Zum zehnten Mal fand im Leue das Waldenburger Forum statt. Als Thema hatte Organisator René Vogt die Frage gestellt: «Vergisst der Kanton Baselland das Waldenburgertal?» Hintergrund der mehr als rhetorischen Frage war, dass grosse Unternehmen samt Arbeitsplätzen das idyllische Tal verlassen haben und die kantonale Wirtschaftsförderung ihren Schwerpunkt vor allem im Unterbaselbiet setzt.

Marc-André Giger, Berater der kantonalen Wirtschaftsförderung, räumte dies auch ein. Gleichzeitig machte er den Waldenburgern Hoffnung: Im Unterbaselbiet sei die Expansionsgrenze erreicht, sodass die Attraktivität im oberen Baselbiet für die Neuansiedlungen wieder steigen werde. Noch ein günstigeres Bild zeichnete Martin Kolb, der Vorsteher des kantonalen Amtes für Raumplanung. Gemäss einer Bundesstatistik dürfte die Bevölkerung im Waldenburgertal in den nächsten zwanzig Jahren um viertausend Personen wachsen.

Es fehlt an Gewerbeland

Davon zeigte sich die Moderatorin des Podiums, die Hölsteiner Gemeindepräsidentin Monika Gschwind, ebenso angetan wie ihre Kollegin aus Waldenburg, Andrea Kaufmann. Beide äusserten aber gleichzeitig ihre Wünsche: Das Raumplanungsamt solle dann auch Hand bieten, wenn es darum geht, Bauland und Gewerbezonen zu erschliessen. «Wir zählen auf Sie!»

Hans Sutter, langjähriger Chef und Inhaber eines Ingenieurbüros, stellte fest, dass das Waldenburgertal ein Imageproblem habe: «Es braucht dringend eine Verbesserung.» Er empfahl den Gemeinden, gemeinsam ein Leitbild zu erarbeiten, das die Chancen und Perspektiven aufzeige. Weniger positiv beurteilte der KMU-ler und Garagist Franz Schweizer die Lage. Allfällige Massnahmen der Wirtschaftsförderung kämen zehn Jahre zu spät. Würde man jetzt etwas unternehmen wollen, brauche es Zeit, bis diese Wirkung zeigten.

Selbstkritisch wies Schweizer darauf hin, dass es im Tal an einer einheitlichen Anlaufstelle fehle. Die Genossenschaft Innovatives Waldenburgertal (GIW) könnte diese Aufgabe noch stärker als bisher wahrnehmen. Und: «Wo kein Gewerbeland zur Verfügung steht, kann man aber auch nichts entwickeln.»

Gleichzeitig mahnte er, nicht zu viel vom Kanton zu erwarten: «Wir müssen selber tätig werden.» So müssten Gewerbler, Liegenschaftseigentümer und Gemeinden dem Help Desk der Wirtschaftsförderung geeignete Grundstücke und Industriebrachen nennen, die man dann potenziellen Interessenten anbieten könne.

Das Publikum war skeptisch

Im Publikum war man eher skeptisch. So meinte etwa Heinrich Schäublin, das Waldenburgertal liege zu abgelegen. Dies hätten jene Firmen erkannt, die in den letzten Jahren weggezogen seien. Dem hielt Giger das Modell des Laufentals entgegen. Dort wirke ein Wirtschaftsförderer (im 20-Prozent-Pensum); und er kenne alle verfügbaren Grundstücke im Laufental und Schwarzbubenland, die bei Bedarf schnell zur Verfügung stünden. Seitens des Kantons versprachen sowohl Giger als auch Kolb, man werde bemüht sein, Interessenten – wie im Kanton Zug – innert weniger Tage alle erforderlichen Bewilligungen zu verschaffen. Beiden rieten den Gemeinden im Waldenburgertal zudem, als Ergänzung vermehrt auf die Karte Natur, Sport und Freizeit zu setzen.