Das kam selbst für viele Liestaler überraschend: Im neusten «Liestal aktuell» schreibt die Bürgergemeinde die Pacht des beliebten Ausflugsrestaurants Sichternhof auf nächstes Frühjahr neu aus.

Der Grund dafür sei, dass das bisherige Pächterpaar per Ende November gekündigt habe, sagt Bürgergemeindepräsident Peter Siegrist. Und Siegrist schiebt bedauernd nach: «Wir waren sehr zufrieden mit dem Betrieb und wären froh, wenn die Pächter bleiben würden.» Eine Aussage, die wohl die meisten Liestaler unterschreiben könnten.

Die gelobten Pächter heissen Urs und Vroni Senn und führen den «Sichternhof» mitten in Liestals meist frequentiertem Naherholungsgebiet seit 13 Jahren. Und diese lange und intensive Zeit ist auch der Grund für die für Aussenstehende überraschende Kündigung.

Urs Senn sagt: «Wir mögen nicht mehr und wollen eine Veränderung. Uns ist alles etwas zu viel geworden, und auch das Privatleben leidet.»

Senn bleibt aktiver Fasnächtler

Beschleunigt hat den Entscheid ein Stellenangebot an Senn: Er wird künftig als Koch beim Catering-Unternehmen RCB in Bubendorf arbeiten, «mit mehr Freizeit», wie er betont. Und seine Frau wird eine Cafeteria in Reinach übernehmen. Urs Senn: «Wir sind beide 40 und damit in einem Alter, in dem wir noch etwas Neues machen können.»

Natürlich tue der Abschied vom «Sichternhof» auch weh, denn sie hätten hier eine «superschöne» Zeit mit einer tollen Stammkundschaft und einer guten Auslastung verbracht.

Zumindest der fasnachtsbegeisterte Teil von Liestal kann aber auch aufatmen, denn Urs Senn bleibt als Stedtli-Singer und aktives Cabaret-Rotstab-Mitglied erhalten; Senn ist an der letzten Fasnacht mit grossem Echo in die Rolle der ehemaligen Liestaler Stadtpräsidentin Regula Gysin geschlüpft.

Ein Wermutstropfen ist dagegen, dass der «Sichternhof» mit seinen für Familien- und Firmenanlässe sehr gut geeigneten Sälen ausgerechnet in der Vorweihnachtszeit und den anschliessenden Festtagen geschlossen bleibt.

Aber die Bürgergemeinde will den Pächterwechsel für Renovationen von Wirtewohnung, Dach und Fenstern nutzen und hat dafür einen Betrag von 800'000 Franken ins Budget gestellt. Die Neueröffnung werde im Idealfall im nächsten April stattfinden, sagt Siegrist.

Die neuen Pächter sollten wieder ein Paar sein, denn für eine Person alleine sei der «Sichternhof» zu arbeitsintensiv. Nebst den notwendigen fachlichen Qualifikationen erwartet Siegrist vom künftigen Wirtepaar auch, dass es Wohnsitz im Obergeschoss des Gastbetriebs nimmt, da der Zugang nur via Restaurant möglich sei.

Und auch nicht ganz unwichtig: «Wenn zwei gleich gute Bewerbungen erfolgen, haben Liestaler Bürger einen Vorteil», sagt Bürgergemeindepräsident Siegrist.