1. Wer redet von «BLT-Schrotttrams»?

Die «Schrotttrams» brachte der Basler Grossrat Urs Müller (Grünes Bündnis) ins Spiel. Er nannte den Begriff im April in einer Kolumne in der «Basler Zeitung». Damit meinte Müller, der damals noch als Präsident des VPOD der Region Basel amtete, die elf Schindler-Trams der Serie 200. Diese sind heute unter anderem auf der Linie 17 im Einsatz.

2. Wie alt sind die 17er-Trams?

Die Fahrzeuge besitzen Baujahr 1979 bis 1982 – und haben also bereits 30 Jahre auf dem Buckel. Sie haben jedoch diverse Liftings hinter sich. So erhielten sie 1986 bis 1995 Niederflur-Sänften eingebaut. Zuletzt wurden sie beim sogenannten «Retro-fit»-Programm, das zwischen 2001 und 2008 lief, generalüberholt. Damals investierte die BLT über 600 000 Franken pro Fahrzeug – und damit mehr als die Hälfte des Kaufpreises.

Der Einsatz der Trams ist bis 2030 vorgesehen. Laut Müller hat die BLT die Lebensdauer der Trams künstlich verlängert. Seine These: Mit den günstigen, «aufgepeppten» Fahrzeugen könnte die BLT die BVB beim Preis unterbieten, wenn es um den Zuschlag für neue Linien gehe. Die – inoffizielle – These der BLT über Müllers Gründe für dessen Engagement: Er wolle als Gewerkschaftsvertreter der BVB neue Jobs verschaffen.

3. Warum will die BLT auf der 17er-Linie keine Tango-Trams einsetzen?

«Es macht weder ökologisch noch wirtschaftlich Sinn, auf einer Einsatzlinie, welche werktags nur während sechs bis sieben Stunden fährt, neues Rollmaterial einzusetzen.» So begründete die BLT an der Medienkonferenz am Freitag in Oberwil den Einsatz der älteren Schindler-Trams auf der Linie 17.

Die Forderung nach neuem Rollmaterial hatten einige Basler Grossräte, darunter auch Urs Müller, im Zuge der Margarethenstich-Betreiberfrage aufgestellt: Ab 2018 sollten auf Stadtgebiet nur noch Fahrzeuge mit 100 Prozent Niederflur-Anteil verkehren, hiess es in ihrer Ende Juli eingereichten Motion. Am Freitag, an der Medienkonferenz der BLT, kehrte diese den Spiess um: «Seit über zehn Jahren bedient die BVB die Baselbieter Gemeinden mit uraltem Rollmaterial auf Ganztageslinien. Nun von BLT-Schrotttrams zu sprechen, ist eine Verdrehung der realen Verhältnisse.»

4. Warum will die BLT unbedingt den Margarethenstich und die Strecke zwischen Bahnhof SBB und Badischer Bahnhof bedienen?

Der 17er ist eine klassische Pendlerlinie, mit hohen Spitzen frühmorgens und abends. Von den Pendlern will laut BLT-Direktor Andreas Büttiker ein immer grösser werdender Teil vom Leimental her kommend zum Bahnhof SBB oder weiter in Richtung Wettsteinplatz und Messeplatz fahren – und am Abend wieder zurück. Die umsteigefreie Verbindung zum Bahnhof und zu den Arbeitsplatzgebieten entspreche einem grossen Bedürfnis, darum die Forderung für eine Durchmesserlinie.

5. Müsste die BLT für die neue Linienführung neues Rollmaterial beschaffen?

«Für uns spielt es betrieblich und kostenmässig keine Rolle, ob wir von Ettingen aus zum Wiesenplatz oder Badischen Bahnhof fahren», sagt Büttiker. Das Unternehmen würde genau gleich viel Personal, Depotabstellplätze und Kurse benötigen wie heute, nämlich elf Kompositionen.

6. Wie sieht die Situation bei einem Ausbau zu einer Ganztageslinie aus?

Das würde die Planungen der BLT über den Haufen werfen. Zwar heisst es aus Oberwil, dass der 17er weiterhin nur zu den Hauptverkehrszeiten verkehren würde. Doch das widerspricht den Plänen von Basel-Stadt. So heisst es im öV-Programm des Kantons, dass die 17er-Linie nach einer Anfangsphase «schrittweise zu einer Ganztageslinie ausgebaut» wird.

Die BLT stellt sich auf den Standpunkt, dass der Ausbau, falls überhaupt, erst mittel- oder langfristig erfolge – dies dürfe die Betreiberfrage nicht bereits jetzt beeinflussen.

7. Warum wehrt sich die BLT gegen einen Mischbetrieb mit der BVB?

«Wir wollen getätigte Investitionen schützen», sagte André Dosé, Verwaltungsratspräsident der BLT am Freitag. Die BLT habe sich auf den Betrieb des 17ers eingerichtet, also das Rollmaterial revidiert und Depot-Kapazitäten erstellt.

Andreas Büttiker schlug in dieselbe Kerbe: «Es kann nicht sein, dass bei jeder Netzänderung Ansprüche gestellt werden. Wir werden das auch nicht machen, wenn bei der BVB eine Strecke verlängert wird, wie das beispielsweise bei Salina Raurica der Fall sein wird.»

8. Fallen bei den BVB wirklich zwanzig Stellen im Fahrdienst weg, wenn die BLT die Strecke Bahnhof SBB – Badischer Bahnhof übernimmt?

Das ist umstritten. Die BVB-Geschäftsleitung nannte diese Zahl in der Mitarbeiterzeitschrift. Heute befährt die BVB die Strecke Badischer Bahnhof – Bahnhof SBB mit der Einsatzlinie 1. Diese würde entfallen, wenn der 17er zur Durchmesserlinie ausgebaut würde. Laut BLT würde der Stellenabbau, den die BVB-Geschäftsleitung umtreibt, nicht eintreffen. Denn diese könne im Gegenzug eine andere Strecke übernehmen.

9. Die BLT schlägt einen Abtausch mit der BVB vor. Wie sieht dieser aus?

Nach Inbetriebnahme des Margarethenstichs wird die Strecke Theater – Wiesenplatz frei. Die BLT schlägt vor, dass die BVB diese Strecke dannzumal übernimmt.

Doch das Abtausch-Angebot aus Oberwil kann die BVB nicht überzeugen: «Ob im Abschnitt Theater – Wiesenplatz eine andere Tramlinie diese Relation bedienen wird oder nicht, wird vom Bestellerkanton Basel-Stadt entschieden, nicht von der BVB», sagt Stephan Appenzeller, Leiter Unternehmenskommunikation. «Gemäss unserem letzten Informationsstand hat sich der Kanton noch nicht festgelegt. Die von der BLT am Freitag gemachte Aussage ist somit als These der BLT zu verstehen.»

10. Was könnten die weiteren Gründe sein, weshalb sich die BVB gegen die neue 17er-Linienführung wehrt?

Der BVB will sich womöglich die Option auf den Margarethenstich offen halten, um danach von einem möglichen Ausbau des 17ers zu einer «richtigen» Linie profitieren zu können. So will die Geschäftsleitung auch das Argument der zwanzig Stellen verstanden haben, deren Abbau drohe: «Der Stellenverlust von bis zu 20 Stellen bezieht sich auf diesen Vollausbau», teilt sie der bz mit. Dabei ist zu beachten, dass mit dem 14er eine Linie der BVB im Baselbiet vor der Verlängerung steht. Auch diese wird mehr Personal benötigen.