Gross war die Angst bei den Mietern des Walzwerks, als sie im Sommer 2017 eine vermeintliche Hiobsbotschaft erreichte: Das 40'000 Quadratmeter grosse Areal war verkauft worden. 54 Millionen Franken zahlte die Swiss Finance & Property Investment AG (SFPI) der bisherigen Besitzerin, der Sefer Foundation. Logisch, dass der neue Besitzer dieses Geld wieder hereinzuholen gedachte. Ebenso klar war: Mit den aktuellen Mietern war das kaum möglich.

2,7 Millionen Franken Mieteinnahmen flossen damals jährlich. Die Mieter hatten das Areal als Genossenschaft übernehmen wollen, doch jetzt mussten sie Kündigungen befürchten. Denn der neue Besitzer machte keinen Hehl daraus, dass er eine Umzonung anstrebte, um Wohnbauten an bester Lage zu errichten. Damit hätte die Immobiliengesellschaft mit Sitz in Zürich eine exzellente Rendite erzielen können.

Nur hatten die Manager ihre Rechnung ohne die Münchensteiner Gemeindeversammlung gemacht. Diese hatte kurz vor dem Verkauf einen neuen Zonenplan verabschiedet. Und der hielt fest: Das Walzwerk bleibt in der Industriezone. «Wir liessen das Walzwerk bewusst so, wie es war», sagt heute der Münchensteiner Gemeindepräsident Giorgio Lüthi (CVP). Der SFPI gab er zu erkennen, dass die Gemeinde keine Umzonung anstrebe. Und so konnten die Mieter aufatmen. Auf dem Walzwerk blieb alles, wie es war.

Seit vergangenem Jahr ist der Zonenplan definitiv in Kraft. Laut Gesetz darf man fünf Jahre lang gar nichts daran rütteln – faktisch 15 Jahre, wie Lüthi erklärt. Denn es gelte der Grundsatz der Planungsbeständigkeit. «Nach 15 Jahren kann man darüber reden, was mit dem Areal geschehen soll», sagt er. Die Gemeinde müsse dann gegenüber dem Kanton aber schon triftige Gründe für eine Umzonung angeben, etwa den dringenden Bedarf nach neuem Wohnraum, für den es keinen Alternativstandort gebe. «Dann können wir vielleicht mal schüchtern beim Kanton nachfragen, ob das drinliegt.»

Zukunftspläne für Gewerbe

Es ist kein Geheimnis: Das Walzwerkareal wäre ideal für eine verdichtete Wohnüberbauung. Damit würden die Steuereinnahmen und allenfalls eine Mehrwertabgabe viel Geld in die Gemeindekassen fliessen lassen.

Eine Umzonung in eine Wohnzone ist auf dem stillgelegten Industrie-Areal nebenan geplant, wo bis vor kurzem Van Baerle heimisch war. Doch Lüthi macht klar: Auf dem Walzwerk ist so was nicht erwünscht. «Ich stelle fest, dass das Walzwerk von der Bevölkerung geschätzt wird. Es läuft dort immer etwas.»

Auch finanziell ist die Gemeinde nicht auf mehr Ertrag angewiesen. «Wir haben derzeit 18 Areale, die wir entwickeln können», sagt Lüthi. Und das Walzwerk biete eine nicht zu unterschätzende Anzahl Arbeitsplätze.

Die SFPI scheint sich mit der aktuellen Situation abgefunden zu haben. 2018 hat sie drei neue Mietverträge abgeschlossen, mit acht Jahren Mietdauer und fünf Jahren Verlängerungsoption. Es handelt sich um Gewerbemieter, wie der Mediensprecher betont.

«Mittelfristig beabsichtigt die SFPI, einen Teil des heute vorhandenen Potenzials des Areals durch weitere Flächen und Mieter im Gewerbebereich auszubauen, um so die überregionale Standortattraktivität des Areals zu stärken und die bestehende Ertragskraft weiter auszubauen», heisst es.

Von Wohnbauten ist nicht mehr die Rede, im Gegenteil: Man wolle dieses Jahr mit den Behörden «Zukunftsszenarien» diskutieren, um das Areal «mit einem langfristigen Planungshorizont nachhaltig zu entwickeln, um aufzuzeigen, wie die Gewerbemieter langfristig erhalten werden können».