Polizist Franz Schöpfer trinkt den letzten Schluck seines Kaffees und verabschiedet sich von seiner Frau. Die Arbeit in der Zentrale ruft. Schnell holt er sich noch eine Basellandschaftliche Zeitung am Kiosk und macht sich derweil noch Gedanken über seinen Berufsalltag als Polizist. «Jeden Morgen weiss ich nicht, was mich heute erwartet.»

Der am Informationsanlass im Liestaler Polizeihauptgebäude zu Beginn gezeigte Film ist zwar schon etwas alt – die von Franz Schöpfer gekaufte bz hat noch das alte rote Logo darauf – doch inhaltlich ist der Film nach wie vor aktuell. «Vertrauen, Kompetenz und Sicherheit», dafür stehe die Baselbieter Polizei, heisst es im Film mehrfach. Polizisten erzählen aus ihrem Berufsalltag. Dieser sei abwechslungsreich, sagen sie alle. Tragisches trifft auf Glück, Todesfälle auf entlaufene Kinder.

Breiten Einblick bieten

Es ist eine Mischung aus Informations- und Werbeanlass, den die Baselbieter Polizei am Samstag zum zweiten Mal durchgeführt hat. Damit soll Interessierten der Polizeiberuf nähergebracht werden. «Wir möchten einen möglichst breiten und vertieften Einblick in die Polizeiarbeit bieten», erklärt Pascal Geiger, Leiter Grundausbildung und Rekrutierung. Der direkte Kontakt mit möglichen Bewerbern sei für beide Seiten wichtig.

Das Interesse ist bei den Polizeiaspiranten spürbar. Ihre Fragen zeigen, dass sie sich mit dem Thema des Polizeiberufs schon intensiv auseinandergesetzt haben. Die einen sind in ihrer Karriereplanung schon weiter, für andere kann der Informationsanlass der Beginn dafür sein. David Haseli aus Gipf-Oberfrick hat gerade erst die Aufnahmeprüfung bestanden und erwartet in wenigen Tagen das Interview, in welchem ihm auf den Zahn gefühlt wird.

«Ich möchte für die Menschen für Sicherheit sorgen. Schaffen für das Allgemeinwohl, das sagt mir zu», beschreibt er seine Motivation. Der Informationsanlass hat bei ihm seine Wirkung nicht verfehlt. «Ich war schon bei anderen Polizeicorps an Informationsanlässen. So nett wie hier war es aber nirgends.»

Spuren sicherstellen

Wo genau er sich in der vielfältigen Polizeiarbeit sieht, weiss David Haseli noch nicht. Wenn er denn wünschen dürfte, sehe er sich am ehesten in der Kriminalpolizei bei der Fahndung. «Die Polizeiarbeit ist derart vielfältig, da ist es schwierig, schon jetzt eine Prognose abzugeben.» Und genau mit dieser Vielseitigkeit wirbt die Baselbieter Polizei.

Sie ermöglicht an diesem Tag Einblicke in die Sicherheitspolizei, in die Einsatzzentrale und in die Forensik. Vor allem in der Spurensuche können die Aspiranten auch selber Hand anlegen und DNA-Spuren, Finger- und Fussabdrücke sicherstellen.

In der Tiefgarage erklären Marco Schönenberger und Kathrin Oberer das im vollgeladenen Einsatzfahrzeug vorhandene Material. Die stellvertretende Leiterin des Stützpunkts Liestal schafft es mit ihren Erzählungen, ihre auch nach 16 Jahren ungebrochene Begeisterung für den Polizeiberuf rüberzubringen. «Man kommt am Morgen zur Arbeit und weiss nicht, was einen erwartet. Ich arbeite noch immer so gerne wie am ersten Tag.»

Kathrin Oberer will ihre Leidenschaft weitergeben, verhehlt aber nicht, dass der Polizeiberuf auch besondere Herausforderungen bereithält. «Man muss stets flexibel sein. Die Arbeitseinsätze sind unregelmässig und oftmals auch nicht vorhersehbar.» Auch gebe es unschöne Einsätze. «Die gehören halt dazu.»

Ereignisse stören die Planung

Die Polizeiaspiranten hören der erfahrenen Polizistin gespannt zu. Kathrin Oberer stellt deren Interesse erfreut fest. «Sie sollen die Polizeiarbeit direkt spüren, den Alltag förmlich riechen.» Die Referenten betonten den abwechslungsreichen und unvorhersehbaren Berufsalltag mehrfach. Doch dies hätten sie gar nicht gebraucht. Der reale Alltag an diesem Samstag trägt Seiniges dazu bei, dass alle merkten, dass in der Polizeiarbeit nichts planbar ist.

Die Hundestaffel, in welche die Aspiranten auch Einblick hätten erhalten sollen, musste spontan zu einem Einsatz. Auch der Besuch in der Einsatzleitzentrale fiel vor allem den Ereignissen rund um die verbotene Veranstaltung der Grauen Wölfe in Reinach zum Opfer. «Planbar ist hier fast nichts. Aber genau das ist es, was mich noch immer so fasziniert», unterstreicht Ausbildungschef Pascal Geiger das Unvorhergesehene.

In der abschliessenden Fragerunde wurde klar: Die Begeisterung für den Polizeiberuf ist bei den Aspiranten geweckt oder wenn vorhanden noch grösser geworden. Stellvertretend für wohl viele meinte Melinda Kaufmann aus Riehen am Ende zufrieden: «Der Tag hat mich bestärkt, Polizistin zu werden.»