Den Wählern ist meist nicht ganz klar, wo die Kandidaten für politische Ämter genau stehen. Davon ist der Binninger SVP-Einwohnerrat Roman Oberli überzeugt. Die SVP-Fraktion im Orts-Parlament verlangt daher per Vorstoss, dass Binningen bei den nächsten Gemeindewahlen bei einer Online-Plattform mitmacht, auf der die Teilnehmer einfach überprüfen können, welche Kandidaten am ehesten mit den eigenen Ansichten übereinstimmen.

Üblicherweise werden dabei Prozentwerte ausgegeben. Die bekannteste Plattform «Smartvote» ermöglicht auch eine Visualisierung in Grundsatzfragen, es ist die sogenannte «Smartspider».

«Mir sträuben sich die Haare»

Die Binninger Einwohnerräte waren am Montag in dieser Frage quer durch die Parteien gespalten: Den entsprechenden Kredit über 10’000 Franken genehmigten sie aber dann mit 18 gegen 14 Stimmen bei 3 Enthaltungen.

Gegner der Teilnahme war etwa Manuel Mohler (FDP). Er kritisierte, die Gebühren seien zu hoch, da lediglich etwa 15 bis 18 Prozent der Wähler solche Plattformen nutzen würden. Eigentlich wäre es Aufgabe der Parteien, ihre Positionen bekanntzumachen.

Andere Politiker warnten, man könne sein Profil auch schönen. «Es gibt einfach Punktzahlen wie bei der Partnervermittlung. Da sträuben sich mir als Lehrerin die Haare. Wir versuchen den Kindern doch beizubringen, dass sie selber denken», meinte Gaida Löhr (SP).

Patricia Bräutigam (CVP) hingegen fand, die vielen Kandidaten bei der Legislative seien für die Wähler schwierig. «Im Gegensatz zu den nationalen Wahlen haben die Leute keine Ahnung, wer da auf den Listen ist». Alle Politiker betonten, dass der Schwerpunkt auf lokalen Themen liegen müsse. Gemeindepräsident Mike Keller sagte, man solle es ausprobieren – die Mehrheit sah es offenbar ähnlich.

Je nach gewünschtem Detailgrad der Analyse kostet die Teilnahme zwischen 8 500 und 10 000 Franken. Mit dem Beschluss ist nun ein Bruttokredit von 10’000 Franken im Budget 2019 vorgesehen. Die nächsten Gesamterneuerungswahlen von Einwohnerrat und Gemeinderat finden im Jahr 2020 statt,