Sätze wie diese kommen in offiziellen Verlautbarungen eher selten vor. «Der Gemeinderat nimmt die Rossbollenfrage ernst.» Und weiter: «Bekanntlich sind auch wir Menschen froh, möglichst rasch den Windeln zu entwachsen.» Auch ein Hit Heintjes wird zitiert: «Mamatschi, schenk mir ein Pferdchen.»

In Biel-Benken schwelt eine Kontroverse um Pferde-Dung in Kugelform. Offenbar liegen die Pferdeäpfel – diesen Schluss lässt zumindest ein Leserbrief in der «Dorf-Zytig» zu – haufenweise auf den Strassen und Wegen herum. Der Brief erschien im April. In der aktuellen Ausgabe der «Dorf-Zytig» nun sah sich Gemeindepräsident Peter Burch dazu veranlasst, darüber zu berichten, wie der Gemeinderat das Problem zu lösen gedenke. Sein Beitrag trägt den Titel «Rossbollen-City».

Burch lehnt Windeln – wie das etwa in Wien gehandhabt wird – ab. Die Säcke seien für die Tiere unangenehm, hält er fest. Stattdessen setzt er auf häufigere Reinigung von Strassen und Wegen. Das Reiten wäre nur noch auf festgelegten Pfaden erlaubt, die Entfernung der Exkremente müssten dann die Tierhalter berappen. Und das ist der Knackpunkt: Für diese Lösung müsste eine neue Gebühr oder Steuer eingeführt werden, analog zur Hundesteuer – doch da bockt der Kanton, stellt sich quer.

Ettingen scheiterte

Biel-Benken ist nicht die erste Gemeinde im Leimental, die versucht, der Ausscheidungen der Huftiere mit Abgaben Herr zu werden. Schon Ettingen wollte 2013 eine Pferdegebühr einführen, wurde jedoch von den Juristen der Volkswirtschafts- und Gesundheitsdirektion (VGD) zurückgepfiffen. Die Begründung der Direktion: Eine Gebühr sei nicht möglich, weil die Reiter dafür eine reservierte Leistung des Staates erhalten müssten. Dies sei nicht der Fall, denn die Pferde würden öffentlich zugängliche Wege benützen. Deshalb handle es sich bei dieser jährlichen Abgabe nicht um eine Gebühr, sondern um eine Steuer, und eine Pferdesteuer sehe der Kanton nicht vor. Die VGD stützte sich dabei auf ein Gerichtsurteil aus dem Jahr 1977.

Peter Burch ist überzeugt, dass ein erneuter Versuch eine Chance hätte: «Wenn wir Reitwege bestimmen und diese reinigen lassen, so kann man dies durchaus als eine Gegenleistung definieren, die mit Gebühren entgolten werden muss.» Er will das Thema gemeinsam mit seinen Amtskollegen im Leimental angehen; die Pferdesteuer sei für die kommende Sitzung des Gemeindeverbunds Plattform Leimental Ende Monat traktandiert. «Ich strebe eine regionale Lösung an», sagt Burch. «Würden wir Gebühren und Reitverbote im Alleingang einführen, würde das nur Ausweichverkehr provozieren.»

Mit der Reittier-Steuer gute Erfahrungen gemacht hat Metzerlen-Mariastein, sagt Gemeindeverwalter Silvio Haberthür. Im Gegensatz zu Baselland lässt Solothurn diese zu. Neben Metzerlen-Mariastein hat im solothurnischen Leimental auch Bättwil die Steuer eingeführt. An beiden Orten kostet ein Pferd 150 Franken pro Jahr.

Peter Burch hebt in seinem Beitrag in der «Dorf-Zytig» auch die Bedeutung der Reiterei für die Gemeinde hervor, so habe Biel-Benken die höchste Pferdedichte im Leimental. Es gehe bei der Lösung des Bollenproblems nicht zuletzt darum, das gute Einvernehmen zwischen den Einwohnern zu Pferd und jenen zu Fuss zu wahren. Und gerade der herumliegende Dung könnte das Verhältnis ernsthaft trüben, wie er weiter ausführt: «Spätestens, wenn man einmal in Sonntagsschuhen und in Eile in Rossbollen hineintrampt, bekommt man spontan ein anderes Verhältnis zu Pferden und deren Hinterlassenschaft.»