Ein grosses Hanffeld hat in Biel-Benken Anwohner auf Trab gehalten, wochenlang. Auf einer umzäunten Hektare wuchs Cannabis, am Rand einer Gewerbezone, mitten im Siedlungsgebiet, gut sicht- und wahrnehmbar. Ein bz-Leser berichtet, er habe den «Duft» sogar noch in Oberwil gerochen: «Es war penetrant und fast nicht zu ertragen.»

Vergangene Woche stattete auch die Baselbieter Polizei dem Besitzer des Feldes einen Besuch ab, nach Hinweisen aus der Bevölkerung. Dabei stellte sich heraus: Der Anbau ist legal – es handelt sich um CBD-Hanf. Dessen Anbau ist in der Schweiz seit 2016 erlaubt. «Alle notwendigen Unterlagen konnten vorgewiesen werden», sagt Polizeisprecher Adrian Gaugler.

Besonders intensive Geruchsemissionen entstanden wahrscheinlich beim Ernten der Hanfpflanzen. Sie wurden Ende Oktober verarbeitet, ebenfalls in Biel-Benken.

«Die Hände gebunden»    

«Mir ist das Feld selber auch aufgefallen», sagt Gemeindepräsident Peter Burch. Anwohner hätten sich bei der Verwaltung beschwert. «Je nach Windrichtung durften andere Einwohner vom Geruch profitieren.»

Mitarbeiter der Verwaltung meldeten sich laut Burch beim Pächter. Der gab zur Auskunft, er habe das Land unterverpachtet. Danach habe die Verwaltung mit dem Unterpächter Kontakt aufgenommen. «Es handelt sich um medizinischen Hanf», sagt Burch. «Dafür braucht es keine Bewilligung, theoretisch könnten alle Bauern in Biel-Benken solchen Hanf anpflanzen. Uns wären die Hände gebunden.»

Das Land befindet sich im Eigentum einer Erbengemeinschaft. Wer der Hanfproduzent ist, das gaben weder Polizei, noch Gemeinde bekannt. Aus Datenschutzgründen.

Kaum zu unterscheiden

Verbieten könne man den Hanfanbau wegen der Geruchsemissionen nicht, sagt Pascal Simon vom Landwirtschaftlichen Zentrum Ebenrain. Es handle sich um ein natürliches Produkt. Auch andere landwirtschaftliche Erzeugnisse seien geruchsintensiv, fügt Simon an, etwa blühender Raps.

Der Anbau von CBD-Hanf muss dem Ebenrain nicht gemeldet werden. Trotzdem habe man vom Feld in Biel-Benken gewusst, sagt Simon: «Wir haben auch Hinweise erhalten.» Falls man den Produzenten nicht kenne, wende man ein Standardprozedere an, das auch bei diesem Fall zum Tragen kam: «Wir geben die Informationen an die Drogenfahndung weiter.»

Ein Problem von CBD-Hanf: Er ist äusserlich und geruchlich nicht von «scharfem» Hanf zu unterschieden, also von solchem mit hohem THC-Anteil. Tetrahydrocannabinol ist ein Rauschmittel und besitzt eine starke psychoaktive Wirkung. Der Anbau von Cannabis mit einem THC-Gehalt von über einem Prozent ist in der Schweiz weiterhin verboten.

CBD steht hingegen für Cannabidiol. Dieser Inhaltsstoff von Cannabis sativa wirkt entzündungshemmend, angstlösend, entspannend. Darum dient CBD-Hanf auch als Rohstoff für Zigaretten, Duftöle, Kaugummis, Salben und medizinische Produkte.

Geld vom Bund gibt es nicht

Seit CBD-Hanf legalisiert ist, kam es zu einem kleinen Boom. Der Grund, weshalb es für den Anbau von CBD-Hanf keine Bewilligung braucht, hat auch mit den fehlenden Subventionen zu tun. Das Bundesamt für Landwirtschaft hält in einem Merkblatt zu CBD-Hanf fest: «Der Anbau von Hanf berechtigt zu keiner Art von Beitrag.»

Aus rechtlicher Sicht gibt es seit der Liberalisierung des Anbaus von CBD-Hanf viele Unschärfen. Er fällt zwar nicht mehr unter das Betäubungsmittelgesetz, dafür kommen andere Gesetze und Verordnungen zur Anwendung. Je nach Verwendungszweck können das sein: das Heilmittelgesetz, das Lebensmittelgesetz, die Sortenverordnung. Weiter muss auch das Chemikalienrecht beachtet werden. Bei medizinischem Hanf wie in Biel-Benken ist es das Heilmittelgesetz, das greift.

Stinkts nächstes Jahr wieder?

Sogar, wenn Produzenten den Hanf lediglich als Rohstoff verkaufen wollen, meldet sich mindestens eine Behörde: die Oberzolldirektion. Sie wertet die Blüten als Tabakersatzprodukte und treibt entsprechend Tabaksteuern ein. Swissinfo führte Zahlen der Eidgenössischen Zollverwaltung (EZV) auf. Demnach stieg die Zahl der CBD-Produzenten von fünf (2017) auf 630 (Mitte 2018). 

Peter Burch sagt, er habe versucht, auf den Produzenten einzuwirken, sich doch für nächstes Jahr ein anderes Feld auszusuchen. «Vielleicht eines, das nicht im Siedlungsgebiet liegt.» Ob seine Bitte erhört wurde, wisse er jedoch nicht.