Diesen Start hat sich der erfahrene Gastronom Patrik Niederhauser dynamischer vorgestellt. Er führt das vor knapp zwei Jahren eröffnete «Le Pavillon» in Füllinsdorf. Wobei dieses kein herkömmliches Speiselokal ist, sondern «ein öffentliches Restaurant mit Altersheim-Anschluss», wie es Niederhauser umschreibt. Das heisst, es gehört zum Seniorenzentrum Schönthal in Füllinsdorf und wurde als neustes öffentliches Heim-Restaurant im Landkanton bei einem grösseren Umbau anstelle des früheren Cafés geschaffen.

«Le Pavillon» zählt 70 Plätze, bietet über Mittag drei Menüs sowie À-la-carte-Gerichte zu einem moderaten Preis an, beschäftigt in der Küche erfahrenes Personal, das aus Häusern mit gutem Ruf gekommen ist, und macht immer wieder mit speziellen Aktionen wie derzeit mit thailändischem Essen auf sich aufmerksam. Trotzdem sagt Niederhauser: «Wir verkaufen im Restaurant nur zwischen 20 bis 40 Mittagessen und das sehr schwankend. Uns fehlen vor allem die Leute aus den umliegenden Geschäften.»

«Zum Park» floriert

«Le Pavillon» befindet sich mit dem nahen Migros-Einkaufcenter mit günstigem Selbstbedienungsrestaurant und grosser Sandwich-Bar in einer speziellen Konkurrenzsituation. Doch Niederhauser, der 2016 im «Schönthal» als Leiter des Bereichs Gastronomie begann, zuvor aber noch nie in einem Altersheim gearbeitet hatte, sieht für sein Haus eine andere Hürde im Vordergrund.

«Die Hemmschwelle, in ein Altersheim-Restaurant zu gehen, ist gross, obwohl das ‹Le Pavillon› ein normales Restaurant ist. Es gelang uns bis jetzt nicht, diese Schwelle abzubauen.» An Feiertagen hingegen sei das Restaurant voll. «Le Pavillon» funktioniert wie fast alle Altersheim-Restaurants: Im Normalfall essen die Bewohner in einem separaten Speisesaal. Haben sie Besuch, gehen sie mit diesem ins öffentliche Restaurant.

In einer ähnlichen Situation ist das Alters- und Pflegeheim Zum Park in Muttenz: Es führte früher nur ein Café und hat vor drei Jahren in seinen neuen Gebäuden ein öffentliches Restaurant eröffnet. Heimleiter Beat Brunner sagt zu den Erfahrungen: «Ich habe mir den Start harziger vorgestellt. Ich bin sehr zufrieden, wie es bei uns läuft.» Das 60-plätzige Restaurant sei – ausser samstags – gut besetzt bis ausgelastet, mittags vor allem dank der Mitarbeiter von umliegenden Firmen und Schulen.

Eine Hemmschwelle, in ein Altersheim-Restaurant zu gehen, könne er kaum beobachten, sagt Brunner. Dafür eine andere: «Die Hälfte der potenziellen Bewohner hat eine Hemmschwelle, in ein Heim einzutreten. Mit dem öffentlichen Restaurant wollen wir diesen Leuten und ihren Angehörigen die Vorurteile gegenüber dem Heim nehmen.»

Zwei alte Hasen kommen wiederum zu unterschiedlichen Einschätzungen. Eine Hemmschwelle, in ein Heim-Restaurant zu gehen, könne er «ein Stück weit» feststellen, sagt Bernhard Fringeli. Er leitet das Alters- und Pflegeheim Frenkenbündten in Liestal, das seit der Erweiterung im Jahr 2002 ein öffentliches Restaurant betreibt. Die meisten Kunden seien Angehörige von Heimbewohnern, Anwohner und Mitarbeiter von Firmen und Schulen im Quartier.

Das 80-plätzige Restaurant sei mit je nach Wochentag und Jahreszeit 40 bis 60 Mittagessen gut ausgelastet. Fringeli freut sich: «Unser Restaurant ist im Quartier zu einem starken Magneten geworden. Es ist wie ein Fenster, das wir nach aussen öffnen und zeigen, dass wir keine geschlossene Gesellschaft sind.» Den Bewohnern vermittle das Restaurant dadurch ein Stück Lebensfreude.

Einzigartige Altersheim-Bar

Wegen grossem Andrang gar ausbauen wird die Stiftung Hofmatt in den nächsten Wochen ihr öffentliches Heim-Restaurant in Münchenstein. Der stellvertretende Leiter Marc Boutellier sagt: «Wir erneuern die Infrastruktur und erweitern unser 20-jähriges Restaurant um 20 auf 100 Plätze. In der ersten Wochenhälfte sind wir normalerweise vollbesetzt, in der zweiten etwas weniger.» Für den Umbau investiert die Stiftung 400'000 Franken. Das Heim-Restaurant habe den Charakter einer Quartierbeiz; eine Hemmschwelle, einzutreten, gäbe es höchstens in Einzelfällen.

Die «Hofmatt» hält auch mit einem Bistro am Morgen und der einzigen Baselbieter Altersheim-Bar am Abend dagegen. Boutellier sagt: «Die Leute sollen merken, dass wir kein Altersgetto sind.»

Das bereichert offenbar beide Seiten. Boutellier: «Für unsere Bewohner ist dieser Austausch mit der Welt belebend. Viele sitzen im Eingangsbereich und schauen, was passiert.» Diesen Eingangsbereich müssen alle passieren, ob sie ins Heim, ins Restaurant, in die Bar oder die angegliederte Doppelarztpraxis gehen wollen.

Diese Einschätzung teilt auch Curaviva Baselland, der Dachverband der Baselbieter Alters- und Pflegeheime. Ein öffentliches Restaurant stelle für die Heimbewohner eine Bereicherung dar, weil sie hier zu nicht alltäglichen Kontakten kommen könnten, sagt die Kommunikationsverantwortliche Jolanda Eggenberger. Von den 33 dem Verband angeschlossenen Heimen führen mittlerweile 23 ein öffentliches Restaurant.