Niemand hat die Absicht, grüne Wiesen zu überbauen. Denn im Streit, der sich zwischen Kanton und der Gemeinde Biel-Benken anbahnt, geht es um neun landwirtschaftliche Betriebe, die bereits stehen, teilweise schon seit mehreren Jahrhunderten, mitten im Siedlungsgebiet.

Derzeit dürfen die Bauern dort fast nur Landwirtschaft betreiben, die Bauernhofzonen erlauben ihnen kaum etwas anderes. Doch das ist ihnen jetzt zu einschränkend. «Die Landwirtschaft hat sich geändert», erklärt Christian Jäggi, einer der neun Bauernhof-Besitzer. Bereits was die Bauern heute tun würden, etwa der Verkauf von Gemüse, das Backen von Gemüse, sei eigentlich zonenfremd. Und die Bauern wollen ihre Betriebe weiterentwickeln dürfen.

Zusammen mit acht weiteren Bauern im Dorfkern möchte Jäggi deshalb die Bauernhofzonen in Bauland umwandeln lassen. Der Gemeinderat hat ihr Anliegen aufgenommen und schlägt der Gemeindeversammlung am kommenden Mittwoch die Umzonung vor. Diese dürfte zustimmen, meint Gemeindepräsident Peter Burch: «Biel Benken steht zu seinen Bauern.»

Bund fordert Flächenausgleich

Doch damit wird die Umzonung noch nicht Tatsache sein. Der Gemeinderat rechnet in den Unterlagen an die Stimmberechtigten bereits mit einem Rechtsstreit mit dem Kanton. Denn das Amt für Raumplanung hat in der Vorprüfung angekündet, kein grünes Licht geben zu wollen – weil es sich nicht um eine Um-, sondern um eine Einzonung handle. Bei den Bauernhofzonen handle es sich um Grünzonen. Ein Rechtsguthaben im Auftrag der Gemeinde kommt zum gleichen Schluss.

Um das zu verstehen, muss man ins Jahr 1992 zurückblättern, als die Bauernhofzonen in Biel-Benken eingerichtet wurden. Man wollte damals die Bauernhöfe im Dorf davor schützen, Wohnbauten weichen zu müssen. Der Deal mit dem Kanton war: Biel-Benken nimmt die Bauernhöfe aus dem Bauland und darf dafür woanders zusätzliches Grünland einzonen. «Wenn man akzeptiert, dass die Bauernhöfe damals ausgezont wurden, dann muss man davon ausgehen, dass Biel-Benken jetzt eine Einzonung vornehmen will», sagt der Baselbieter Kantonsplaner Martin Kolb. Und bei Einzonungen fordere das eidgenössische Raumplanungsgesetz als Ersatz die Auszonung ebenbürtiger Flächen. Das sieht die Gemeinde nicht vor. Deshalb wird Kolbs Amt aller Voraussicht nach der Regierung beantragen, die Umzonung abzulehnen.

Dem Gemeindepräsidenten Burch leuchtet ein, dass es rein formal um Grünflächen geht. Er hofft aber, dass der Regierungsrat eine politische Wertung abgeben wird. «Politik macht man nicht nur mit Juristen, sondern mit der Realität», sagt er. Und die Realität sei, dass es sich um bereits bebautes Gebiet handle. Doch das ist für Kolb nicht ausschlaggebend: «Entweder ein Gebiet ist in der Bauzone, oder es ist es nicht. Diese Zweiteilung ist in der schweizerischen Raumplanung zentral.»

Für Bauer Jäggi betreiben die Liestaler Juristen Zahlenspielerei. «Bei einer Umzonung ändert sich etwas in der Statistik des Amts für Raumplanung, sonst nichts.» Der Kanton habe das Ziel der Raumplanung aus den Augen verloren, nämlich das Kulturland der Bauern zu schützen. Und Kanton und Gemeinden hätten bei der Schaffung der Bauernhofzonen versprochen, bei veränderten Bedingungen eine Einzonung zu erlauben. «Ist das jetzt nicht möglich, wurden wir damals angelogen.»

Eine weitere Bedrohung sieht Jäggi in der Mehrwertabgabe. Eine solche muss der Kanton früher oder später einführen. Findet die Umzonung der Bauernhofzonen erst danach statt, müssen die Besitzer dafür viel Geld zahlen – «für Häuser, die zum Teil seit 300 Jahren stehen», sagt Jäggi. Das empfindet er als ungerecht.

Strenge Vorschriften im Dorfkern

Zumindest theoretisch könnten die Bauern mit der Umzonung viel Geld verdienen. Ihr Land würde nämlich massiv an Wert gewinnen. Die Besitzer könnten dann ihre wirtschaftlichen Tätigkeiten ausweiten – oder was vermutlich noch lukrativer wäre: Sie könnten hochwertige Wohnungen erstellen, voraussichtlich mit beträchtlichem Gewinn. Denn Biel-Benken ist attraktiv gelegen und steuergünstig. Ein Quadratmeter Bauland mitten im Ortskern kostet bis zu tausend Franken.

Dass die Bauern ihr Land vergolden, hält Burch für unwahrscheinlich, wegen der strengen Bauvorschriften im Dorfkern. «Einen Wohnblock können sie da nicht hinstellen», sagt er. «Aber eine Umzonung wäre sicher eine Wertsteigerung.» Jäggi ist jedenfalls kein Bauer bekannt, der seinen Betrieb aufgeben und Wohnungen erstellen möchte. Dafür sei in den letzten Jahren zu viel in die Höfe investiert worden. Den Bauern gehe es letztlich darum, das Dorf lebendig zu halten. Wenn ein Junge einen Betrieb übernehme, solle er die Chance haben, etwas zu verändern. «Ansonsten riskieren wir Bauruinen im Dorf.»