Der Fall gibt zu reden. Der 82-jährige Hansruedi Rentsch retournierte seinen Führerausweis freiwillig. Statt netter Worte für seine Tat erhielt der Allschwiler lediglich ein trockenes Schreiben. Rentsch wurde darüber belehrt, eine Rückgabe aus freien Stücken werde wie ein Ausweisentzug behandelt.

Der CVP-Landrat Simon Oberbeck ist mit dieser Kommunikation der Motorfahrzeug-Kontrolle Baselland (MFK) nicht zufrieden. «Wir sollten Autofahrerinnen und Autofahrern, die sich zu diesem Schritt entschlossen haben, danken und sie unterstützen, denn sie handeln vorbildlich», sagt der Birsfelder zur bz.

Der jetzige Standardbrief der MFK habe «eher eine abschreckende Wirkung für andere, die ebenfalls mit dem Gedanken spielen, den Ausweis abzugeben. C’est le ton qui fait la musique.» Oberbeck stellt in Aussicht, an der kommenden Landratssitzung vom 21. März Anfragen einreichen, ob das Schreiben der MFK nicht angepasst werden könne.

Denn: Es geht auch nett. Das beweisen andere Kantone. Im Aargau wird Ex-Autofahrern für die Rückgabe des «Billetts» explizit gedankt. So handhabt es auch Basel-Stadt. Der Brief an die Einwohner, die das Dokument abgeben, ist in freundlichem Ton gehalten. Zitat: «Möglicherweise ist Ihnen diese Entscheidung schwer gefallen, sie zeugt jedoch von grossem Verantwortungsbewusstsein, führt zur Verminderung in der Umweltbelastung und trägt zur Erhöhung der Verkehrssicherheit auf unseren Strassen bei.»

Das Schreiben endet mit «Alles Gute für die autofreie Zukunft». Noch expliziter ist der Kanton Luzern. Im Brief des Strassenverkehrsamts heisst es: «Wir gratulieren Ihnen zu diesem Schritt.»

In Basel ist Deponieren möglich

In allen erwähnten Kantonen werden den Nicht-mehr-Autofahrern zusätzlich SBB-Gutscheine ausgehändigt. Auch Baselland verschickt die Bons, die für Abonnemente oder Billette eingelöst werden können.

Simon Oberbeck stört sich an einem zweiten Punkt. Er will vom Regierungsrat in Erfahrung bringen, ob es nicht doch möglich wäre, die befristete Ausweisabgabe einzurichten. Baselland kennt diese Dienstleistung nicht – anders als etwa Luzern und Basel-Stadt, wo die Ausweise temporär hinterlegt werden können.

Toprak Yerguz, Sprecher des Basler Justiz- und Sicherheitsdepartements, schreibt: «Möchte der Kunde nur vorübergehend auf die Fahrberechtigung verzichten (zum Beispiel, weil ihm die Frist für die ärztliche Kontrolluntersuchung nicht ausreicht), kann er den Ausweis kostenlos bei der MFK deponieren.»

Die Fahrberechtigung werde zwar im Register des Bundes gelöscht, doch: «Nach Erfüllung aller nötigen Auflagen kann der Ausweis wieder aktiviert und kostenlos an den Kunden abgegeben werden – was innerhalb von zwei Jahren nach Verzicht geschehen muss.» In Basel-Stadt wurden im vergangenen Jahr 917 Ausweise retourniert. Die Zahlen aus Baselland sind nicht bekannt.

Pascal Donati, Leiter der MFK Baselland, schreibt: «Bei 26 Kantonen gibt es 26 Varianten, wie die gesetzlichen Vorschriften beim Text des Begleitbriefs umgesetzt werden.» Man werde dies nun aber überprüfen.