Die Elektra Baselland (EBL) will ihr Kleinkraftwerk Obermatt bei Zwingen abreissen und neu bauen. Die Pläne des Stromversorgers sahen vor, im gleichen Zug einen grösseren Birsabschnitt naturnah zu gestalten und einen Flussarm aufzuwerten – doch dann kam das Nein aus Liestal: Die kantonale Bau- und Umweltschutzdirektion (BUD) gestattete die Massnahme am Flussarm nicht.

Betroffen ist die rund 1,4 Kilometer lange Restwasserstrecke oberhalb von Zwingen. Ihre Aufwertung hätte Bauarbeiten vorausgesetzt, doch Baumassnahmen, schreibt die BUD im publizierten Baugesuch, könnten im vorgesehenen Gebiet nicht genehmigt werden, denn dieses liege in einer Grundwasserschutzzone.

Was die EBL besonders ärgern dürfte: Sie selber wollte die Aufwertung ursprünglich gar nicht. Sie akzeptierte lediglich, das Flussufer unterhalb Zwingens zu revitalisieren. Gemäss dem Unternehmen genügt dies, um die gesetzlichen Vorgaben zu erfüllen. Solche sind unter anderem im Bundesgesetz über den Natur- und Heimatschutz vorgeschrieben. In diesem heisst es, dass bei Eingriffen in Flussräume ausgleichende Massnahmen zugunsten der Natur vorzunehmen seien.

Alle waren sich einig

Ganz anderer Meinung als die EBL waren der WWF und zwei Fischerverbände. Sie pochten auf zusätzliche Ausgleichsflächen, wenn die Anlage eine neue Konzession erhalten sollte. Nach Interventionen von Umweltschützern und Fischern lenkte die EBL ein: Auch der Restwasserkanal darf umgestaltet werden.

Beim WWF ist das Unverständnis über den Entscheid der kantonalen Baudirektion gross. «Eineinhalb Jahre lang haben die Verhandlungen mit der EBL gedauert», sagt Jost Müller, Geschäftsführer des WWF Region Basel, zur bz. Für die grössere Ersatzmassnahme hätte sogar schon das Einverständnis der Grundeigentümer auf dem Tisch gelegen. «Nun hat der Kanton einen Teil des Vorhabens ersatzlos aus der Konzessions- und Baubewilligung getilgt. Dafür haben wir kein Verständnis.»

Fische in der Falle

Der WWF hat gegen die Konzessionserneuerung und die Baubewilligung Einsprache erhoben, gemeinsam mit dem Kantonalen Fischereiverband Baselland (KFVBL) und der Fischerei-Pachtvereinigung des Bezirks Laufen (Fipal). Bei der EBL gibt man sich diplomatisch. Man sei sich mit dem WWF, den Fischereivertretern und dem Kanton einig geworden, sagt CEO Urs Steiner zur bz. Einzig bei den Fischtreppen gebe es noch Differenzen: «Die Umweltschützer und die Fischer wollten zwei – der Kanton sagt, dass eine reicht.»

Tatsächlich ist vorgesehen, nur beim Kanal einen neuen Fischpass einzurichten. Die Birs teilt sich beim Wehr in den Kanal und in den Restwasserarm. Der Kanal fliesst unter der Papierfabrik durch, früher wurde sie vom Kraftwerk mit Energie versorgt. Beim Schloss Zwingen vereinigen sich die beiden Flussarme wieder. Fische benutzen zum Flussaufstieg meist den Kanal, schreibt der WWF Region Basel in seiner neuesten Mitgliederzeitung. Bei tiefem Pegelstand jedoch würden sie auf die Restwasserstrecke ausweichen. Spätestens beim Wehr sässen die Fische «in einer Sackgasse», denn die vorhandene Fischtreppe funktioniert laut WWF nicht ordnungsgemäss. Deshalb müsse sie saniert werden.

Regierung hat letztes Wort

Die Bau- und Umweltschutzdirektion bestätigt auf Anfrage, dass Einsprachen eingegangen seien. Da es sich um ein laufendes Verfahren handle, könne und dürfe man sich jedoch nicht dazu äussern.

«Die EBL hat nun die Möglichkeit», schreibt die BUD, «die Einsprachen mit den Einsprechenden zu verhandeln. Werden die Einsprachen nach diesen Verhandlungen nicht zurückgezogen, hat der Regierungsrat darüber zu entscheiden.»