Bereits heute schreibt das Bundesgesetz vor, dass in der Schweiz drei Sportlektionen pro Woche für alle Kinder und Jugendlichen obligatorisch sind. Diese Schwelle darf durch kantonale Massnahmen – etwa bedingt durch Sparprogramme – nicht unterschritten werden.

Daran orientiert sich die Initiative «Stopp dem Abbau an den öffentlichen Schulen», welche am 19. Mai zur Abstimmung kommt, indem sie einen geschützten Mindestumfang auch für die handwerklichen, gestalterischen und musischen Fächer fordert. Eine Reduktion der Gesamtzahl der genannten Fächer pro Schulstufe – nicht etwa pro Schuljahr! – müsste neu durch eine Zweidrittelmehrheit des Landrats bewilligt werden.

Warum explizit die handwerklichen, gestalterischen und musischen Fächer? Weil die Erfahrung lehrt, dass die Politik gerne bei diesen angeblich «nicht so wichtigen Fächern» den Rotstift zuerst ansetzt, wenn gespart wird. Dies ist in mehrfacher Hinsicht falsch: So ist es Aufgabe der öffentlichen Schule, die breite Palette von Neigungen und Talenten der Lernenden zu fördern und zu entwickeln – sowohl zugunsten der einzelnen Schülerinnen und Schüler als auch im Interesse der Wirtschaft, um für die ganz unterschiedlichen Anforderungen der Berufsbildung geeignete Nachwuchskräfte finden zu können. Sehr wichtig ist auch der Ausgleich, den die handwerklichen, gestalterischen und musischen Fächer gegenüber den eher «kopflastigen» bieten. Ein Ja zur Initiative ist darum ein Ja zu einer ganzheitlichen Bildung im Sinne Pestalozzis: Kopf, Herz und Hand bleiben wichtig!

Eine weitere Forderung der Initiative «Stopp dem Abbau an den öffentlichen Schulen» betrifft die Klassengrössen, über welche in den letzten Jahren immer wieder politisch gestritten wurde. Auch hier sieht die Initiative ein landrätliches Zweidrittel-Quorum vor, um Verschlechterungen im Sinne von höheren Richt- und Höchstzahlen realisieren zu können.

Als Verantwortliche für das Ressort Beratung im kantonalen Berufsverband der Lehrerschaft (LVB) kenne ich die Sorgen und Probleme der Unterrichtenden sehr genau. Ganz weit vorne rangieren Erziehungsaufgaben, die von Eltern an die Schule delegiert werden. Es ist nicht aus der Luft gegriffen, wenn kürzlich in der Presse zu lesen war, dass jedes fünfte Kind den Unterricht störe. Die Einführung der integrativen Schule und die gestiegene Zahl an Kindern mit mangelnden Sprachkenntnissen haben die Heterogenität der Klassen noch einmal deutlich vergrössert.

Selbst von den schwächeren Schulabgängern verlangt die veränderte Arbeitswelt aber bestimmte Anforderungen, um sie in die Erwerbsarbeit integrieren zu können. All diesen Herausforderungen kann am besten begegnet werden, wenn die Lehrperson Zeit für den einzelnen Schüler und die einzelne Schülerin hat. Je grösser die Klassen, umso unrealistischer werden diese Ziele. Ich sage aus Überzeugung zweimal Ja zu den kantonalen Bildungsinitiativen!

*Mitglied Geschäftsleitung LVB