Zu Beginn eine masslose Untertreibung: Es sei «unüblich», dass der Bildungsrat vor die Medien trete, sagte dessen Vizepräsident Rolf Knechtli an der Medienkonferenz am Freitag in Liestal. Dabei war es die erste Medienkonferenz des Fachgremiums überhaupt – und den Bildungsrat gibt es doch schon ein Weilchen: seit 1835.

Es muss also ein wichtiger Grund vorliegen für den erstmaligen Gang vor Mikrofone und Kameras. Und so ist es auch. Das Gremium fürchtet im 181. Jahr seiner Existenz um den Fortbestand: Nimmt das Baselbieter Stimmvolk am 5. Juni die Vorlage «Einführung Lehrplan 21» an, so wird der Bildungsrat, der für Lehrpläne, Stundentafeln und Lehrmittel im Landkanton zuständig ist, entscheidend entmachtet. Dem Rat würde die Kompetenz entzogen, den Lehrplan 21 selber verabschieden zu können. Darüber würde stattdessen der Landrat entscheiden.

So ging es an der Medienkonferenz nur vordergründig um die längst bekannten Empfehlungen zu «Einführung Lehrplan 21» und «Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer», die andere vom Bildungsrat bekämpfte Vorlage vom 5. Juni. Wichtiger war wohl das Signal: Der Bildungsrat verlässt das stille Kämmerlein.

Einstimmige Ablehnung

So wurden an der Konferenz von den Referenten keine wesentlich neuen Argumente vorgebracht. Der Bildungsrat lehnte bei der internen Abstimmung beide Vorlagen klar ab: «Lehrplan 21» einstimmig, wie auf Nachfrage zu erfahren war – «Verzicht auf kostentreibende Sammelfächer» mit einer Enthaltung und einer Gegenstimme.

Für sie sei es eine «ungewöhnliche Situation», umschrieb FDP-Regierungsrätin Monica Gschwind ihr Dilemma. Sie ist von Amtes wegen Präsidentin des Bildungsrats, dem sie kritisch gegenüber steht. Vor ihrer Wahl in die Kantonsregierung im Februar 2015 unterschrieb sie als Landrätin beide parlamentarischen Initiativen, über die nun abgestimmt wird. Sie galt als treibende Kraft beim Widerstand gegen den Lehrplan 21 und die Sammelfächer. So proklamierte sie nach Amtsantritt als Bildungsministerin beim Lehrplan 21 auch sogleich einen «Marschhalt».

Gschwind wand sich am Freitag heraus, indem sie gleich zu Beginn ankündigte, im Rahmen der Medienkonferenz trage sie nur den Hut der Präsidentin des Bildungsrats – sie gebe keine persönliche Meinung zu den Vorlagen ab. Dass sie ihre selbst auferlegte Zurückhaltung ernst nimmt, ist anhand der Verabschiedung der Empfehlungen zu den Vorlagen zu erkennen, die stillschweigend erfolgte. An dieser Sitzung nahm Gschwind teil, wie im Anschluss an die Konferenz zu erfahren war, sie griff jedoch nicht ein. Das dürfte ihre Unterstützer im Regierungs-Wahlkampf zumindest irritieren – etwa den Vater der beiden Vorlagen vom Juni, Landrat Jürg Wiedemann. Er, damals noch Grünen-Mitglied, empfahl Gschwind explizit zur Wahl.

Wiedemann war auch Thema am Freitag, indirekt. Er sitzt im Vorstand des Komitees «Starke Schule Baselland». Dieses wirbt unter anderem mit Plakaten für die Vorlagen. Rolf Knechtli bezeichnete die Kampagne des Komitees als «fehlerhaft»: «Es ist schade», sagte der Bildungsrats-Vize, «dass derartige Fehlinformationen in Umlauf sind.» Gschwind wird sich wohl nicht nur bei diesem Votum auf die Lippen gebissen haben.