Ein Duft von Speck und Bier liegt in der Luft. In der Stube ist es angenehm warm. In der Mitte ein Tisch mit einem rot-weiss karierten Tischtuch. Gedeckt mit Wurst, Speck und Brot, daneben zwei Biergläser und Bierflaschen. «Uns ist das Bier nicht Wurst», steht auf den Flaschen geschrieben. In dieser Stube in Lausen werden keine Familiengespräche geführt, hier unterhält man sich über Bier.

Während manche Pensionierte jassen oder in einem Turnverein tätig sind, tüftelt der bald 80-jährige René Heinze an verschiedenen Bierrezepten herum. Dies nun schon seit beinahe 20 Jahren. Seine eigene kleine Brauerei, Recher’s Braustube, befindet sich im Dorfkern von Lausen. Seit November 2012 braut er dort jährlich etwa 3000 Liter.

Alle Rezepte selber kreiert

Neben vier verschiedenen Standardbieren von hell bis dunkel und den saisonalen Spezialitäten – zum Beispiel das Spezial-Bier mit Kirsche – verfügt Heinze noch über weitere Rezepte. Das Chienbäse-Bier, das Black-Bear-Bier, das Metzger-Bier, das Whisky-Bier oder das Märt-Bier. Alle insgesamt 32 Sorten hat Heinze selbst kreiert. Die Rezepte hat er gut aufbewahrt in einem Ordner abgelegt. Dort steht zum Beispiel, wie viel Malz die Sorte benötigt oder welche Bitterkeit die Sorte haben soll. Ein neues, gutes Bier zusammenzustellen sei schwierig: «Es wird deshalb auch Braukunst genannt», erzählt Heinze mit einem verschmitzten Lächeln.

Die Braustube, die sich in einem ehemaligen Schlachtraum hinter der Metzgerei Recher’s befindet, ist klein, aber fein: «Eine kleine Brauanlage zu haben, ist sehr praktisch. So können wir eine kleine Menge einer Sorte brauen, bei der wir auch sicher sind, dass wir die Menge verkaufen werden», sagt Heinze und fügt hinzu: «Ausserdem brauen wir mit einer hohen Qualität. Wir investieren in gute Produkte. Unser Bier hat zwölf Prozent Stammwürze, das bedeutet, dass es eine gute Qualität hat.» Zu Heinzes Brauteam gehören seine Lebenspartnerin Heidy Birrer und Dieter Recher. In Rechers Metzgerei werden all die produzierten Biersorten für je Fr. 4.50 plus einen Franken Flaschendepot verkauft. Deshalb sind auch diverse Sorten auf das Sortiment der Metzgerei abgestimmt. Und deshalb steht auch auf jedem Bier: «Uns ist das Bier nicht Wurst.» Ein passender Slogan, den sich die drei für ihr Bier ausgedacht haben. Ab diesem Sommer kann man Recher’s Braustuben-Biere auch im Regal des Volg-Ladens Itingen finden. Denn Heinzes Wunsch ist es, an seiner Hobbybrauerei bald etwas verdienen zu können. Bisher hätten sich die Ausgaben und Einnahmen immer ausgeglichen.

Eigentlich ist Heinze Weintrinker

Recher’s Braustube bietet ihren Kunden nicht nur ein gutes Bier, sie können auch selbst beim Brauen dabei sein. Ein Brauerlebnis, bei dem die Kunden sehen können, wie das Bier entsteht. Und nicht nur das: Die Zuschauer können sogar ihr eigenes Rezept wünschen. Welchen Geschmack es haben soll, bis hin zu welcher Farbe. Heinze versucht, jeden Kundenwunsch zu erfüllen.

Bevor Heinze mit Dieter Recher und Heidy Birrer die Braustube eröffnete, war er zwölf Jahre lang im Verein «Unser Bier» als Brauer tätig. Dort lernte er zu brauen, welche Schritte es benötigt, damit ein gutes Bier entsteht. Die Idee einer eigenen kleinen Braustube entstand, als Dieter Recher vor vier Jahren einen Braukurs bei Heinze besuchte.

Im Hinblick auf die Landratspräsidiumswahl möchte Heinze eine neue Biersorte entwickeln. Ende Juni wird die Lausnerin Daniela Gaugler (SVP) zur neuen Landratspräsidentin gewählt. Ein «Landrotspräsi»-Bier soll es werden, sagt Heinze. Bei der Frage, welcher Geschmack das Bier haben wird, meint er: «Es soll ein leichtes Bier werden. Eines, welches Frauen auch gerne haben.» Er wird sich aber noch Gedanken darüber machen.

Für Heinze ist Bier aber nicht alles auf der Welt. Der bald 80-Jährige verrät mit seiner herzlichen Stimme: «Obwohl ich viel Bier trinke, bin ich eigentlich eher ein Weintrinker.»