellt Feurer klar. Innerhalb der IG wäge man genau ab, welche Details des Projekts man hinnehme. Jedenfalls haben die Anwohner noch einige Möglichkeiten, wie das Projekt zu Fall bringen oder zumindest verzögern könnte. An der Gemeindeversammlung können sie die Zonenänderung und den Baukredit bekämpfen. Danach steht ihnen ein Referendum offen. Und schliesslich können sie gegen das Ausschreibung des Neubaus Einsprache erheben und dies gegebenenfalls weiterziehen. Zumindest Feurer sieht das nicht auf Therwil zukommen: «Ich bin zuversichtlich, dass das Projekt gut wird - aber ich kann nicht für alle Mitglieder der IG Wilmatt reden.» Der Gemeinderat hofft, dass noch Ende 2014 die Bagger auffahren, damit spätestens 2017 die ersten Schüler unterrichtet werden.