Für neun Gemeinden war das ausgelaufene Jahr ein spezielles: Arlesheim, Reinach, Aesch, Pfeffingen, Oberwil, Therwil, Ettingen, Allschwil und Schönenbuch durften ihre 200-jährige Zugehörigkeit zur Schweiz feiern. Die bewegte Geschichte dieser Birsecker Gemeinden arbeitet Hans Utz in seinem Buch «Eine Fussnote der Geschichte: Französisches und baslerisches Birseck, 1792–1833» auf.

Herr Utz, Sie sind selber in Therwil zu Hause. Sind Sie froh, dass die Gemeinde zur Schweiz gehört?

Hans Utz: Natürlich. Für Therwil und die umliegenden Gemeinden macht es einen grossen Unterschied, dass sie die vergangenen 200 Jahre bei der Schweiz und nicht bei Frankreich verbringen konnten.

Inwiefern?

In der Schweiz profitieren sie von einer starken Konstanz und der unbestrittenen Demokratie. Ausserdem wuchs unter baslerischer Herrschaft der Wohlstand, wenn auch mit gewissen negativen Konsequenzen wie der Ausbeutung der Natur. Auf jeden Fall ist der Anschluss an die Eidgenossenschaft etwas, das sich zu feiern lohnt.

Wurde dies Ihrer Meinung nach gebührend getan?

Ja. Die Birsecker Gemeinden haben heute keinen organisatorischen Zusammenschluss mehr, was das Ganze etwas erschwerte. Aber jede Gemeinde hat nach ihren Bedürfnissen und Möglichkeiten etwas Eigenes auf die Beine gestellt. Das fand ich ideal gelöst und die Anlässe waren alle sehr gut besucht. Über die neun betroffenen Gemeinden hinaus hat sich das Jubiläum allerdings kaum rumgesprochen.

Sie finden, der Anschluss an die Schweiz ist ein Grund zum Feiern. Aber unter französischer Herrschaft war ja nicht alles schlecht. Sie erwähnen in Ihrem Buch etwa Frauenrechte und Bildung.

Von unserem heutigen Standpunkt aus können wir die ganzen letzten 200 Jahre einschätzen. Darauf bezieht sich auch mein Urteil, nicht auf die Zeit der französischen Herrschaft. Diese hatte durchaus ihre positiven Seiten. Zudem prägte sie die Birsecker stark. Sie nahmen ein moderneres Denken mit, das sie gegen die Basler auch immer wieder ausspielten. Den Einfluss der französischen Zeit auf die Mentalität der Bürger spürt man heute vor allem noch im Jura, der zur gleichen Zeit zur Eidgenossenschaft stiess wie das Birseck.

Aber die Birsecker waren froh, dass sie von Frankreich weg zur Schweiz kamen?

Auf jeden Fall. Am liebsten hätten sie zwar mit den anderen Gemeinden des ehemaligen Fürstbistums einen eigenen Kanton gegründet, statt auf die verschiedenen Kantone verteilt zu werden. Aber das war zweite Priorität, am wichtigsten war es, der Eidgenossenschaft zugesprochen zu werden.

Aber auch dort fühlten sich die Birsecker ganz offenbar nicht wohl. Sonst hätten sie sich kaum so schnell von Basel getrennt.

Hier muss man die äusseren Umstände beachten: Die Birsecker waren damals, nach Napoleons Kriegen, arm. Dazu kamen dann die Hungersnöte, die damals in der ganzen Schweiz herrschten. Die Birsecker hatten es schwer.

Wenn diese Hungersnöte nicht gewesen wären, wäre es also nicht zur Trennung von Basel gekommen?

Doch, sehr wahrscheinlich schon. In Liestal war der Wille, sich abzuspalten, ja bereits sehr stark. Auch ohne die Birsecker wäre es zur Kantonstrennung gekommen. Aber das Fass zum Überlaufen gebracht hat sowieso ein politischer Fehler: Dass Basel den Gemeinden, die die Abstimmung zur Kantonstrennung boykottiert hatten, die Verwaltung entzog. Das war für die Trennung entscheidend.

Sind die Birsecker einfach sehr schwer zufriedenzustellen? In Frankreich fühlten sie sich nicht wohl, aber auch zu Basel wollten sie nicht gehören.

Und damit ist die Geschichte noch nicht einmal zu Ende. Auch im Kanton Baselland waren die Birsecker lange nicht glücklich. Es gab einen Kulturkampf wegen des katholischen Glaubens der Birsecker, mit dem sie im Baselbiet in der Unterzahl waren. Sie fühlten sich vom reformierten Kanton überstimmt. Das Bewusstsein, etwas Besonderes zu sein, hielt bei den Birseckern noch bis zum Ersten Weltkrieg an. So weit geht mein Buch leider nicht, aber ich bin dabei, dieses Thema weiter zu erforschen.

Was hat Sie dazu bewogen, ein Buch über das Birseck zu schreiben? War es das Jubiläumsjahr?

Ursprünglich wollte ich anlässlich des Jubiläums einen Kurs an der Volkshochschule geben. Bei dessen Vorbereitung habe ich gemerkt, dass es zu diesem Thema kaum Sekundärliteratur gibt. Originalquellen waren dafür zahlreiche vorhanden. Ich wurde von vielen ermutigt, diese aufzuarbeiten und die Lücke in der Sekundärliteratur zu schliessen.