Yves Zimmermann, Leiter des Baselbieter Amts für Umweltschutz und Energie (AUE), hat es im Interview mit der bz bereits angetönt. Jetzt steht fest: Der Kanton greift bei der Prattler Rohner AG durch.

Dies nachdem die Firma ein Leck in einer Abwasserleitung verschwieg, durch welches das Grundwasser verschmutzt wurde. In einer Mitteilung von heute Freitagnachmittag hält die Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) fest, dass es «konkrete Massnahmen insbesondere in Bezug auf das Abwassersystem der Firma Rohner eingeleitet hat». Im Fokus steht die Sicherheit des Abwassersystems «inklusive aller abwasserrelevanten Bauwerke». Inwiefern diese Massnahmen den Betrieb der Rohner AG beeinträchtigen, geht aus der Mitteilung nicht hervor.

Ohne Abwassersystem wird es für Rohner schwierig

Doch auf Nachfrage der bz zeigt BUD-Sprecher Nico Buschauer die Tragweite des Entscheids auf: Der Kanton habe der Rohner AG heute eine Verfügung zugestellt. Dies liegt in der Kompetenz des zur BUD gehörenden AUE als offizieller Aufsichtsbehörde. Im Kern verlangt die Behörde von der Chemiefirma, dass diese den Teil ihres Leitungssystem, der sich durch den Rohrbruch als undicht erwiesen hat, per sofort ausser Betrieb nimmt und einer umfassenden Sanierung unterzieht. Sicher betroffen von dieser Forderung ist der Energieleitungstunnel (ELT), in den das Industriewasser nach dem Rohrbruch geflossen ist und von dort ins Grundwasser gelangte.

Auch wenn der Kanton es so nicht ausspricht, liegt es auf der Hand, dass ein Betrieb wie die Rohner AG gar nicht oder bloss sehr eingeschränkt weiterarbeiten kann, wenn ihr kein Abwassersystem zur Verfügung steht. Kommt hinzu, dass ganz grundsätzlich sämtliche Abwasserleitungen und Schächte des Areals einer Dichtheitsprüfung unterzogen werden müssen. Diese Arbeiten muss laut Buschauer eine «anerkannte Fachfirma» durchführen.

Rohner hat noch Zeit, sich zu wehren

Bis zum 30. April muss Rohner dann einen umfassenden Schlussbericht über die Arbeiten am ELT vorlegen. Allerdings führt die Verfügung nicht zu einem sofortigen Betriebsstopp der Firma. Denn zuerst wird ihr das rechtliche Gehör gewährt. Bis zum 22. März kann sie zur Verfügung Stellung nehmen. Es ist anzunehmen, dass die Rohner AG sich gegen die Massnahmen wehren wird. 

Die Abklärungen, welche Substanzen das Grundwasser genau verschmutzt haben, dauern derweil an. Die Analyse durch das Kantonale Labor sei sehr aufwändig, schreibt die BUD. Auch seien weitere Grundwasserüberwachungen in Fliessrichtung des Grundwassers festgelegt worden.