Es war sicherlich kein konventioneller Auftakt. Das Theater Palazzo eröffnete die Saison 2016/17 mit dem Clownstück «Nichtsnutz» von Schauspieler Ueli Bichsel und Silvana Gargiulo – und lieferte dabei einen kleinen Vorgeschmack auf das besonders circensische Programm.

«Die neue Saison ist mit ihrem reichen Programm sehr vielversprechend», sagt die Leiterin von kulturelles.bl, Esther Roth, bei der kurzen Begrüssung vor der Vorstellung. «Ueli Bichsel und Silvana Gargiulo präsentieren ein hoch komisches und doch erschütterndes Stück, das zum Lachen bringt und gleichzeitig zum Reflektieren anregt.»

Tatsächlich ist «Nichtsnutz», das im April Premiere gehabt hat, alles andere als ein anspruchsloses, sorgenfreies Stück, wie man es sich von zwei Clowns erwarten könnte. Das bekam der Zuschauer schon bei der ersten Szene zu spüren, als die Clowns Bichsel und Gargiulo, in einem kleinen Boot sitzend, an einem ihnen völlig fremden Ort strandeten und ein Gefängnis gewannen. Ein Gefängnis, das die lange ersehnte Freiheit bedeuten sollte und über das sich die zwei dementsprechend freuten. Damit wurde das Thema der Migranten und deren prekäres Schicksal eingeleitet, das dem eingespielten Schauspielerduo am Herzen liegt.

Das Gefängnis als
sichere Alternative

«Wir wollten die Migrantentragödie, die sich zurzeit in Europa abspielt, auf unsere Art und Weise zur Geltung bringen», erklärt Ueli Bichsel. «Nehmen wir mal Calais oder Como. Wenn du nichts mehr zu essen hast und Kinder dabei hast, dann ist das Gefängnis eine Alternative.» Dem tragisch-komischen Genre von Bichsel und Gargiulo liegt eine künstlerische Stellungnahme zugrunde: «Unser Genre ist das Tragisch-Komische, das Engagierte, das Sozialpolitische. Wir haben einen gesellschaftlichen Auftrag», fährt Bichsel fort. Dem Willen, die Problematik der Migranten auf die Bühne zu bringen, hat der Wunsch von Bichsel und Gargiulo, ein Clownstück zu produzieren, die Basis für eine tragisch-komische theatralische Umsetzung geliefert.

So entstand das fünfte gemeinsame Stück des Duos, das am Freitag für das erste Mal in der Region Basel gezeigt wurde. Der volle Theatersaal des Palazzo war ein eloquenter Indikator für die poetische und metaphorische Stärke des Stücks. Mit grosser Aufmerksamkeit verfolgten die Zuschauer die dramatische Geschichte der zwei Protagonisten, die sich lachend ihr eigenes Gefängnis gebaut und sich drin eingesperrt haben, von der menschlichen Angst getrieben, die schwer erreichte Sicherheit endgültig abgeben zu müssen. So war die bittere Note im Lachen des Publikums am Ende der Vorstellung nicht zu überhören – und ein Signal dafür, dass Bichsel und Gargiulo ihr Ziel erreicht haben. «Ich hoffe, dass das Publikum sein Leben wieder besser schätzen kann», sagt Bichsel. Silvana Gargiulo ergänzt: «Wir manipulieren die Gefühle nicht. Es sind die Zuschauer, die das Komische und das Poetische aus der Situation nehmen und einen Sinn daraus entwickeln.»

«Der Eisenhans» wird am Samstag, 17. September, um 17 Uhr und am Sonntag, 18. September, um 11 Uhr im Zelt in der Allee in Liestal gezeigt. «Pss Pss» wird am Freitag, 16. September, um 20 Uhr ebenfalls im Zelt in der Allee in Liestal gezeigt.