Ob intelligent, lernschwach oder behindert: Die Kinder sollen alle in der gleichen Klasse unterrichtet werden. Dies schreibt sich der Kanton Baselland nicht erst seit September 2010 auf die Fahnen, als das Stimmvolk beschloss, dem eidgenössischen Sonderschulkonkordat beizutreten: Schon bedeutend früher wandte man sich im Landkanton dem integrativen Modell zu. Nun aber sind Anpassungen nötig: Derzeit wird die Landratsvorlage «Integrative Schulung» überarbeitet. Auf Anregung des Lehrervereins wird der Kanton gemäss Informationen der bz die Begabtenförderung forcieren und die heute mögliche Einzelintegration weitgehend abschaffen, wo ein behinderter Schüler oder eine behinderte Schülerin heilpädagogische Einzelunterstützung bekommt. «In der Einzelintegration stimmt die Ressourcenzuteilung nicht», moniert der Lehrervereins-Präsident Christoph Straumann und findet dabei Gehör beim Kanton. Die Einzelintegration habe sich nicht durchgehend bewährt, räumt Marianne Stöckli, Mandatsleiterin «Integrative Schulung», ein. Diese werde nun - falls der Landrat die Vorlage durchwinkt - wo immer möglich durch Integrationsklassen ersetzt.

Auch Begabte besser fördern

Ganz ausschliessen könne man auch in Zukunft nicht, dass behinderte Kinder in einer Regelklasse in den Genuss der Einzelförderung kämen. «Das würde gegen die Rechtsgleichheit verstossen - so wird es künftig auch in kleinen Gemeinden womöglich Einzelintegrationen geben.» Heute werden im Landkanton 214 Sonderschüler integrativ geschult. 116 mit einer Körper- oder Sinnesbehinderung oder einer Verhaltensstörung werden einzeln integriert, der Rest besucht den Unterricht in sogenannten Integrationsklassen, wo vier bis fünf Sonderschüler zusammen unterrichtet werden. Auch hier beschreitet der Kanton neue Wege: Bisher waren die Integrationsklassen auf der Sek-Stufe vorzugsweise auf P-Niveau vorgesehen - man ging davon aus, dass dieses höchste Niveau für die Integration von Sonderschülern das beste Umfeld sei. Seit letztem Sommer wird etwa in Allschwil eine Integrationsklasse auf dem A-Niveau geführt - mit Erfolg, wie Stöckli betont. «Wir stellen fest, dass es hier sogar zu einem besseren sozialen Austausch kommt.» Auch in einem weiteren Punkt wird der Kanton bei der Ausarbeitung der Landratsvorlage den Anregungen des Lehrerverbands folgen. Die spezielle Förderung komme heute kaum den Begabten zugute, sagt Christoph Straumann. Aufgrund der Vernehmlassungsrückmeldungen wird die Begabtenförderung nun besser positioniert. «Wir haben einen Förderpool, von dem die überdurchschnittlichen Schüler zukünftig besser profitieren sollen», sagt Stöckli. Schon heute werden 30 Hochbegabte in Privatschulen speziell gefördert. Die Förderung begabter und hochbegabter Schüler soll aber zukünftig auch in den Regelklassen integrativ erfolgen.

Entscheidungskompetenz bei Schulleitung

Nur in einem wichtigen Punkt will das Baselbieter Amt für Volksschulen den Forderungen des Lehrervereins nicht stattgeben. Dieser will, dass die Lehrer die Entscheidungshoheit über die Fördermassnahmen haben sollten. «Die Lehrerinnen und Lehrer sind entscheidend in der pädagogischen Beurteilung der Integration. Die formale Entscheidungskompetenz liegt jedoch bei der Schulleitung», sagt Stöckli. Die Kompetenz von der Schulleitung wegzunehmen, kommt für sie nicht infrage.