Seit dem Hochwasser von 2007 suchte die Gemeinde Zwingen nach Lösungen zum Hochwasserschutz. Benno Jermann, ehemaliger Gemeindepräsident von Zwingen erzählt, eine Möglichkeit habe darin bestanden, das Papierfabrik-Areal Obermatt, welches zu dieser Zeit von Hansjörg Rettenmund liquidiert worden war, aufzuschütten. Rettenmund gab dazu sein Einverständnis. Initiator dieser Aktion sei der Betreiber der Zuber Aushub + Transport AG gewesen. «Ich hatte schon seit sieben Jahren vergeblich versucht, vom Kanton die Bewilligung für eine Aushub-Deponie zu bekommen», erklärt Zuber.

Ein Win-Win-Deal geht bachab

Nachdem das kantonale Bauinspektorat 2009 seine Bewilligung zum Projekt gegeben hatte, erhielt Zuber von der Gemeinde den Auftrag, das Areal mit sauberem Aushub aufzuschütten. «Damit hatten wir eine Win-Win-Situation für alle Seiten», erinnert sich Jermann. Mit Rettenmund war ein Zeitfenster für die Ausführung der Auffüllarbeiten vereinbart worden. Als dieses im Jahr 2012 überschritten wurde, schaltete sich Rettenmund ein. «Mir war unerklärlich, warum die Arbeiten so viel Zeit in Anspruch nahmen. Da kam ich auf den Gedanken, untersuchen zu lassen, was da eigentlich abgelagert wird.» Er wandte sich an das Baselbieter Amt für Umwelt und Energie (AUE), welches die geologische Untersuchung des Materials verlangte. Das Ergebnis der Untersuchung war problematisch: Das Aushub-Material war teilweise deutlich über dem Toleranzwert mit Arsen belastet. Rettenmund sah sich darin bestätigt, richtig gehandelt zu haben. Das Material wurde sofort ausgehoben und fachgerecht entsorgt.

Natürliche Arsenvorkommen

Für die Arsenbelastung kann offenbar niemand verantwortlich gemacht werden. Roland Bono, Mitglied der Geschäftsleitung des AUE, informiert: «Aufgrund der damaligen Abklärungen und der heutigen Kenntnisse ist davon auszugehen, dass eine sogenannte geogene – und damit natürlicherweise vorhandene – Belastung vorlag.» Eisenhaltige Kalkböden wie im Juragebiet sind für natürliche Arsenvorkommen anfällig. Dies belegt eine Infobroschüre von 2002 des Wasserforschungsinstituts Eawag in Dübendorf: «In der Schweiz gibt es insbesondere drei Gebiete mit erhöhten natürlichen Arsengehalten: die Nordschweiz mit ihren zahlreichen arsenhaltigen Thermal- und Mineralquellen; den Jura mit seinen eisenhaltigen Kalken und Tonen, sowie die Alpen, wo arsenhaltige Erzlagerstätten und Kristallingesteine mit erhöhten Arsengehalten auftreten.»

Ungeklärte Herkunft

Es ist bis heute nicht im Detail bekannt, woher die Belastung des Aushubmaterials genau stammt. Die Analyse konnte den Herkunftsort nicht rekonstruieren. Roland Bono äussert sich dazu: «Der Fachbericht ergab klar, dass das Arsen ausschliesslich in gewissen zugeführten Chargen zu finden war.» Da Zuber das Projekt verfasst hatte und das Material lieferte, wurden die anfallenden Kosten sämtlich seiner Transportfirma angelastet.

Er kommentiert: «Von allen Seiten hat man uns dafür verantwortlich gemacht. Dabei waren wir nur mit dem Transport beauftragt. Man sieht dem Material von aussen ja nicht an, dass es belastet ist. Trotzdem mussten wir die ganzen Kosten allein tragen.» Der hohe sechsstellige Betrag sei für das kleine Unternehmen stark ins Gewicht gefallen. Zuber ist bis heute verärgert, dass Kanton und Gemeinde sich nicht mindestens beteiligt haben. Es gäbe einen Fonds für solche unklaren Fälle, wo die Verantwortlichkeit nicht eindeutig geklärt werden kann. Benno Jermann meint hingegen, dass der Kanton dabei zu wenig involviert gewesen sei, um die Verantwortung zu übernehmen. «Das war ein Geschäft zwischen der Gemeinde, Rettenmund Consulting und der Firma Zuber.»

Roger Burkhardt, von 2010 bis 2014 Gemeinderat und Wasserchef von Dittingen, sieht in diesen natürlichen Arsenvorkommen eine grosse Gefahr, sollten die geplanten Grossdeponien in Zwingen und Blauen realisiert werden, die am Sonntag zur Abstimmung kommen. Er ist mit diesen Sorgen nicht allein. Auch Benno Jermann befürchtet, dass ungeahnte Arsenbelastungen im Aushubmaterial sich negativ auf das Grundwasser auswirken könnten, wenn Aushubmaterial nicht strikt kontrolliert wird.