Laut ging es zu und her, als an einem Sonntagmorgen im Mai 2013 gegen drei Uhr manche Nachtschwärmer auf dem Heimweg waren: Beim Bahnhof Pratteln entzündete sich ein Streit zwischen einem 46-jährigen Schweizer und einer Ausländergruppe aus der Prattler Längi.

Offenbar flogen PET-Flaschen in Richtung des 46-Jährigen, dieser revanchierte sich mit fremdenfeindlichen Sprüchen, spielte sich als Polizist auf und wollte die Ausweise sehen. Die Gegenseite reagierte mit Spott und Hohn. Ein Dritter versuchte schliesslich zu schlichten und den Mann zu beruhigen, doch als die Gruppe aus der Längi schon längst abgezogen war, rammte der 46-Jährige ihm mit voller Wucht sein Taschenmesser in die Brust. Das Opfer überlebte nur dank einer Notoperation, da das Messer auch den Lungenlappen erwischte und gar ein Stück der 6. Rippe abbrach.

Aufgeschobene Freiheitsstrafe

Das Strafgericht in Liestal stufte die Tat am Dienstag als eventualvorsätzlich versuchte Tötung ein und verhängte eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Diese wird allerdings aufgeschoben, der Mann kommt vorerst in eine stationäre Therapie.

«Ich wollte ihn sicher nicht verletzen. Aber wieso kommt er dann, wenn ich so in Rage und Panik bin?», hatte der Angeklagte im Prozess gesagt.

Er sei nach dem Angriff der Gruppe in Panik gewesen und habe sich nur selber verteidigen wollen. Das Gericht sah allerdings keinen Fall von Notwehr. Das Opfer hatte rund zwei Promille Alkohol im Blut, der Täter ungefähr drei Promille. Da der Täter aber noch immer gehen, sprechen sowie das Messer auf- und zuklappen konnte, ging das Gericht nur von einer leicht verminderten Zurechnungsfähigkeit aus.

Im Jahr 1989 wurde der 46-Jährige bereits wegen einer versuchten Tötung verurteilt. Nun wurde vom Gutachter eine dissoziale Persönlichkeitsstörung diagnostiziert. Beim Strafmass durften die fünf Richter das frühere Urteil nicht mehr berücksichtigen, weil es als gelöscht gilt.

Der Mann hatte betont, die Sache tue ihm «verdammt leid», andererseits verstehe er nicht, weshalb er deswegen nun schon fast ein Jahr in der Kiste hocke.

Hohe Schulden und Waffen

Bei einer Hausdurchsuchung wurden mehrere Waffen gefunden, ausserdem hat der Mann hohe Steuer- und Krankenkassenschulden. Die letzten Jahre hat er sich mit Handwerksarbeiten über Wasser gehalten, vor Gericht erzählte er lange von seiner laufenden Ausbildung als Lebensretter.

Eine stationäre Therapie wolle er nicht antreten, hatte er vor Gericht mehrmals gesagt, und von dem Gutachten über ihn hält er überhaupt nichts. Er verglich sich mit dem unverwundbaren Achilles, die Justiz habe nun quasi seine Ferse gefunden, um ihn fertigzumachen. Er kann das Urteil noch weiterziehen.