Die Stärke eines Systems wird oftmals bei den Schwächsten erkennbar. Während Schülerinnen und Schüler mit ausreichenden und guten schulischen Leistungen in aller Regel weniger Probleme in ihrer Lehrzeit haben, zeigen sich bei weniger starken Jugendlichen im Lehrbetrieb, aber auch in der Gewerbeschule oder in der Handelsschule des Kaufmännischen Vereins, Schwierigkeiten. Bei manchen liegen sie in der mangelnden Sprachkompetenz, aber – so zeigt die Befragung der Lehrmeister – auch in grundlegenden Defiziten. Besonders Abgängerinnen und Abgänger der Sekundarschule Niveau A haben in den mathematischen Fächern, aber auch in den handwerklichen Bereichen zum Teil massive Defizite.

Stärken und Schwächen

Im Auftrag der «Stiftung Brückenschlag» (Arbeitsgruppe Schule, Industrie und Gewerbe) hat die Fachhochschule Nordwestschweiz (Institut für Sozialplanung und Stadtentwicklung) 28 Lehrbetriebe im Waldenburgertal befragt. Die Gespräche mit den Lehrmeistern oder Verantwortlichen für die Lehrlingsausbildung haben Stärken und Schwächen unseres Berufsbildungssystems aufgezeigt. Grundsätzlich hat sich das System der Berufslehren, begleitet von Berufsschulen und verbunden mit der Möglichkeit einer Berufsmatur, gut bewährt. Aber aus der Analyse der Befragungen ergeben sich konkrete Handlungsempfehlungen für Schulen und Lehrbetriebe.

Neben den schulischen Defiziten fehlt es bei den Abgängern der Sekundarschule Niveau A oft auch an sozialen und praktischen Fähigkeiten – und nicht immer können diese in der Betriebslehre «nachgebessert» werden. Grosses Gewicht haben, so die Lehrmeister, die Motivation der Lernenden für ihren Beruf, und der Wille, eine anspruchsvolle Ausbildung durchzuhalten. Dabei spielt auch der familiäre Hintergrund eine wichtige Rolle: Eltern, die ihre Jugendlichen auch in schwierigen Ausbildungsphasen unterstützen und motivieren, den Kontakt zum Lehrbetrieb suchen und aufrechterhalten, sind wichtige Partner der Lehrbetriebe und der Lehrlinge.

Die Jugendlichen bringen aber – so hält die Studie der Fachhochschule auch fest – Stärken im Umgang mit Computer und digitalen Medien mit, und sie sind heute auch selbstsicherer als noch vor Jahren.

Viele brechen ihre Lehre ab

Dennoch kommt es immer wieder zu Lehrabbrüchen, was in manchen Fällen aber vermeidbar wäre. Einerseits treten einige Jugendliche eine Ausbildung an, von der sie falsche Vorstellungen haben. Dies wirkt sich fatal auf die Motivation aus und lässt jeden Willen zum Durchhalten erlahmen. Schnupperlehren, welche einen guten Einblick in die Arbeitswirklichkeit eines Betriebs vermitteln können, sollten solche beruflichen «Fehlgriffe» verhindern, tun es aber nicht immer. Andererseits erfolgen Lehrabbrüche auch wegen der bereits erwähnten Defizite in der schulischen Bildung. Leider genügt es nicht, dass ein Auszubildender gute praktische Arbeit verrichten lernt. Er muss auch den Anforderungen der Berufsschulen entsprechen können.

Die Lehrbetriebe prüfen ihre zukünftigen Lehrlinge genau, bevor sie auf einen Lehrvertrag eintreten. Viele Bewerber um einen Ausbildungsplatz bleiben dabei auf der Strecke. Auch die Eindrücke, welche Schnupperlehrlinge hinterlassen, spielen eine grosse Rolle.

Mathematik und Deutsch

Der Bericht der Fachhochschule Nordwestschweiz empfiehlt der Sekundarschule dringend, angehende Lehrlinge besser in den mathematischen Grundfunktionen, in Deutsch und in alltagspraktischen Dingen auszubilden. Der Vermittlung von logischem Denken und einer guten Allgemeinbildung kommt ebenso viel Bedeutung zu wie der Persönlichkeitsentwicklung und der Vermittlung sozialer Kompetenzen.

Weitere Empfehlungen, die aus der Studie hervorgehen, betreffen die Berufsschulen: Oft kommt es erst zu einem Kontakt mit dem Lehrbetrieb, wenn es Probleme mit einzelnen Lernenden gibt. Dann könnte es zu spät sein. Der Bericht macht auch auf ein Anliegen der Lehrbetriebe «in eigener Sache» aufmerksam: Nicht alle Betriebe bilden Lehrlinge aus, aber sie profitieren davon, dass andere den Nachwuchs an Fachleuten generieren. Hier wären Anreize für die Lehrlingsausbildung sinnvoll und gerecht, auch in der Form, dass Nichtausbildungsbetriebe sich an den Kosten beteiligen.

Markus Wagner betreut bei der Stiftung Brückenschlag «Presse und Medien».