Eine Rede, Wurst und Brot für die Kinder und zur Krönung das Feuerwerk: In Binningen wird der 1. August mit einer offiziellen Feier begangen – so wie fast überall in der Schweiz.

Geht es nach dem Gemeinderat, so bleibt es in diesem Jahr finster auf dem Sportplatz Spiegelfeld, wo das Fest in den vergangenen Jahren meist stattgefunden hat. Er will die Feier abschaffen. Kürzlich publizierte er sein Sparpaket, mit dem er Binningens Finanzen wieder auf einen grünen Zweig bringen will. Teil des Streichkonzerts: die 24 000 Franken für die kommunalen Feierlichkeiten; darunter 6500 Franken fürs Feuerwerk.

Feier «nicht notwendig»

«Wir haben uns auf Dienstleistungen konzentriert, deren Abschaffung verantwortbar ist», begründet Gemeindepräsident Mike Keller (FDP) den Schritt. Die Bundesfeier sei zwar beliebt, aber «nicht notwendig».

Freiwillig agierten Keller und seine sechs Kollegen nicht. Es war das Gemeindeparlament, das den Gemeinderat zum Sparen verknurrte: Im Dezember schickte der Einwohnerrat das Budget, das ein Defizit von 2,2 Millionen Franken vorsah, retour an den Absender – zusammen mit dem Auftrag, den Fehlbetrag zu tilgen.

Der Einwohnerrat wird das revidierte Budget am 27. Januar behandeln. Die gestrichene Feier sorgt schon jetzt für Zündstoff bei den Abgeordneten. Für Gaida Löhr Vanoncini (SP) ist der Gemeinderat zu weit gegangen: «Die Bundesfeier ist unverzichtbar.» Auch Christoph Anliker von der SVP äussert sich kritisch. Er frage sich, ob dies «der richtige Ort zum Sparen ist.» Anders tönt es bei GLP-Vertreter Eduard Rietmann: «Irgendwo müssen wir anfangen. Zumindest das Feuerwerk gehört nicht zu den Kernaufgaben einer Gemeinde.»

SC Binningen hofft auf Feuerwerk

Schmerzhaft wäre eine Streichung für den SC Binningen. Der Verein führt seit Jahren den Festbetrieb durch. Präsident Jürg Suter rechnet damit, dass auch in diesem Jahr gefeiert wird auf den Spiegelfeld. Vom Vorschlag, auf das Feuerwerk zu verzichten, hält er wenig. «Das ist doch der Höhepunkt. Ohne Feuerwerk bleiben die Leute zu Hause.»

Mit der Präsentation der Sparvorschläge ergeht es den Binningern gleich wie den Dornachern, wo im Zuge von Sparmassnahmen ebenfalls ein unpopulärer Einschnitt geplant ist: Dort will der Gemeinderat das Gartenbad schliessen – durchaus mit der Absicht, die Bevölkerung wach zu rütteln.

Als Provokation will Keller die vorgesehene Abschaffung der Bundesfeier nicht verstanden haben. Er und seine Kollegen hätten stundenlang das Budget durchforstet. Über jeden Posten sei diskutiert worden. Sogar das eigene Jahresessen hat sich der Gemeinderat gestrichen. «Es gibt keine Tabus», beteuert Keller. «Das war für uns von Anfang an klar.»