Private Handelshäuser sind nicht unbedingt bekannt dafür, dass sie sich gerne in die Karten schauen lassen. Um so spannender ist es, wenn der Chef einer solchen Firma einmal erklärt, was sie tut, wo sie aktiv ist, wie und warum. Andreas Zivy, Präsident der in Binningen domizilierten Agrarhandelsfirma Ameropa, hängt nichts an die grosse Glocke. Dabei könnte er: Mit weltweit 2400 Angestellten und 5,6 Milliarden Franken Umsatz dürfte Ameropa weltweit zu den zehn grössten Firmen der Agrohandel- und Logistikbranche gehören.

Aber es freue ihn natürlich, wenn die neue Getreidesilo- und Verladeanlage im Schwarzmeer-Hafen Constanza in Rumänien so gute Dienste leiste. «Wir setzen hier neue Massstäbe», sagte Zivy im Rahmen einer Medienreise. Die 50-Millioneninvestition hat gigantische Ausmasse: 20 Silos in zwei Reihen weisen ein Fassungsvermögen von je 10 000 Tonnen auf. 778 in den Meeresgrund getriebene Pfeiler verleihen den Silos die nötige Stabilität, 40 000 Tonnen Beton und 1290 Tonnen Stahl wurden verbaut. Mit 13 Tonnen Getreide pro Minute kann ein Schiff beladen werden, mit wenig Staubemission und Warenverlust.

Ameropa festigt mit diesem Terminal ihre Position in der Getreide-Logistik und im Getreide-Handel in Rumänien. Die Firma war zwar schon lange im Getreidehandel tätig, aber der grosse Sprung vorwärts in Rumänien gelang erst durch die Akquisition der Firma Chimpex (und der oben erwähnten Investition) sowie der Akquisition des Düngemittel-Herstellers Azomures in der Nähe von Sibiu. Die Fabrik befand sich aber in einem desolaten Zustand und musste totalsaniert werden. Seit 2012 wurden dort über 400 Millionen Franken aufgewendet.

Kampf gegen schlechten Ruf

Rumänien und das Donau-Tiefland im Besonderen ist eine sehr ertragreiche Landwirtschaftszone. Die Donauregion inklusive Ungarn, Serbien und Bulgarien habe die Produktion in den vergangenen 15 Jahren um 50 Prozent gesteigert und die Export sogar versechsfacht.

Dass Ameropa in der Kornkammer von Südosteuropa vor Ort sein muss, lag auf der Hand. Das werde hierzulande nicht immer verstanden, betont Zivy: «Rumänien hat in der Schweiz völlig zu Unrecht einen schlechten Ruf.» Die Leute seien gut ausgebildet. Knapp 1900 Beschäftigte zählt Ameropa in Rumänien: Bei Azomures arbeiten 1255 Angestellte, bei Ameropa Grains (Getreidebeschaffung und Düngelogistik) 334 Mitarbeiter, bei Chimpex, dem Hafenterminalbetreiber, 285 Angestellte.

Freilich hat Rumänien einige Probleme, das räumt auch Ameropa-Chef Zivy ein. Nach der Öffnung 1989 und dem Ende des kommunistischen Ceausescu-Regimes erlitt das Land einen Massenexodus, die Bevölkerung sank von 1990 bis heute von 23,2 auf offiziell 19,9 Millionen Einwohner. Jetzt herrscht Arbeitskräftemangel. Ausserdem wurde die Infrastruktur während Jahren vernachlässigt. Schulen und Spitäler haben einen schlechten Ruf, in der EU sind die Löhne höher. Die Demonstrationen in diesem Monat sind ein Ausdruck der Unzufriedenheit der Bevölkerung mit der politischen Führung und wohl auch mit der maroden Infrastruktur des Landes.

Obwohl auch der Bahnverkehr und die Trassen zu wünschen übrig lassen, setzt Ameropa auf den Schienenverkehr. Es habe zwar einigen Effort gebraucht, um die rumänische Staatsbahn davon zu überzeugen, dass der Getreidetransport auf der Schiene ökologisch wie kommerziell eine gute Sache sei, sagt Zivy. Aber auch die Bahn-Infrastruktur bedarf der Erneuerung und Erweiterung. Immerhin weist der Hafen von Constanza 300 Kilometer Geleise aus. Der Vorteil des Schienenverkehrs ist neben der Umweltverträglichkeit dessen grosse Kapazität. Ein wichtiges Merkmal des Getreidehandels und der entsprechenden Logistik ist, dass die Ware jedes Jahr in kurzen Zeitabschnitten, zur Erntezeit, eintrifft. «Da stehen im Hafen manchmal bis zu 200 volle Camions bereit und einander im Weg.» Eisenbahn und Lastschiffe sorgen für eine gewisse Entlastung. Ameropa rechnet in den kommenden 10 Jahren mit einer Verdoppelung der rumänischen Getreideexporte.

Preise unter Druck

Insgesamt ist aber der Getreidehandel schwieriger geworden; die Preise sind global unter Druck. «Die Gewinnmargen sind demnach extrem dünn. Unsere Firmenziele haben wir im vergangenen Jahr nicht erreicht», gesteht Zivy. «Gut, dass wir solide finanziert sind.» Strenge interne Richtlinien für die Händler sollen Risiken in Grenzen halten. Ameropa besitzt Handelsplattformen in Binningen, Lausanne, Wien, Tampa und Singapur. Wegen fallender Preise, des Verkaufs der französischen Firma Agri Négoce und der Schliessung einer Handelsplattform in Deutschland ist der Umsatz um sieben Prozent und die Zahl der Beschäftigten um vier Prozent gesunken.