Vor zwei Jahren war die Welt um den geplanten Neubau der Post in Liestal noch in Ordnung: Stadtrat, Post und Jurypräsident Luca Selva präsentierten das Siegerprojekt von Christ & Gantenbein aus dem Architekturwettbewerb. Die Rede war von einer «städtebaulichen Aufwertung dank guter, schlichter Architektur». Dies hiess aus Sicht Bahnhofplatz ein 25 Meter hohes Gebäude mit sieben Stockwerken für Post, Gewerbe und Wohnen. In der Bevölkerung kursierten allerdings schnell Begriffe wie «Klotz», «Wand» oder «Fluh». Und es machte sich auch der Ruf nach dem «Elefantenbrüggli» breit, einer direkten, ebenerdigen Fussgängerverbindung von der Post zur Altstadt, wie sie ein unterlegenes Projekt beinhaltete.

Dieses «Brüggli» erfasste auch die Politik und wurde zu so etwas wie einem Garantieschein, dass das Stedtli mit seinem Gewerbe nicht vom neuen Bahnhofsquartier inklusive Post abgehängt wird. Doch vergangene Woche wurde der Planungskredit vom Einwohnerrat völlig überraschend einhellig versenkt (die bz berichtete). Gleichzeitig wurde bekannt, dass es viele Änderungen rund um das Post-Siegerprojekt gibt.

Besitzer verkaufen «Pöstli» nicht

Stadtrat Franz Kaufmann bestätigt auf Nachfrage, dass das Post-Projekt «auch auf Impuls der Denkmal- und Heimatschutzkommission» überarbeitet wird. Kaufmann: «Das Ganze wird viel schlanker und passt sich in seiner Körnigkeit an die Umgebung mit Uno-, Zentralliestal- und Gerichtsgebäude an.» Auf die Details will sich Kaufmann nicht einlassen, weil man zusammen mit der Post in einem Prozess stehe. Auch die Post verweist auf die laufende Überarbeitung und will sich weder zu Volumen noch Höhe äussern.

Die Redimensionierung des geplanten Post-Gebäudes ist aber auch Änderungen im Quartierplan-Perimeter geschuldet. Die wichtigste: Das «Pöstli», wo heute McDonald’s eingemietet ist, kann nicht wie geplant abgerissen werden. Dies, weil die Besitzer das Gebäude nicht veräussern wollen. Damit entfällt der viel gepriesene, offene Blick vom Bahnhofsareal zwischen Gerichtsgebäude und neuer Post durch hin auf die Altstadt. Weil das «Pöstli» stehen bleibt, kann aber auch das ehemalige Feuerwehrmagazin in der Allee, das heute der Jugend als Treffpunkt dient, nicht abgerissen werden. Kaufmann erklärt: «Das ‹Pöstli› lehnt sich mit der Rückwand an das Feuerwehrmagazin an. Wir haben das statisch untersuchen lassen mit dem Resultat, dass das ‹Pöstli› ohne Feuerwehrmagazin eine massive Stützmauer bräuchte.» Das alles bedeutet auch, dass das geplante Parkhaus nicht wie vorgesehen in den Hang unter Post und «Pöstli» gebaut werden kann.

Parkhaus steht in den Sternen

Und jetzt wird es endgültig komplex: Weil der Quartierplan-Perimeter für die neue Post auch die Allee samt Orisbach umfasst, wird alles noch ungewisser. Denn um die Allee in einen kleinen Stadtpark aufwerten zu können, müssen die dortigen Parkplätze verschwinden. Das hat in Liestal aber nur eine Chance, wenn es Ersatzparkplätze gibt. Und die wären im geplanten Parkhaus im Hang unter neuer Post und abgerissenem «Pöstli» vorgesehen gewesen.

Muss bei so vielen Änderungen der Architekturwettbewerb für Post und Umgebung neu gestartet werden? «Nein», sagt Kaufmann. Im grossen Ganzen bleibe das Projekt identisch, es finde jetzt eine Weiterbearbeitung und Verfeinerung statt wie fast immer nach einem Wettbewerb. «Ja», sagt stattdessen Architekt Raoul Rosenmund, der seinerzeit mit seiner Eingabe inklusive Elefantenbrüggli unterlegen war. Der Wettbewerb sei hinfällig, da sämtliche Randbedingungen nicht mehr stimmten und deshalb das neue Post- nichts mehr mit dem Sieger-Projekt zu tun habe. Auch hätte der Einwohnerrat gemäss Rosenmund die Planung des Elefantenbrüggli nicht versenken, sondern aufschieben müssen, bis ein Konzept für den Anschluss des Bahnhofsgeländes ans Stedtli gefunden werde.

Rosenmunds Rezept heisst: «Statt Schnellschüsse abzugeben, muss man jetzt Stopp sagen und den Wettbewerb unter den neuen Randbedingungen nochmals ausschreiben.» Das benötige zwar ein Dreivierteljahr Zeit und sei ärgerlich für die Post, aber für so etwas Wichtiges wie die Neugestaltung von Allee, Post und der Verbindung zur Altstadt sei das relativ wenig. Zeitlich ist man mit der Post-Neuplanung sowieso arg im Hintertreffen. Einst rechnete Kaufmann «im besten Fall» mit Baubeginn diesen Sommer, jetzt im 2020.