Jetzt ist zwei Dutzend Binninger Eltern der Geduldsfaden gerissen: Sie trafen sich am Montagabend zu einer Krisensitzung. Grund dafür ist eine unappetitliche Situation im Primarschulhaus Neusatz: Vor rund zwei Jahren ist dessen Turnhalle für eine Million Franken unterkellert und darin ein Mittagstisch eingerichtet worden. Weil die Feuchtigkeitsabdichtung vergessen ging, hat sich in den Räumen Schimmelpilz gebildet, wie die «Basler Zeitung» kürzlich berichtete, und was von der Gemeinde Binningen bestätigt wird.

Eltern-Sprecher Kevin Lancashire beschreibt die Stimmung an der Krisensitzung, an der auch zwei leitende Mitarbeiter der Binninger Verwaltung anwesend waren, als «teils emotional». Denn die Eltern würden sich um die Gesundheit ihrer Kinder sorgen. «Das Ganze ist desolat. Unser Ziel ist, dass endlich gehandelt wird. Wir verlangen, dass die Gemeinde Sofortmassnahmen ergreift, bis die Baumängel behoben sind, und entweder einen Container zur Verfügung stellt oder einen leerstehenden Raum bei der Kirchgemeinde mietet.» Lancashire und seine Mitstreiter sind schlecht zu reden auf die Gemeinde: «Wir haben kein Vertrauen mehr in ihre Professionalität.»

Ganz anders beurteilen die Behörden die Situation. Bernard Keller, stellvertretender Gemeindeverwalter, Kommunikationschef und als Gemeindevertreter an der Krisensitzung der Eltern dabei, sagt: «Wir haben von einer spezialisierten Firma Schimmelsporen-Messungen machen lassen. Und die Firma kommt in ihrem Gutachten zum Schluss, dass keine Gefahr für die Kinder besteht.» Derzeit laufe eine zweite Messung, deren Resultate nächste Woche erwartet würden.

Mehr Schimmel – mehr Risiken

Keller sagt aber auch: «Es ist legitim, dass sich die Eltern Sorgen machen. Sie stützen sich auf andere Informationen ab.» Gemeint ist damit vor allem die Informationsbroschüre «Schimmel in Wohnräumen» des Bundesamts für Gesundheit. Darin schreibt dieses unter dem Titel «Ungesunde Feuchtigkeit»: «Mit dem Ausmass der Verschimmlung nehmen auch die Gesundheitsrisiken zu. Neben häufigen Reizungen von Augen, Haut und Atemwege, treten gelegentlich auch Allergien auf. Atemwegsreizungen können sich mit der Zeit zu einer chronischen Bronchitis (Husten) und zu Asthma weiter entwickeln.» Vermietern von schimmelbefallenen Räumen empfiehlt das Bundesamt, für eine fachgerechte Sanierung zu sorgen.

Wieso macht das nicht auch Binningen? Keller sagt: «Von Seiten der Architekten gab es einen Baupfusch. Wir können für die notwendige Gesamtsanierung jetzt nicht bis zu 400 000 Franken Steuergelder verschleudern, sondern müssen warten, bis die Zuständigkeiten geklärt sind.» Hintergrund ist ein Streit mit dem Versicherer des Architekten, wer wie viel an die Sanierung bezahlen muss. Schiesst die Gemeinde das Geld vor, fürchtet sie, nie mehr etwas davon zu sehen.

Und wie lange dauern die Verhandlungen noch? Keller: «Das ist offen. Aber das Ganze ist sehr ärgerlich, auch für die Gemeinde.» Nichts sagen will der Kantonsarzt, weil nicht er, sondern die Gemeinden für Gesundheitsfragen der Primarschüler zuständig seien.