Die Frage lautete: Kommt er - oder kommt er nicht? Die Rede ist von FC-Basel-Präsident Bernhard Heusler. Am Montag lud die Stiftung Nachwuchs-Campus zur Aufrichtfeier, und der Campus ist bekanntlich das «Kind» von Heuslers Vorgängerin Gigi Oeri. Zur Erinnerung: Oeri war der Clubleitung in einem «Sonntag»-Interview von Ende November kräftig an den Karren gefahren. Freis Rücktritt wäre vermeidbar gewesen, monierte die FCB-Ehrenpräsidentin, Finks Weggang auch. Und sowieso sei der FCB bald «wie jeder andere Fussballclub auch».

Jeder Schritt wird aufgezeichnet

Das sass. Trotzdem kam Heusler an die Aufrichtfeier in der Brüglinger Ebene. So wie viele andere, die beim FCB Rang und Namen haben. Zum Beispiel Adrian Knup, Marco Walker und Massimo Ceccaroni. Und natürlich Gigi Oeri. Alle lächelten. Von Zwist kein Spur. Und zusammen mit den zahlreich erschienenen Medienvertretern und am Bau Beteiligten waren sie Zeuge davon, dass der FCB noch lange nicht so sein wird «wie jeder andere Fussballclub auch».

Denn der Campus, der am Montag gefeiert wurde, ist einzigartig - zumindest hierzulande. Den sechs Nachwuchsmannschaften werden dereinst Therapieräume, Physiotherapie, Kraftraum, Kantine und Freizeiteinrichtungen zur Verfügung stehen. Hinzu kommen sechs Fussballfelder, wobei das Konzept der Rundumbetreuung sogar noch weiter geht: Auf zwei Feldern ist ein sogenanntes Analysetool installiert. Damit können die Bewegungen der Spieler auf Schritt und Tritt aufgezeichnet werden. Die Daten fliessen in die Trainingsgestaltung ein.

Der neue Nachwuchs-Campus, Blickrichtung Münchenstein. Das Eingangsportal besitzt exakt die Grösse eines Fussballtores.

Der neue Nachwuchs-Campus, Blickrichtung Münchenstein. Das Eingangsportal besitzt exakt die Grösse eines Fussballtores.

Nicht zuletzt sticht das Gebäude selbst heraus. Architekt Luca Selva entwarf einen leicht trichterförmigen Baukörper, dessen Haupteingang exakt die Masse eins Fussballtors aufweist. Auf der gesamten Fassade sind Löcher eingebracht. Ihre Höhe auf der Wand entspricht den gesamten Schlussplatzierungen des Clubs seit der Gründung.

Der Campus setzt Massstäbe - kein anderer Schweizer Club kann etwas Vergleichbares vorweisen, mit Ausnahme der Grasshoppers. «Dieser ist aber etwas in die Jahre gekommen», sagte Benno Kaiser, Geschäftsführer der Stiftung. Und fügte bescheiden an: «Der Campus wird unsere Ansprüche nicht heben. Wir passen die Infrastruktur einfach dem schon heute bestehenden hohen Niveau an.»

Das ist aber nicht gratis: 18 bis 20 Millionen Franken kostet der Nachwuchs-Tempel. Bei den Betriebs- und Unterhaltskosten - ohne Trainingsbetrieb - rechnet Kaiser mit einer Million pro Jahr.

Eröffnung im Sommer

Mit insgesamt rund eineinhalb Millionen Franken aus dem Swisslos-Sportfonds sind auch die beiden Basel beteiligt. «Private Gönner und öffentliche Hand arbeiten zusammen - dieses Projekt besitzt Vorbildcharakter», schwärmte der basel-städtische Regierungsrat Christoph Eymann, und auch sein Baselbieter Kollege Urs Wüthrich äusserte sich sehr positiv zum Engagement.

Die Einweihung des Campus ist per August 2013 vorgesehen - rechtzeitig zum Start der neuen Saison.